Ein Nigerianer in Deutschland

Beispiel gelungener Integration: Bright Omorodion

Peiting - Als er vor zehn Jahren nach Deutschland kam, war die Situation für ihn alles andere als klar. Würde er eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen und falls ja, wann? Heute ist der gebürtige Nigerianer Bright Omorodion 35 Jahre alt, hat einen festen Arbeitsplatz und ist ein Musterbeispiel gelungener Integration.

„Ich wollte meinen Eltern nicht mehr auf der Tasche liegen, selbständig werden“, nennt Omorodion den Beweggrund dafür, warum er vor zehn Jahren seine Heimat Nigeria verließ, um sein Glück in Deutschland zu machen. Er wurde nicht verfolgt, war kein Flüchtling. Aber es war trotzdem eine Reise mit unbekanntem Ausgang, wie er wusste. Und es sollte auch fünf Jahre dauern, bis er eine Arbeitserlaubnis erhalten sollte. 2009 begann er schließlich in einem fast food-Restaurant im Schongauer Westen als Küchenhelfer und in der Produktion.

Zwei Jahre später wechselte er dann ins Seniorenzentrum der AWO in Peiting. „Mir war klar, dass ich etwas für die Zukunft tun wollte und dazu den bisherigen Arbeitsplatz verlassen musste“, sagt er heute rückblickend. Nach einem einwöchigen Schnupperkurs stand für ihn fest, dass er in der Pflege einen Platz gefunden hatte, den er sich für die Zukunft vorstellen konnte. „Mir hat die Arbeit Spaß gemacht, weswegen ich als Ein Euro-Jobber angefangen habe.“ Danach folgte eine Ausbildung zum Altenpflege-Fachhelfer. Nach einem Jahr wurde er fest angestellt. Die dauert noch etwas mehr als ein Jahr, bevor er 2017 schließlich ausgelernt hat und sich staatlich geprüfte Fachkraft nennen darf.

Doch es ist nicht nur der Job, der ihm Spaß macht. „Was mich vor allem überrascht und gefreut hat, ist, dass die Menschen mich so akzeptiert haben und es auch heute noch tun wie ich bin“, sagt er. „Viele akzeptieren und mögen mich,“ hat er seinen Entschluss noch nicht einmal bereut. Und fügt noch hinzu: „Man kann eigentlich nur gewinnen.“

Und langweilig wird es ihm in seinem Job nicht. Ob Patienten lagern, waschen,Tabletten geben oder Blutdruck messen: Bright Omorodion hat eine große Palette an Tätigkeiten, die er ausübt. Und dass ihn der ein oder andere Heimbewohner dann schon mal mit Neger anspricht, stört ihn nicht. „Das war früher ja ganz normal, die meinen es ja nicht böse“, trägt er niemandem etwas nach.

Auch privat ist er angekommen, hat seit Jahren eine feste Freundin aus Peiting, die ebenfalls im Seniorenzentrum arbeitet und mit der er im nächsten Jahr in der Marktgemeinde auch zusammenziehen will. Heute wohnt er, der parallel zu seinem Job auch noch an der Heimerer-Schule in Schongau lernt, im Schongauer Westen. Und er hat auch schon einige Freunde hier gewonnen. Über einen gelernten Zimmerermeister aus Burggen sagt er beispielsweise: „Mit ihm kann ich über alles reden, er hilft, wo er kann, ist sozusagen mein Mentor.“

Mit einigen Arbeitskollegen trifft er sich auch außerhalb des Jobs – zum Kaffeetrinken oder auch einmal wöchentlich zum dreiviertelstündigen Joggen. Und natürlich unternimmt er auch eine Menge mit seiner Freundin und ihrem Jack Russell-Mischling Schnacki.

„Ich kann wirklich sagen, hier eine zweite Heimat gefunden zu haben“, sagt er, offenbart dabei strahlend weiße Zähne und ein sympathisches Lächeln und fügt noch voller Optimismus hinzu: „Ich kann wirklich sagen, dass ich in Deutschland angekommen bin."

Stephan Penning

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