Das Team vom Saliterhof in Peiting
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Sie warteten zuletzt vergeblich auf Gäste: David Schneid, Martin Grünwald, Andrea Fröhlich-Kratz, Bärbel Schlamp, Gitti Bußjäger und Mohamed Kassim (v.l.) vom „Saliterhof“.

Massive Umsatzeinbrüche

Erst Corona und jetzt das: Peitinger Wirte sind sauer über gesperrte B17 - „der absolute Horror“

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Erst Corona, jetzt auch noch die Straßensperrungen: Bei drei Peitinger Wirten ist die Verzweiflung deutlich zu spüren. Dieses verrückte Jahr hat erst „Ollis Schnaidbergstuben“ und jetzt den Gasthof „Lamprecht“ sowie ganz massiv auch den „Saliterhof“ in den Grundfesten erschüttert.

  • Wirt beklagen wegen gesperrter B17 massive Umsatzeinbußen.
  • Obwohl die Zufahrt frei ist, bleiben die Besucher aus.
  • Bis zum Ende der Baustelle ist keine Besserung in Sicht.

Peiting – Aus dem Glauben heraus, hier etwas Großartiges für Familien schaffen zu können, hat Bärbel Schlamp gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten den „Saliterhof“ in Peiting aufgebaut. Alleine: Dieser Tage findet kaum jemand den Weg zu dem Erlebnishof, kaum einer kommt, um die süßen Alpaka-Babys an der B 17 zu bewundern. „Viele kehren um. Teilweise werden Gerüchte gestreut, die Zufahrt zu uns sei komplett geschlossen.“ Schlamp könnte heulen. Schließlich ist die Zufahrt zum Alpaka-Hof durchaus möglich – langsam versteht sich, auf schottriger Piste. „Viele meinen, wir hätten komplett geschlossen, wir sind den ganzen Tag nur am Telefon, um das aufzuklären.“

Zwei Monate war während des Lock Downs alles zu. Die Zeit hatten die Unternehmer genutzt, um eine komplett neue Küche einzubauen. Und dann das: Bärbel Schlamp erfährt kurzfristig, dass die Straße gesperrt wird, die an ihrem Alpaka-Hof vorbeiführt. Ein Schock.

Das neue Saliterhof-Team hatte sich auf viele Besucher eingestellt

In der neuen Küche könnte jetzt der Kochlöffel geschwungen werden, das komplette Team ist neu, hat sich eingestimmt auf viele Besucher – die ja theoretisch auch kommen könnten. „Wir müssen Personal vorhalten und ganz normal einkaufen für den Fall, dass es voll wird“, so Schlamp. Alleine: Die Besucher bleiben aus. Die Einbrüche beziffert die Chefin auf bis zu 50 Prozent. Ein Wahnsinns-Minus, das man nicht mehr wett machen kann.

„Das ist in 20 Jahren nicht mehr reinzuholen“, pflichtet ihr ihr Leidensgenosse Helmut Hedderich bei. Der Wirt des Traditions-Gasthofs „Lamprecht“ neben der B 17 ist ebenfalls von der Straßensperrung betroffen. Alleine in der ersten Woche der Straßensperrung fehlen ihm 85 Prozent der Gäste – obwohl auch seine Gaststätte freilich mit dem Auto über die unwegsame, aber durchaus für Gäste befahrbare Fahrbahn zu erreichen ist. Alleine: Die wenigsten wissen das. In der Woche darauf, als direkt vor der Haustür des „Lamprecht“ gefräst worden war, ging die Gaststätte in Zwangsurlaub. Jetzt sperrt Hedderich nurmehr an den Wochenenden auf. Die Mitarbeiter bleiben in Kurzarbeit. Bis zum Ende der Baustelle ist keine Besserung in Sicht. Für die Wochen will Hedderich mit seinem berühmt-berüchtigten Kesselfleisch Kunden locken.

„Es ist der absolute Horror“

Man möchte ihm von Herzen wünschen, dass das klappt. Schließlich hatte auch er unter dem Lock Down im April und Mai zu leiden. Bei bestem Biergarten-Wetter waren auch bei ihm alle Tische im Freien leergefegt. Große Hoffnungen setzte Hedderich auf den Herbst. Und dann das. Als er von den fast acht Wochen Total-Sperre erfahren hat: „Der absolute Horror“, so sein erster Gedanke. Zwei Monate komplett zu, drei Monate kaum Geschäft.

„Lamprecht“-Wirt Helmut Hedderich sitzt allein in seinem Biergarten.

Wäre der „Lamprecht“ nicht in Familienhand: Wahrscheinlich hätte Hedderich zusperren müssen. „Dieses Jahr war schon ganz hart.“ Die Einbußen: enorm.

Ein Wirte-Kollege, der jetzt (hoffentlich) das Schlimmste schon überstanden hat, ist Oliver Gayk von „Ollis Schnaidberg Stuben“. Die liegen an der B 23 und waren zwei Wochen wegen Straßenbauarbeiten mit Schließung nur äußerst eingeschränkt zu erreichen. Besonders tragisch in diesem Fall: Erst im Mai 2019 hatte Gayk die Gaststätte am Peitinger Schnaidberg übernommen. Gerade mal zehn Monate später kam Corona, und jetzt auch noch die Sache mit der Straße.

Schnaidberg Stuben-Wirt Oliver Gayk hatte während des Lock Downs fast keine Einnahmen.

Zwei Monate hatte Oliver Gayk während des Lock Downs fast keine Einnahmen, aber laufende Kosten. „Die Einnahmen von vier Samstagen Außer-Haus-Service haben nicht mal die Pacht abgedeckt.“ Verzweifelt sei er gewesen, räumt er ein. Im Juli dann wieder die Hoffnung, dass es weitergeht. „Man muss positiv denken.“ Als er dann von der Straßenschließung erfuhr, „habe ich gedacht, dass das nur ein Witz sein kann.“ Kein Witz. Aber zumindest bei der Gaststätte an der B 23 gibt es keine Zweifel: Sie ist geöffnet und freut sich – ebenso wie andere Wirte in Peiting – auf viele Kunden.

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