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Reger Verkehr herrscht an der Ecke Kanen-/ Schongauer Straße in Peiting.

Schleichweg Vogelsiedlung

In Stoßzeiten: 350 bis 400 Autos pro Stunde

Peiting - In der Vogelsiedlung in Peiting ist wegen der Kreisel-Baustelle verkehrstechnisch die Hölle los.

Mehrmals haben wir gezählt. Und eine Menge Striche in unsere Liste gemacht. Auto für Auto. Zu Stoßzeiten sind es 350 bis 400 Autos in der Stunde, die durch die Vogelsiedlung fahren – mal angepasst an die Zone 30-Schilder, die hier an jeder Ecke stehen. Mal schneller. Der Schleichweg über die sonst beschauliche Vogelsiedlung von Peiting nach Schongau und zurück: Seit Beginn der Baustelle am 8. Juni wird er gerne und viel genutzt.

Ganze Kolonnen schieben sich hier teilweise durch die Straßen. An den Kennzeichen kann man erkennen: Nicht nur Ortsansässige sind so schlau, die Bauampeln am Weilheimer Hof zu umgehen. Auch auswärtige Kennzeichen sind hier zu sehen. Und das, obwohl es – auch das haben wir mehrfach getestet – an den Bauampeln auf direktem Weg recht flott vorwärts geht und meist nur wenig Wartezeit eingeplant werden muss.

Aber wer wartet schon gerne? Deshalb ist hier in der Vogelsiedlung alles anzutreffen: Berufstätige, Hausfrauen, Taxis, Handwerker, landwirtschaftliche Fahrzeuge, Motorradfahrer.

Vor allem die machen einiges an Lärm, hat Georg Schleich festgestellt. Krach: Das ist das schlimmste für den rüstigen 92-Jährigen, der an diesem heißen Morgen sein Pflaster reinigt. Herr Schleich wohnt an der Kanenstraße, dem „Einfallstor“ in und aus der Vogelsiedlung von der Schongauer Straße aus. Da ist man einiges gewöhnt.

„Wenn einer auch noch einen Anhänger am Auto hat, dann rumpelt es schon ganz schön“, erzählt er und deutet auf das, was einmal eine geteerte Straße war. Brocken liegen da herum, riesige Löcher sind zu sehen. Doch das kommt nicht vom Durchgangsverkehr. „Früher hatten wir hier viel Schwerlastverkehr.“ Wenn es dem Senioren jetzt zu laut ist, geht er einfach rein ins Haus. Fertig.

Einfach reingehen: Dafür ist Michaela Greithanner zu jung. Sie wohnt am Finkenweg. Eine Erfahrung hat sie mit Georg Schleich gemein: Vor allem zwischen sieben und acht Uhr morgens und gegen 17 Uhr ist so richtig viel los in der Vogelsiedlung, seit die Riesen-Baustelle im Ort ist. „Sonst ist es hier ganz ruhig, das sind wir nicht gewöhnt.“ Tempo 30, sagt sie: Das halten nur diejenigen ein, die selbst hier wohnen, älter sind, oder Kinder haben. Der Rest braust durch. Aber so ist das eben. „Und es ist ja bald vorbei.“

Angst vor dem Superstau

So sieht man es auch bei der Schongauer Polizei. In der Anfangszeit der Baustelle: Da hatte durchaus auch das ein oder andere Mal das Telefon in der Polizeiinspektion in Schongau geklingelt. Es sei recht laut, es würde durch die Vogelsiedlung durchgedüst. Also hat die Polizei auch öfter mal einen Abstecher durch die Vogelsiedlung gemacht. Aber wie das nun mal so ist: Wo das weiß-grüne Auto auftaucht, hält sich plötzlich jeder ganz genau an die Verkehrsvorschriften.

Insgesamt sieht es Udo Mewes, der Verkehrssachverständige der Schongauer Polizei, recht pragmatisch: Oftmals gäbe es bei Baumaßnahmen, die auf lange Sicht eine Verbesserung erzielen, kurzfristig Probleme an anderer Stelle. Wobei: Selbst die halten sich – zumindest offiziell in Grenzen. Bei all dem Schleichverkehr in der Vogelsiedlung liegt der Polizei nur ein Auffahrunfall vor, der sich hier ereignet hat. „Das sind enge Wohnstraßen, hier muss man ja von Haus aus 30 fahren“, betont Udo Mewes. Und: Ein Ende der Baustelle ist ja in Sicht. Bis Ende Juli soll alles vorbei sein. Und dann kehrt auch in der Vogelsiedlung sicher wieder die gewohnte Ruhe ein.

bas

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