Woher soll der Strom kommen? Das fragt man sich im Mittelzentrum.

Mittelzentrum

Strom: Kommune als eigener Netzbetreiber?

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Peiting - Das Logo fürs Mittelzentrum ist gewählt, nun kann auch gleich über gemeinsame Themen von Peiting, Schongau und Altenstadt diskutiert werden. Bei der ersten gemeinsamen Sitzung ging es darum, ob die Gemeinden ihre Stromnetzversorgung selbst in die Hand nehmen wollen.

Landsberg, Weilheim und Peißenberg machen es bereits, nun fragen sich auch die Stadt- und Gemeinderäte des Ammer-Lech-Lands, ob die Stromversorgung nicht von den Kommunen übernommen werden könnte. Hierzu hat man sich zur ersten IKEK-Sitzung im Peitinger Sparkassen-Saal einen unabhängigen Fachmann, Werner Weber, vom Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband, eingeladen. Und zwar, bevor ein neuer Vertrag mit den Lechwerken geschlossen wird.

„Aktuell haben alle drei Kommunen einen Stromkonzessionsvertrag mit den Lechwerken (LEW) bis 2020 oder 2030“, so Weber. Nun stellt sich die Frage, ob die Gemeinden mit einem neuen Konzessionsvertrag eine Einnahmequelle erschließen könnten, um selbst am Gewinn zu partizipieren. „Das Verfahren sollte schon drei Jahre vor Ablauf des alten Vertrags starten, um beispielsweise Kooperationsverträge zu schließen und das Netz zu bewerten“, so Weber. Schließlich müsse herausgefunden werden, welcher Bewerber die beste Versorgungssicherheit stellt. Auch Kriterien wie Umweltverträglichkeit, Preisgünstigkeit, Einsatz erneuerbarer Energien spielen eine Rolle. Also sei der Zeitpunkt ideal, sich mit der Thematik zu beschäftigen.

Drei Möglichkeiten konnte Weber den Räten anbieten 

Option 1: Eine Neukonzessionierung ab 2020. Jedoch sind die Gemeinden nicht beteiligt und kassieren weiter die Konzession, ein anderer Versorger wird gewählt.

Eine zweite Möglichkeit wäre, die Netzversorgung selbst zu übernehmen. „Dies hätte den Vorteil, dass man mehr mitbestimmen kann“, so Weber. Hierfür müsste das Stromnetz von den Lechwerken abgekauft werden. „Dies halte ich aber für schwierig, weil keine Erfahrungen im kaufmännischen und technischen Bereich vorhanden sind“, so der Berater. So fahre die Stadt Landsberg, die sich in der Sparte Strom für dieses Modell entschieden hat, siebenstellige Verluste ein. Grund: Der Kaufpreis war zu hoch. Man müsse sich folgende Ziele vor Augen halten: Man wolle ja Mehreinnahmen machen. Und das geht nur zu einem vernünftigen Preis. Nur so kann das Netz refinanziert werden. „Meines Erachtens nach sind die Gemeinden zu klein.“ Es brauche mindestens 20 000 Einwohner, davon etwa 10 000 Netzkunden, „und das hat keiner der Orte für sich allein“. Darum habe es nur Sinn, die Sache gemeinsam in Angriff zu nehmen.

Womit Weber zur Option 3 überleitete: Der Gewinner des Wettbewerbs, zum Beispiel die LEW, gliedern eine Netzgesellschaft aus und die drei Kommunen beteiligen sich daran. Der Haken: „Ob sich das für die Lechwerke rentiert, weiß ich auch nicht.“

Hinsichtlich der Beraterkosten brachte der Schongauer SPD-Rat Friedrich Zeller Weber ins Schwitzen. Etwa 30 000 Euro würde das kosten, so Weber. Plus einem Betrag X für Rechtsanwaltskosten. „Und die können zwischen 100 000 und 150 000 Euro betragen“, mahnte Zeller. Es sei kein Projekt, das sich auf zehn Jahre finanziere, räumte Weber ein.

Viel Arbeit, kein Nutzen?

Der Altenstadter Bürgermeister Albert Hadersbeck brachte die allgemeine Stimmungslage dann auf den Punkt: „Wir wollen doch höhere Einnahmen und gleichzeitig, dass der Preis für den Bürger nicht steigt. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass die LEW eine Kooperation mit uns eingeht.“ Der Altenstadter Fraktionssprecher von UWV/FW, Peter Filser, setzte sogar noch einen oben drauf: „Wir diskutieren hier ein Geschäftsmodell, das uns viel Arbeit bringt und sonst nichts.“ Das wollte der Peitinger Rathauschef Michael Asam nicht hören: „Die LEW ist übrigens anwesend. Wir möchten doch, dass sie auch weiterhin Zugeständnisse machen, damit wir wieder Verträge mit ihr schließen.“

Landsberg sei laut Asam mit seinem Strom-Modell gescheitert, „wie es in Weilheim und Peißenberg weitergeht, wissen wir nicht“. Dennoch sei wichtig, sich über solche Themen als Mittelzentrum Gedanken zu machen. „Und deshalb fand ich den Vortrag in diesem Rahmen sehr gut“, so das Schlusswort des Gastgebers. Einen Beschluss gab es also nicht. Lediglich die Information stand bei diesem Termin im Vordergrund.

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