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So sieht eine Anlage aus: Das Bild stammt aus Reichersbeuern im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

Gemeinschaftsunterkunft in Herzogsägmühle

Asyl-Heim mit Campingplatz-Atmosphäre

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Herzogsägmühle - Mobilheime kennen Urlauber eigentlich nur vom Campingplatz. In solchen Wagen sollen in Herzogsägmühle nun Asylbewerber untergebracht werden – erstmalig im Landkreis. Einstimmig votierte der Marktgemeinderat Peiting für das Vorhaben des Landratsamts.

Minibad, Küchenzeile und drei Schlafzimmer auf einer Wohnfläche von 7,78 Meter mal 3,79 Metern – 14 Mobilheime sollen im Peitinger Ortsteil Herzogsägmühle entstehen, wenn es nach dem Landratsamt Weilheim-Schongau geht. 84 Flüchtlinge finden dort Platz.

„Solche Unterkünfte kennt man von Campingplätzen“, erklärte Marktbaumeister Jochen Rohrmoser den Gemeinderäten. Befristet auf zwei Jahre sollen sie im Außenbereich zwischen dem Roten Berg und der Von-Kahl-Straße aufgestellt werden. Später soll dort sozialer Wohnungsbau entstehen. Froh über diese Lösung zeigte sich Bürgermeister Michael Asam: „Ich bin Herzogsägmühle dankbar, dass sie mithelfen wollen.“ Außerdem seien „kleine Einheiten“ auf jeden Fall besser als eine „Massenunterkunft, die ja auch noch auf uns zukommt“. Damit sprach Asam das vom Landratsamt geplante Heim in der Seestraße an. Vermutlich im Frühjahr ist dort mit einer Belegung zu rechnen. Der Rathauschef glaubt, dass Flüchtlinge im Diakoniedorf ohnehin gut aufgehoben seien. „Dort wird die Integration vermutlich einfacher sein, da es entsprechendes Personal gibt“, betonte er.

So ganz überzeugen konnte Michael Asam mit diesen Worten zumindest BVP-Rat Hermann Mödl nicht: „Ich bin nicht glücklich mit diesen Bau- oder Zirkuswägen. Und außerdem muss ich die Landrätin schon mal fragen, wo denn eigentlich unsere Schmerzgrenze liegt.“ Insgesamt 270 Asylsuchende sollen bald im Gemeindebereich von Peiting leben. „Die kriegen wir doch niemals alle in Arbeit. Und wenn diese Menschen zu lange in der sozialen Hängematte liegen, entwickelt sich automatisch Frust. Das ist nicht gut und sorgt für Unruhe“, äußerte Mödl seine Sorgen. Kreiskämmerer und CSU-Rat Norbert Merk versuchte ihm sogleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: „Nicht unsere Landrätin Andrea Jochner-Weiß, sondern die Frau die sagt ,Wir schaffen das‘ bestimmt, wieviele Menschen kommen.“ Fakt sei, dass dem Landkreis momentan 31 Flüchtlinge pro Woche zugewiesen werden.

Im Außenbereich zwischen Von-Kahl-Straße und Am Roten Berg in Herzogsägmühle werden die 14 Mobilheime platziert. Schon in der Vergangenheit wurde der Platz für Zelte genutzt, wie die Satelliten-Aufnahme zeigt.

„Ich finde es nicht richtig, dass jede Baurechtsentscheidung in eine Grundsatzdiskussion zu Flüchtlingen ausartet“, schritt Michael Deibler (CSU) ein und erntete von einigen Gemeinderäten anerkennendes Klopfen auf die Tischplatte. Damit war die Debatte dann auch erledigt. Letztendlich entschloss sich das Gremium einstimmig dafür, die Pläne des Landratsamts zu befürworten.

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