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Auf geht’s: AWO-Kindergarten-Leiterin Christa Höldrich überwindet mit ihren Waldmäusen kleinere und größere Hürden.

Trägerschaft Kindergarten Waldmäuse

AWO ist raus – will aber wieder rein

Peiting - Die Arbeiterwohlfahrt ist aus der Trägerschaft für den Peitinger Kindergarten Waldmäuse erst einmal raus. Die Entscheidung, dass für das Kindergartenjahr 2016/17 kein Vertrag mit der AWO zustande kommt, hat der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung am Montagabend gefällt. Die Trägerschaft wird neu ausgeschrieben.

Für die Eltern des Kindergartens Waldmäuse an der Münchener Straße dürfte das ein Paukenschlag sein. Der Gemeinderat hat am Montagabend in einer nichtöffentlichen Sitzung einen Beschluss vom Februar 2015 bekräftigt und damit entschieden: Alle Träger von Peitings Kindergärten werden gleich behandelt. Jeder soll am Defizit beteiligt werden. Mit zehn Prozent. Ausnahmslos. Das gilt auch für die Arbeiterwohlfahrt. Konkret geht es um 3000 bis 4000 Euro pro Jahr – Geld, dass die AWO im Hinblick auf ihre anderen Kitas nicht zahlen kann und will.

Beschluss: Alle Träger werden gleich behandelt

Bei der Gemeinde beruft man sich auf den kommunalen Prüfungsverband, der die Gemeinde zu diesem Schritt angehalten habe. Und auf zwei Ermahnungen durch die Kommunalaufsicht, so Bürgermeister Michael Asam. Bei der Beschlussfassung am Montag hinter verschlossenen Türen sei es darum gegangen, „dass alle Träger gleich behandelt werden“.

„Keiner ist glücklich mit der Diskussion“, will Asam für den gesamten Gemeinderat sprechen, der keinesfalls einstimmig, aber eben doch „mehrheitlich“ entschieden habe. Die Trägerschaft für den Kindergarten an der Münchener Straße wird schon für das kommende Kindergartenjahr 2016/17 neu ausgeschrieben.

Einer der ersten Bewerber dürfte dann sein – die AWO. Richtig gehört! „Wir bewerben uns wieder und werden uns mit voller Kraft dafür einsetzen, dass wir mit den Waldmäusen weitermachen können“, so die erste Reaktion der Pressesprecherin des AWO-Bezirksverbandes Oberbayern, Martina Rosenberg. „Wir wollen eine faire Chance bekommen“, betont sie, gibt sich zugleich enttäuscht über die Entscheidung des Peitinger Gemeinderats: „Wir beweisen, dass wir gute Arbeit leisten. Da ist es doch traurig, dass es jetzt an so einem kleinen Betrag scheitern soll.“

Zehn Prozent des Defizits: das macht bei den Waldmäusen pro Jahr nicht einmal 3000 Euro aus. Aber offenbar ist es das wert, „dass die Trägerschaft in dieser Einrichtung wechselt und der Ausgang für Kinder und Eltern ungewiss ist“, so Rosenberg weiter. Die AWO würde keinesfalls klein beigeben und alles daransetzen, diesen Kindergarten zu halten, deutet Rosenberg an, dass der Wohlfahrtsverband sich offenbar alle Schritte vorbehält, um Klarheit in die Angelegenheit zu bringen. „Damit muss der Gemeinderat rechnen.“

Hälfte der Erzieherinnen wollen bei AWO bleiben

Schließlich geht es bei dem Konflikt in der Defizit-Übernahme um ein Gesetz, das sowohl die Gemeinde Peiting als auch der AWO-Bezirksverband jeweils für ihre Interessen auslegen. Will heißen: Die Gemeinde Peiting sieht sich bekräftigt, dass sie mit den zehn Prozent von der AWO rechtlich auf der sicheren Seite ist. Bei der AWO selbst wiederum ist man der Meinung, der Schritt der Gemeinde Peiting „entbehre jeder rechtlichen Grundlage“.

Bis so etwas ausgestritten ist: Das kann dauern. Zeit allerdings ist in dieser Angelegenheit ein kostbares Gut: Schließlich muss noch für das kommende Kindergartenjahr, das in knapp sechs Monaten beginnt, ein neuer Träger für den Kindergarten gefunden werden.

Ein Wettlauf mit der Zeit. Denn: Ist die AWO raus aus der Nummer, dann wird auch die Hälfte des Teams ab August wohl nicht mehr da sein, wenn die Kinder nach den Sommerferien wieder kommen. „Es gibt bei uns Erzieherinnen, die möchten in Peiting bleiben, aber auch einige, die möchten weiter bei der AWO sein“, erklärt eine sichtlich entsetzte Kindergartenleiterin, Christa Höldrich. „Ich bin die Erste, die weg ist“, sagt sie bitter. 18 Jahre AWO. 18 Jahre den guten Namen der Einrichtung aufgebaut. Und dann das.

Zum Tag der offenen Tür am Freitag bräuchten sie eigentlich gar nicht öffnen, glaubt die Leiterin. „Es kommt doch keiner“, sagt Höldrich resigniert. Das Telefon ist verdächtig still, so kurz vor der Anmeldung. Der Kindergarten Waldmäuse: Ein Kindergarten mit Geschichte – einer historischen und einer traurige.

Barbara Schlotterer-Fuchs

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