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BND-Experte Erich Schmidt-Eenboom referierte vor 29 Besuchern im Sparkassensaal Peiting.

BND-Experte im Sparkassensaal Peiting

Auftraggeber? „Das Kanzleramt!“

Peiting - Einen tiefen Blick in die Schattenwelt der Geheimdienste gab Erich Schmidt-Eenboom. „Es ist gelungen, den BND so aufzuweichen, dass ich die Akten von 1949 bis 1989 einsehen durfte.“

„Wir haben uns große Mühe gegeben, einen passenden Termin zu finden“, sagte Peitings CSU-Ortsvorsitzender Norbert Merk. Es war der Abend, an dem Bayern gegen Madrid gespielt hat. Immerhin kamen trotzdem 29 Interessenten in den Sparkassen Saal, um sich den hochspannenden Vortrag von Erich Schmidt-Eenboom anzuhören.

In der Zeit des kalten Krieges existierten in Westeuropa zahlreiche Untergrundorganisationen, die im Fall eines sowjetischen Überfalles hinter der Front als Partisanen Sabotageaktionen ausführen sollten. Dazu wurden Kämpfer geschult und geheime Erddepots mit Waffen, Sprengstoff und Funkgeräten angelegt. Im Falle eines russischen Vormarsches sollten Brücken gesprengt und Sabotageakte durchgeführt werden.

1949 wurde diese Struktur mit Oberst Heinz Schmalschäger an der Spitze aufgebaut. Der Offizier brachte dazu reichlich Erfahrung aus seiner Wehrmachtszeit mit. Es entstand der „Bund Deutscher Jugend“ (BDJ) und sein Technischer Dienst (TD). „Eine haarsträubende Geschichte“, sagte Referent Eenboom, auch aus Funk und Fernsehen bekannt.

Die Organisation sei rasend schnell aufgeblüht. 1950 hatte sie bereits 18 000 Mitglieder. Zum größten Teil Offiziere der Luftwaffe, des Heeres und der Waffen-SS. Obgleich offiziell keine neofaschistischen Tendenzen gewünscht waren, seien diese aber in der Masse der Mitglieder hervorgetreten. Innenpolitisch seien die Ziele der Organisation gegen KPD und SPD gerichtet gewesen.

Dem hessischen Verfassungsschutz war der BDJ bereits wenige Monate nach seiner Gründung aufgefallen. Nicht sein paramilitärischer Arm, sondern seine ideologische Grundausrichtung. Auf Initiative des hessischen Ministerpräsidenten wurde gegen den BDJ ermittelt. Die Strafverfolgung sei sabotiert worden. Fazit: Es muss ein Irrtum des Ministerpräsidenten sein. Das Ganze sei sang- und klanglos beerdigt worden.

Schmidt-Eenboom sprach über die Organisation Gehlen, die am 1. April 1956 aufgebaut und schnell zu einer Bundesbehörde wurde. Ihr Auftrag: Erkunden, Melden und Luftlandeeinsätze beim Vorstoß russischer Armeen ermöglichen. Aus der Organisation Gehlen wurde schließlich der BND.

Natürlich gab es nach dem Vortrag noch reichlich Zeit, Fragen an den 63-jährigen Experten zu stellen. Norbert Merk wollte wissen, ob es zutreffend gewesen sei, dass die Bundeswehr bei einem russischen Angriff, das Bundesgebiet hätte nicht verteidigen können. Schmidt-Eenboom: „Man ging davon aus, dass die Bundeswehr nicht mehr als 30/40 Kilometer Gelände am Tag preisgeben müsste.“ Die Westalliierten gingen dagegen davon aus, dass die Russen in drei Tagen am Rhein und in sechs Tagen in Barcelona sind.

Klaus Breil wollte wissen, ob es denkbar sei, dass Botschaftsangehörige der Bundeswehr in Doppelfunktion Spionage betreiben. Schmidt-Eenboom: „Die liefern zwar Informationen, aber keiner läuft da mit zwei Hüten rum. Der Militärattaché ist erster politischer Sekretär des Botschafters.“ Die letzte Frage war, wer dem BND eigentlich die Aufträge erteilt. Kurze Antwort: „Das Kanzleramt."

Walter Kindlmann

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