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Ist in Peiting und bei der Feuerwehr angekommen: Qasim Ali (24), der aus Pakistan nach Deutschland geflohen ist.  

Zum Tag des Flüchtlings

Gut integriert, aber ohne Perspektive

Der 24-jährige Qasim Ali lebt seit zwei Jahren in der Marktgemeinde Peiting und ist gut integriert. Seit neuestem sogar in der Freiwilligen Feuerwehr in Peiting. Trotzdem hat er keine Bleibeperspektive.

Peiting – „Ich liebe die Peitinger, und die Peitinger mögen mich auch“, sagt Qasim Ali mit strahlenden Augen, der aus Pakistan nach Deutschland geflohen ist. Zwei Jahre lang war er größtenteils zu Fuß unterwegs, auf der Flucht vor lebensbedrohlicher Verfolgung in seinem Heimatland: „Es war eine riskante Reise“, erzählt er. Besonders die zwei Monate im Iran, wo er Hunger und Durst gelitten hat. Zwischendurch hat er immer wieder gearbeitet, um das Geld für die Reise zusammenzubekommen.

Von der Türkei aus ging es zu neunt in einem kleinen Schlauchboot nach Griechenland, von dort aus schließlich nach München und schließlich nach Peiting.

Aufgewachsen ist Qasim Ali als jüngstes von sieben Kindern nach dem Tod des Vaters in großer Armut. Mit seiner Familie hat er heute kaum noch Kontakt. Er will sie nicht in Gefahr bringen: „In Pakistan konnte ich mir keine Ausbildung leisten, habe in der Landwirtschaft gearbeitet und von einem Freund das Reparieren von Handys gelernt“, erzählt er.

Dass Qasim Ali sehr lernwillig ist, hat er in Peiting bewiesen, wo er in einer Unterkunft lebt. Er ließ kein Angebot, Deutsch zu lernen, ungenutzt, egal ob auf Privatinitiative oder bei Kursen des Landratsamtes und kann sich inzwischen sehr gut verständigen: „Er ist sozusagen ein Vorzeigebeispiel, was man in Bezug auf die Sprache erreichen kann“, betont Petra Friebel, die Qasim im Rahmen des Helferkreis Asyl betreut. (Eine Bilanz der Helfer lesen Sie hier.) Er hilft sogar anderen Flüchtlingen als Dolmetscher beim Arzt oder bei Behördengängen.

Seit über einem Jahr hat der junge Mann eine Lehrstelle als Kfz-Mechatroniker in einer Schongauer Autowerkstatt, die ihm viel Spaß macht. „Ich habe dort zuerst ein Praktikum gemacht. Daraufhin wurde mir die Lehrstelle angeboten“, erzählt er stolz. Die Lehrstelle ist derzeit auch so etwas wie eine Lebensversicherung: Da seine Aufenthaltsgenehmigung ausgelaufen ist und auch die Klage beim Verwaltungsgericht abgelehnt wurde, darf Qasim Ali nur aufgrund der Ausbildung in Deutschland bleiben.

„Er hat eine so genannte 3+2-Regelung“, wie Friebel ausführt. Drei Jahre Ausbildung und zwei Jahre im Beruf darf er in Deutschland absolvieren. Schließlich möchte der Ausbildungsbetrieb ja auch etwas von der Ausbildung haben.

Die Strecke zum Ausbildungsbetrieb und zur Berufsschule nach Herzogsägmühle fährt Ali Sommer wie Winter mit dem Fahrrad. Zumindest bis jetzt. Zurzeit macht Qasim Ali seinen Führerschein. Natürlich auf Deutsch. Gerade hat er seine erste Fahrstunde absolviert: „Das war gut“, freut er sich und ist auch da mit vollem Herzen dabei.

Genauso wie seit drei Monaten bei der Freiwilligen Feuerwehr in Peiting: „Er wollte für die Unterstützung, die er erfahren hat, etwas zurückgeben“, erzählt Petra Friebel. Die Wahl fiel auf die Feuerwehr, wo Ali bald seine erste Prüfung absolvieren muss.

In den zwei Jahren hier hat sich Qasim Ali sozusagen in Windeseile integriert und auch, wenn seine Bleibe-Aussichten nicht rosig sind, gibt er die Hoffnung noch nicht auf: „Ans Zurück denke ich jetzt gar nicht. Man muss vorwärtsschauen“, ist seine Überzeugung.

Ursula Fröhlich

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