Badespaß auf Zeit: Ab Juli schließt das Wellenfreibad vorübergehend seine Pforten.
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Badespaß auf Zeit: Ab Juli schließt das Wellenfreibad vorübergehend seine Pforten.

Kinder schnitten sich an Fliesen die Zehen auf:

Drohungen an Bürgermeister: Polizei räumt Freibad am Nachmittag - Hunderte Badegäste müssen plötzlich raus

  • Christoph Peters
    VonChristoph Peters
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Weil zahlreiche Kinder sich an scharfkantigen Fliesen die Zehen aufschnitten, sollte das Wellenfreibad in Peiting im Juli schließen. Doch nun gibt es Drohungen, das Bad muss geräumt werden.

Update, 17. Juni, 17.30 Uhr: Das vollbesetzte Peitinger Wellenfreibad musste am Donnnerstagnachmittag geräumt werden. Das teilte ein verzweifelter Bürgermeister Peter Ostenrieder gegen 16.45 Uhr mit. Hintergrund ist die Problematik mit den scharfkantigen Fugen im Nichtschwimmerbereich des Wellenbeckens, an denen sich vor allem Kinder verletzt hatten (siehe Bericht unten).

Jetzt hatte Ostenrieder auf seiner Facebook-Seite Drohungen erhalten, er werde wegen Körperverletzung angezeigt, auch bei der Polizei sei offenbar etwas eingegangen, so der Bürgermeister. „Es wird so getan, als sei das Becken voller Blut – dem ist natürlich nicht so“, beteuert er. Aber nachdem er sich mit seinem Anwalt beraten hatte, habe der geraten, das Bad schnellstmöglich zu räumen. „Das Bad ist knallvoll, das ist wirklich kein Spaß“, sagte Ostenrieder, dem das furchtbar Leid tut.

Bisher war vorgesehen, das Wellenfreibad erst in zwei Wochen für die nötigen Ausbesserungsarbeiten zu schließen. Das soll jetzt vorgezogen werden. „Wir versuchen natürlich, die Arbeiten gleich zu erledigen, um das Bad möglichst schnell wieder öffnen zu können“, sagte er.

Ursprünglicher Artikel, 16. Juni, 15.49 Uhr: Peiting – In dieser ersten Sommerhitze, die das Land derzeit gehörig ins Schwitzen bringt, steht der Freibadbesuch hoch im Kurs. Endlich wieder ins Wasser: Gerade für die Kinder, die in den vergangenen Monaten wegen Corona so lange auf ihren Badespaß verzichten mussten, dürfte es kaum etwas Schöneres geben. Im Peitinger Wellenfreibad allerdings endete offenbar zuletzt der vergnügliche Besuch für so manchen jungen Badegast mit schmerzenden Füßen und einem dicken Pflaster an den Zehen.

Die Ursache dafür liegt unter Wasser auf dem Grund des Wellenbeckens. Dort sei offenbar vergessen worden, die Fliesen ordentlich zu verfugen, sagt eine Mutter, deren Kind sich beim Schwimmkurs an den scharfen Kanten Schnittwunden an den Füßen zuzog. Die Mutter berichtet von weiteren Kindern, denen es ebenso ergangen sei. Die kleinen Schnitte seien nicht nur unangenehm, sondern sehr schmerzhaft. „Die Kinder haben geweint, weil es so weh getan hat.“ Es sei ja super, dass das Bad wieder offen habe. „Aber so was darf nicht passieren.“

Viele Beschwerden von Eltern

Auf Nachfrage der Schongauer Nachrichten bestätigte Bürgermeister Peter Ostenrieder am Mittwoch, dass seit der Badöffnung vor drei Wochen viele Beschwerden von Eltern im Rathaus eingegangen seien. Solche Fälle von Schnittwunden habe es auch in der Vergangenheit vereinzelt gegeben, aber noch nie so gehäuft, sagte der Rathauschef. „Dass war für uns ein klares Signal, dass da etwas nicht stimmen kann.“

Bei der Begutachtung vor Ort stieß man nun auf des Rätsels Lösung. Wohl bei der letzten Reinigung der Becken vor der Befüllung hatte sich laut dem Bürgermeister durch den Druck des Hochdruckreinigers unbemerkt altes und porös gewordenes Fugenmaterial aus dem Fliesenboden gelöst. „Leider sind die betroffenen Bereiche gerade im Nichtschwimmerbereich des Wellenbeckens.“ Die scharfen Kanten der Fliesen seien vor allem für Kinderfüße eine Gefahr. „Erwachsene sind durch ihre stärkere Hornhaut besser geschützt.“

Reparatur dauert zwei Wochen

Für die Gemeinde war nun guter Rat teuer. „Leider ist das Problem nicht über Nacht zu lösen“, sagte Ostenrieder. Denn um die betroffenen Stellen neu zu verfugen, muss das Wasser aus dem Becken abgelassen werden. Das geht natürlich nicht im laufenden Badbetrieb. Bis nach der Saison zu warten, war für die Verantwortlichen jedoch keine Alternative. Als Betreiber sei man für die Sicherheit der Besucher verantwortlich, betonte Ostenrieder.

Bei einem heutigen Krisentreffen vor Ort fiel deshalb die Entscheidung, das Wellenfreibad ab dem 1. Juli vorübergehend zu schließen. Zwei Wochen, schätzt der Rathauschef, seien für die Reparatur nötig. Denn bei den kleinteiligen Fliesen dauere es seine Zeit, bis das neue Fugenmaterial an Ort und Stelle sei. Anschließend müssten die Fugen trocknen und das Becken gereinigt werden, ehe das Wasser wieder eingelassen werden könne. Ziel sei es, dass das Bad spätestens am 17. Juli wieder öffne, kündigte Ostenrieder an, der um Verständnis für die Entscheidung bat.

Weil bis zur Schließung vorerst weiter gebadet werden darf, appelliert die Gemeinde an die Eltern, sich des Problems bewusst zu sein  und ihre Kinder in den nächsten zwei Wochen als Vorsichtsmaßnahme möglichst nur noch mit Badeschuhen ins Wasser zu schicken. Ob das reicht, weitere blutige Zehen zu verhindern, wird sich zeigen.

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