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Brauchen Unterstützung in der Asylarbeit: (v.l.) Bürgermeister Michael Asam, Monika Heerd, Gabi Sanktjohanser-Pfeffer und Sabine Haser.

Asylbewerber in Peiting

Paten für Flüchtlinge gesucht

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Peiting - 114 Flüchtlinge sollen in einem alten Firmengebäude in der Peitinger Seestraße unterkommen. Jetzt schlägt der Helferkreis Alarm. Gebraucht werden Paten für einzelne Flüchtlinge, damit das Massenprojekt gutgehen kann

Als die Vertreter des Landratsamts im jüngsten Peitinger Gemeinderat die Pläne für die Asylbewerberunterkunft in der Peitinger Seestraße verkündet hatten, stand den Zuhörern und Räten das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Eine solche Massenunterkunft hatte man in der Marktgemeinde immer vermeiden wollen. Zwar hat das Gremium, wie berichtet, den Antrag mehrheitlich abgelehnt, die Regierung kann die Entscheidung aber ersetzen.

Ehrenamtliche werden überfordert

„Zwei Tage nach der Sitzung hat sich der Helferkreis an mich gewandt“, so Bürgermeister Michael Asam. Diesen Hilferuf habe er durchaus erwartet. Er selbst habe gedacht, dass in der Seestraße 40-50 Personen untergebracht werden sollen. Dass es mehr werden, hat der Rathauschef auch erst am Vortag erfahren. „Ich habe auch vor den Gemeinderäten gesagt, dass ich fürchte, die Ehrenamtlichen werden überfordert.“ Dabei werden eben diese Engagierten so dringend gebraucht. Behördengänge, Deutschunterricht, Freizeitgestaltung oder einfach mal reden – ohne diese Menschen läuft nichts. Nicht in Peiting und auch sonst nirgends.

Genau darauf baut die hohe Politik. „Wir fühlen uns zum Teil nicht gut unterstützt“, so Gabi Sanktjohanser-Pfeffer. Beispielsweise teile das Landratsamt den Helfern nur mit, wenn wieder neue Flüchtlinge kommen – aber nicht in welche Wohngruppe. „Wir müssen die dann suchen“, so Sanktjohanser-Pfeffer. Am Anfang sei dies noch einfacher gewesen, „da haben wir alle gekannt“, aber jetzt wird es langsam schwierig. Mit den anerkannten sind jetzt bereits150 Asylbewerber in Peiting. Wenn jetzt nochmal 114 kommen, dann wird selbst den Helfern mulmig. Unverständlich findet sie es auch, dass so eine Massenunterkunft wie in der Seestraße öffentlich hinausposaunt werde, Wohngruppen wegen des Datenschutzes aber verschwiegen. „Da stimmt was nicht, und es erschwert uns die Arbeit enorm.“

Zwischenmenschliche Beziehungen sind wichtig

Und wenn nun diese Massenunterkunft kommt, werde alles noch viel schwieriger. „Da funktioniert unser Konzept nicht mehr“, sagt Sabine Haser. Schließlich sollen die Neuankömmlinge Deutsch lernen, sich einleben. „Wie sollen wir denn da Beziehungen aufbauen, wenn dir auf einen Schlag über 100 Menschen begegnen?“

Darum werden dringend neue Helfer gebraucht. Momentan sind es rund 100 Peitinger, die sich engagieren, doch das reicht nicht. Vor allem Paten für die einzelnen Flüchtlinge sind von Nöten. „Die auch mal ein bisschen Zeit mit dem Menschen verbringen und sich ein bisschen kümmern. Die Leute müssen rauskommen“, so Monika Heerd. Und Sanktjohanser-Pfeffer ergänzt: „Wir brauchen aber zudem Helfer, denen wir Arbeit abgeben können.“ Die Frauen investieren schon jetzt so viel Zeit in ihr Ehrenamt – vergleichbar mit einem Halbtagsjob. Vorschweben würde ihnen Bufdis (Bundesfreiwilligendienst) oder FSJ’ler (Freiwilliges soziales Jahr), die für ihre Tätigkeit bezahlt werden. „Ich werde mich mal schlau machen, ob sowas möglich ist“, so Asam. Gut fand er auch die Idee von Haser, dass Asylbewerber selbst diese Posten übernehmen könnten.

Flüchtlinge brauchen Paten

Und hier sei man schon beim nächsten Problem. Zwar dürfen sich die Flüchtlinge nach drei Monaten auf Arbeitssuche begeben, doch es mangele an Stellen – und auch die Sprachbarriere ist da. Wenn über hundert Menschen auf einem Fleck leben, ohne Kontakt zum Umfeld, ist es nahezu unmöglich, ihnen die heimische Sprache beizubringen. Auch hierzu seien die Helfer unabkömmlich. „Wenn 114 Peitinger bereit wären, eine Patenschaft zu übernehmen, hätten wir kein Problem mehr“, so Sanktjohanser-Pfeffer.

Überarbeiter Antrag für Seestraße

In der Januarsitzung will das Landratsamt eine überarbeitete Fassung der Unterkunft in der Seestraße vorstellen. Möglicherweise mit weniger Bewohnern und einem zweiten Sozialraum. Möglicherweise bleibt aber auch alles beim Alten. Wie auch immer, die Regierung von Oberbayern hat das letzte Wort.

Sie wollen mithelfen?

Rufen Sie den Helferkreis an. Am besten über die evangelische Kirchengemeinde Peiting unter 08861/6453.

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