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Fühlt sich in den Bergen wohl: Die 19-jährige Marie Hofmann ist im DAV-Expeditionskader.

Aktuelles Interview mit marie hofmann

„Es kribbelt schon in den Fingern“

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Peiting - Marie Hofmanns Welt sind die Berge. Mit ihren 19 Jahren ist sie die erste Frau des Peitinger Alpenvereins, die in den zweiten DAV-Expeditionskader aufgenommen worden ist. 

Im Expeditionskader werden junge Alpinisten gefördert. Alle drei Jahre werden sechs Mitglieder ausgewählt. Sie trainieren in diversen Ausbildungswochen – am Ende steht eine große Abschlussexpedition, die von den Teilnehmern selbst organisiert wird. Ein Abenteuer für eine 19-Jährige? Die SN haben bei Marie Hofmann nachgefragt.


-Marie, in deinen jungen Jahren hast du es in den zweiten Damenkader geschafft. Eine tolle Leistung! Wie bist du überhaupt zum Klettern gekommen?

Marie Hofmann: Ich klettere schon, seit ich denken kann. Meine Eltern sind selbst sehr sportlich und viel in den Bergen unterwegs. Sie haben mich von klein auf mitgenommen und so bin ich über Kinderklettergruppen und Wettkampfkader immer mehr zum Alpinklettern und damit in den Expeditionskader des DAV gekommen.

-Bist du stolz auf Deine Leistung?

Hofmann: Der Peitinger DAV war ja immer recht gut vertreten in den bisherigen Expeditionskadern. Ich bin jetzt schon das fünfte Mitglied, glaube ich. Und natürlich das erste Mädel, was auch super ist. Da kann unsere Sektion ziemlich stolz sein und ich bin es schon auch ein bisschen.

-Gab es schon viele gefährliche Situationen auf deinen Touren?

Hofmann: Ich versuche immer, das Risiko vorher abzuschätzen und vor allem kein zu hohes einzugehen. Objektive Gefahren gibt es natürlich trotzdem immer, mir ist zum Beispiel schon mal ein Griff ausgebrochen, da hatte ich gerade erst die nächste Sicherung gelegt. Wäre das ein paar Sekunden früher passiert, wäre ich erst weiter unten wieder gesichert gewesen und ziemlich weit runtergefallen. Da hatte ich Glück. Oder man kommt mal in die Dunkelheit, das kann auch unangenehm werden. Insgesamt versuche ich aber solche Gefahrensituationen so weit wie möglich einzugrenzen.

-Was lernen die Kadermitglieder in den drei Jahren?

Hofmann: Wir sind immer wieder zu sechst mit unserer Trainerin Dörte auf sogenannten „Ausbildungswochen“ unterwegs. Diese Wochen decken die verschiedenen Kategorien des Bergsteigens ab: Wir waren zum Beispiel in der Dauphine beim Wasserfalleisklettern oder in Chamonix, um im Fels-Eis-Mixed Gelände fit zu werden. Wir trainieren während der Wochen die einzelnen Spielarten des Bergsteigens, und lernen gleichzeitig viel über Sicherungstechniken und Bergrettung.

-Wieviel Genuss, Kampf und Schmerz sind bei deinen Touren dabei?

Hofmann: Das kommt ganz darauf an! Wenn ich gemütlich in der Sonne Sportklettern gehe, ist superviel Genuss dabei. Beim Bergsteigen muss man schon auch oft kämpfen, mal die Zähne zusammenbeißen. Der Genuss kommt dann danach dafür umso stärker. Und Tage, die mit so starken Emotionen verbunden sind, eben Leid und Glück und alles miteinander, die bleiben einem ewig im Gedächtnis.


-Was bedeutet Dir das Klettern?

Hofmann: Das Klettern bedeutet mir sehr viel. Es ist auf alle Fälle ein großes Hobby, fast eher eine Lebenseinstellung. Ich kann mir nicht vorstellen, das Klettern an den Nagel zu hängen; es wird immer ein großer Teil meines Lebens bleiben. Zum Beruf werde ich es wohl kaum machen, dazu muss man schon verdammt gut sein. Aber eine Leidenschaft ist es auf jeden Fall.

-Dein Freund, Tobi Karpinski (28) aus Wildsteig, hat seine Kader-Zeit im vergangenen Jahr mit einer Erstbegehung in Kirgistan abgeschlossen. Wir haben auch über ihn berichtet. Welchen Bestandteil macht das Klettern in eurer Beziehung aus?

Hofmann: Beim Klettern, vor allem wenn man mehr in den Bergen unterwegs ist, braucht man immer einen guten Seilpartner, jemanden dem man absolut vertrauen kann. Bei mir ist das mein Freund, der Tobi. Ich bin einfach wahnsinnig gern mit ihm unterwegs, es passt einfach alles: wir sind ein super Team, schnell und gut eingespielt. Außerdem gibt es einfach nichts schöneres, als die einzigartigen Augenblicke die man beim Bergsteigen oft erlebt mit jemandem teilen zu können, dem man so nahe steht. Ich bin sehr glücklich dass wir im Klettern eine große gemeinsame Leidenschaft haben. Wir machen aber natürlich auch noch andere Sachen zusammen.

-Hast du neben dem Klettern auch andere Hobbys? Was studierst du?

Hofmann: Ich studiere jetzt im zweiten Semester Atmosphärenwissenschaften an der Universität Innsbruck. Die Stadt und mein Studium, beides gefällt mir total gut. Neben dem Klettern und der Uni bleibt manchmal nicht mehr allzu viel Zeit, aber trotzdem mache ich noch einiges: Ich gehe gern joggen und im Winter Skitouren, fahre ein bisschen Kajak und lese Bücher.

-Es ist zwar noch ein wenig Zeit hin, aber was erwartest du dir von der Abschlussexpedition?

Hofmann: Ich bin total gespannt! Jetzt ist es gar nicht mehr solang hin; sie rückt immer näher. Ich denke mit Tadschikistan haben wir uns ein sehr interessantes und gleichzeitig realistisches Ziel vorgenommen. Wenn ich mir die Bilder von den unglaublichen Wänden und Gipfeln dort anschau, kribbelts schon in den Fingern und ich möchte am liebsten gleich los. Was ich mir erwarte? Fünf super Wochen mit sechs super Mädels und hoffentlich vielen schönen und anspruchsvollen Touren.

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