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Wohnplätze für Menschen mit schweren Behinderungen: Herzogsägmühle plant Neubau in Weilheim

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Von: Christoph Peters

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Noch wird am Neubau in der Oblandstraße in Herzogsägmühle fleißig gearbeitet. Voraussichtlich ab April sollen die 24 Wohnplätze für Menschen mit mehrfacher Behinderung bezugsfertig sein.
Noch wird am Neubau in der Oblandstraße in Herzogsägmühle fleißig gearbeitet. Voraussichtlich ab April sollen die 24 Wohnplätze für Menschen mit mehrfacher Behinderung bezugsfertig sein. © Christoph Peters

Es ist ein Millionenprojekt: Die Diakonie Herzogsägmühle will in Weilheim einen Neubau mit 24 Wohnplätzen für Menschen mit schweren mehrfachen Behinderungen verwirklichen. Das Vorhaben soll das Angebot in Herzogsägmühle ergänzen, wo ein ähnliches Bauprojekt vor der Fertigstellung steht.

Herzogsägmühle/Weilheim – 39 Menschen mit schweren mehrfachen Behinderungen leben derzeit im Förderzentrum in Herzogsägmühle, doch schon bald wird es für 24 von ihnen heißen, Abschied zu nehmen von ihrem bisherigen Domizil. Denn unweit des Förderzentrums entsteht derzeit in der Oblandstraße ein Neubau, der die bisherige Einrichtung zum Teil ersetzen soll. Nachdem ein Wasserschaden die Bauarbeiten im vergangenen Sommer ausbremste und der ursprünglich angepeilte Eröffnungstermin im Herbst deshalb nicht mehr zu halten war, sei die Fertigstellung nun für April angepeilt, sagt die zuständige Fachbereichsleiterin Ruth Connolly.

Dass man in Herzogsägmühle bei der Unterbringung der Bewohner des Förderzentrums neue Wege geht, hängt mit dem Pflege-Wohnqualitätsgesetz zusammen. Demnach erfüllt die bestehende Einrichtung die damit verbundenen Vorgaben nicht mehr, die unter anderem vorschreiben, dass jedes Zimmer über eine eigene Nasszelle verfügen muss. Das Konzept des Förderzentrums sei beim Bau vor gut 20 Jahren auf Wohngruppen ausgelegt gewesen, die alle über ein gemeinsames Bad verfügen, schildert Connolly das Problem. Zwar bemühten sich die Verantwortlichen um eine Ausnahmegenehmigung, doch diese wurde abgelehnt. Eine andere Lösung musste deshalb gefunden werden.

Kleinteiliges Angebot statt großem Förderzentrum

In Gesprächen mit Bezirk, Heimaufsicht und Regierung einigte man sich schließlich darauf, neu zu bauen. Allerdings nicht an einem Standort, denn eine Einrichtung in der bisherigen Größe sei heutzutage nicht mehr gewünscht, sagt Connolly. Der Weg, der vonseiten des Bezirks vorgegeben werde, gehe weg von großen Einrichtungen hin zu kleinteiligeren Wohnformen. Schon beim Spatenstich für den Neubau in Herzogsägmühle 2019 stand deshalb fest, dass ein weiterer mit ebenfalls 24 Plätzen in Weilheim folgen sollte (wir berichteten).

Während im Diakoniedorf der Umzug ins neue Domizil bereits absehbar ist, befindet man sich in der Kreisstadt noch in der Planungsphase. Ein Grundstück habe man bereits im Auge, sagt Connolly. Das befindet sich laut der Fachbereichsleiterin an der Geistbühelstraße, wo die Stadt bekanntlich die Entwicklung eines neuen Wohnbaugebiets vorantreibt. Die Lage sei mit Blick auf die Inklusion und Teilhabe der Bewohner ideal, betont Connolly. Dieser Ansicht ist auch der Bezirk Oberbayern. Das Grundstück biete „aufgrund seiner attraktiven Lage optimale Rahmenbedingungen für Inklusion und Teilhabe im direkten Lebensumfeld“, heißt es in einer Pressemitteilung des Bezirks, der das Vorhaben mit rund 615 000 Euro bezuschusst. Weitere 3,7 Millionen Euro schießt die Regierung von Oberbayern zu, rund 1,8 Millionen Euro stemmt das Diakonieunternehmen aus Eigenmitteln. Den Neubau sieht man in Herzogsägmühle auch als Chance, für Menschen mit mehrfacher Behinderung ein Wohnangebot außerhalb des Dorfs zu schaffen.

Standort noch nicht in trockenen Tüchern

Das geplante Gebäude soll dabei bessere Betreuungsmöglichkeiten für Bewohner bieten, die aufgrund ihrer Einschränkungen die Förderstätte oder die Werkstätten nicht besuchen können. Deren Zahl werde in Zukunft zunehmen, ist sich Connolly sicher. „Auch unsere Bewohner werden älter.“ Dank faltbarer Wände lassen sich Wohn- und Gemeinschaftsräume künftig einfach vereinen – eine deutliche Verbesserung zum aktuellen Förderzentrum, das sehr verschachtelt und verwinkelt sei, so die Fachbereichsleiterin.

Noch freilich ist der Standort in Weilheim nicht in Stein gemeißelt. Man hoffe, dass sich das Projekt dort realisieren lasse, einen Investor gebe es bereits, sagt Connolly. Allerdings hake es derzeit noch am Bebauungsplan. Sollte es am Ende wider Erwarten nicht klappen, müsste man nach einem anderen Grundstück Ausschau halten, oder – wenn alle Stricke reißen – einen Umbau der aktuellen Einrichtung prüfen. „Wirtschaftlich“, befürchtet die Fachbereichsleiterin allerdings, „wäre das wahrscheinlich keine gute Lösung.“

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