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Weite Wege am Peitinger Bahnhof Ost: Warum der Zug ganz am Ende des neuen Bahnsteigs hält

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Von: Christoph Peters

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Ganz schön weit ist der Weg vom Bahnhofsgebäude am Peitinger Bahnhof Ost zum Zug Richtung Weilheim, denn der hält derzeit am Ende des Bahnsteigs.
Ganz schön weit ist der Weg vom Bahnhofsgebäude am Peitinger Bahnhof Ost zum Zug Richtung Weilheim, denn der hält aus technischen Gründen derzeit am Ende des Bahnsteigs. © Hans-Helmut Herold

Seit dem barrierefreien Umbau das Peitinger Bahnhofs Ost im vergangenen Jahr müssen Fahrgäste gut zu Fuß sein. Denn der Zug Richtung Weilheim hält ganz am Ende des neuen Bahnsteigs – sehr zur Verwunderung vieler Peitinger. Im Rathaus hat man sich deshalb an die BRB gewandt. Die liefert eine kuriose Erklärung.

Peiting – Schön ist er, der neue Mittelbahnsteig am Peitinger Bahnhof Ost. Aber auch ganz schön lang. Immerhin bringt es das Bauwerk, das im Zuge des barrierefreien Ausbaus im vergangenen Sommer errichtet wurde, auf stolze 140 Meter. Das man dafür durchaus eine Weile braucht, können alle Fahrgäste bestätigen, die seit dem Umbau schon einmal den Zug in Richtung Weilheim genommen haben. Denn statt in direkter Nähe zum Bahnhofsgebäude und dem dortigen Gleisüberweg zu halten, wie es eigentlich naheliegend wäre, bleibt der Zug in schöner Regelmäßigkeit erst am Ende des neuen Bahnsteigs stehen.

Der seltsam anmutende Haltepunkt hat nicht nur bereits zu einigen Nachfragen verwunderter Fahrgäste im Peitinger Rathaus geführt, berichtet Bürgermeister Peter Ostenrieder. Auch bei der Bayerischen Regiobahn (BRB), an die sich der Rathauschef zwischenzeitlich gewandt hat, gingen laut Geschäftsführer Arnulf Schuchmann schon einige Beschwerden ein. „Es wirkt in der Tat komisch, wo der Zug hält“, kann Schuchmann die Irritation der Fahrgäste nachvollziehen. Doch natürlich hat er eine Erklärung dafür, warum der Triebwagen nicht passagierfreundlich in der Nähe des Bahnhofsgebäudes stoppt – und die ist durchaus kurios.

Auf der Strecke gilt ein besonderes Betriebsverfahren

So befinde sich der Bahnhof Ost an einer sogenannten Zugleitbetrieb-Strecke, für die ein besonderes Betriebsverfahren gelte. Dieses betreffe den Bahnübergang in Richtung Hohenpeißenberg. Der schließt nämlich laut Schuchmann erst, wenn der Triebfahrzeugführer einen speziellen Empfänger mit einer Infrarotpistole „anschießt“. Das Problem: Weil das nur aus geringer Entfernung fehlerfrei funktioniert und der Empfänger am Bahnsteigende steht, müssen die Züge bis dorthin fahren.

Per Infrarotpistole schaltet der Zugführer die Schranken am Bahnübergang Richtung Hohenpeißenberg.
Per Infrarotpistole schaltet der Zugführer die Schranken am Bahnübergang Richtung Hohenpeißenberg. © Hans-Helmut Herold

Die Alternative wäre, dass die Triebwagen weiter vorne halten und erst dann, nachdem die Fahrgäste ein- und ausgestiegen sind, bis zum Ende vorfahren. Doch die scheidet laut Schuchmann aus mehreren Gründen aus. Zum einen würde dies zu Verspätungen führen, da das dazugehörige Signal, das das Schließen des Bahnübergangs bestätige, erst etwa 45 Sekunden später schalte und der Zugführer noch per Funk eine Erlaubnis für die Weiterfahrt einholen müsse, erläutert der Geschäftsführer. Zum anderen „wäre dieses Vorgehen betrieblich eine Grauzone und damit haftungsrechtlich für uns problematisch, weshalb wir dies untersagt haben“.

Deutsche Bahn arbeitet an einer Lösung des Problems

Neu ist das beschriebene Vorgehen übrigens nicht. Schon vor dem Umbau des Bahnhofs sei die Infrarotpistole zum Einsatz gekommen, sagt BRB-Pressesprecherin Annette Luckner auf Nachfrage der SN. Nur sei dies niemanden aufgefallen, da der alte Bahnsteig kürzer und infolgedessen der Weg zum Zug für die Reisenden weniger weit gewesen sei.

Bei der BRB ist man über die aktuelle Situation alles andere als glücklich. Man habe sich bereits an die Deutsche Bahn gewandt mit der Bitte, einen zweiten Infrarot-Empfänger in der Bahnsteig-Mitte zu errichten, so Schuchmann. „Das wurde aber bisher abgelehnt, weil das in den Bauvorschriften nicht vorgesehen sei.“ Hier werde man aber noch einmal auf DB Netz zugehen, kündigt er an.

Der Zug scheint in diesem Fall tatsächlich noch nicht abgefahren zu sein. Wie eine Bahnsprecherin auf Nachfrage der Heimatzeitung mitteilt, sei man sich des Problems bewusst. Es werde derzeit untersucht. Man bemühe sich, „schnell eine Lösung herbeizuführen“.

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