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Gruppentreffen: Einmal im Monat treffen sich die ehrenamtlichen Hospizhelfer der Gruppe Peiting-Schongau im Gemeindesaal der evangelischen Kirche in Peiting, um zusammen mit Koordinatorin Gisela Klotz (stehend dritte von links) über ihre aktuellen Einsätze und Betreuungen zu sprechen.

Hospizverein Pfaffenwinkel

Das Leben begleiten bis zuletzt

Peiting - In neun Ortsgruppen des Hospizvereins im Pfaffenwinkel begleiten gut 150 ehrenamtliche Hospizhelfer ambulant schwerstkranke Menschen in deren letzter Lebensphase. Einmal im Monat treffen sie sich, um über ihre Einsätze und Erfahrungen zu sprechen. Mit 17 Frauen und vier Männern zählt Peiting-Schongau zu den großen Gruppen.

Herbstlich geschmückt ist der Raum im evangelischen Pfarrzentrum in Peiting. Am Boden sind auf einem zartgelben Tuch Herbstlaub, Kastanien, Flechten, Zweige mit roten Beeren und ein Stock mit gelben Chrysanthemen arrangiert. Außenrum sitzen in einem Stuhlkreis die Frauen und Männer der Hospizgruppe Peiting-Schongau.

Teelichter werden angezündet zum Gedenken an jüngst Verstorbene, eine Hospizbegleiterin trägt einen kurzen Text über tröstende Worte bei Trauer vor. Jeder der Anwesenden hängt für einen Moment seinen Gedanken nach. „Impuls“ nennt sich diese Szene, und dieser Impuls, den immer ein anderer aus der Runde gestaltet, steht am Anfang eines jeden Gruppentreffens.

Geleitet wird die Zusammenkunft in Peiting von Gisela Klotz, eine der Koordinatorinnen des Hospizvereins mit Sitz in Bernried. Der ambulante Dienst des Hospizverein im Pfaffenwinkel wurde 1992 von Schwester Angela Kirchensteiner vom Kloster Bernried gegründet mit dem Ziel, schwerstkranke Menschen so lange wie möglich zuhause in deren familiärem Umfeld zu begleiten und ihnen dabei jene Wünsche zu erfüllen, für die mit der Pflege oftmals überforderte Angehörige keine Zeit haben: Vorlesen etwa, spazieren gehen, am Krankenbett sitzen und die Hand halten oder einfach nur zuhören.

Manchmal zieht sich eine Begleitung über Monate oder gar Jahre hin, manchmal kommt der Tod sehr schnell. Dann leisten die Hospizhelfer auch Trauerarbeit – vom gemeinsamen Herrichten des Verstorbenen bis hin zur Betreuung der Angehörigen. Da entstehen Kontakte, die zum Teil viele Jahre Bestand haben.

Hospizarbeit nicht nur Sterbebegleitung

Hospizarbeit ist nicht nur Sterbebegleitung, sondern das Leben begleiten bis zuletzt. Durch das neue Hospiz- und Palliativgesetz des Bundes, das im Dezember 2015 in Kraft trat, werden mittlerweile auch Pflegeheime zur Zusammenarbeit mit ambulanten Hospizdiensten verpflichtet und können Krankenhäuser ohne Palliativstationen ambulante Hospizdienste mit Sterbebegleitungen beauftragen. Mit vielen Einrichtungen in der Region arbeitet der Hospizverein im Pfaffenwinkel bereits sehr gut zusammen.

Die Gruppe Peiting-Schongau wurde 1997 gegründet. Die Hospizbegleiter kommen aus Peiting, Schongau und Hohenpeißenberg, aus Böbing, Birkland, Rottenbuch, Wildsteig und Altenstadt. 14 waren es zunächst, manche sind schon seit Anfang dabei, andere erst seit kurzer Zeit. „Nach der letzten Ausbildung sind fünf und jetzt nochmals zwei hinzugekommen“, freut sich Klotz. In der Runde berichten sie über ihre aktuellen Betreuungen und darüber, wie sie zu ihrem Ehrenamt gekommen sind. Da ist zum Beispiel Harald Weber, der die Gruppe seit zwei Jahren leitet. Der 60-jährige Witwer fand über seine Tätigkeit bei einem Bestattungsunternehmen zur Hospizarbeit und engagiert sich auch, weil er „schon immer was Soziales machen“ wollte, wie er sagt. Seit zwei Jahren begleitet er eine schwer demenzkranke Frau.

„Ich werde jeden Tag bestätigt, dass das für mich der richtige Weg ist“, erklärt eine Helferin aus Peiting. Sie begleitet einen schwerkranken alten Mann, „um den ich mich sehr sorge“. Andere Hospizhelfer kamen nach Pflege und Todesfällen in der eigenen Familie dazu, weil die Kinder mittlerweile aus dem Haus sind oder weil jetzt im Ruhestand Zeit ist fürs Ehrenamt.

Genauso vielschichtig wie die Beweggründe sind auch die Einsätze in der ambulanten Hospizarbeit. Die Begleitung todkranker und sterbender Menschen ist nicht leicht, „sie kann einem selbst aber auch Kraft geben“, wie eine andere Hospizhelferin sagt. Und es komme viel mehr zurück, als man selbst geben könne.

Helfer sind alle speziell geschult

Dass die Hospizhelfer allesamt speziell geschult sind, versteht sich von selbst. Gut 150 umfassend ausgebildete Frauen und Männer sind derzeit in den Hospizgruppen in Weilheim, Polling, Peißenberg, Peiting-Schongau, Bernried-Seeshaupt, Penzberg, Herrsching, Starnberg und Murnau aktiv. Neben ihren ambulanten Einsätzen übernehmen sie auch Nachtwachen im stationären Hospiz in Polling. Eine Aufnahme dort – wobei für die Betroffenen keine Kosten entstehen – komme aber erst dann in Frage, wenn die ambulante Versorgung nicht mehr möglich ist, sagt Angela Kirchensteiner. Zusammen mit ihren Koordinatorinnen hat sie im vorigen Jahr mehr als 800 hospizliche Anfragen bearbeitet.

Auf den Hospizverein kommen vor allem im ambulanten Bereich durch den Einsatz in Pflegeheimen und Krankenhäusern immer mehr Aufgaben zu. Vieles könne jedoch im Sinn der hospizlich-palliativen Versorgung der Patienten noch intensiviert werden, sagt Hospizvereins-Vorsitzende Renate Dodell. Maßstab dafür sei zwar die eigene personelle Kapazität, aber „das ist auch eine Chance, denn unser Knowhow wird gebraucht“.

Monika Brandmaier

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