Aus dem Gericht

Verbotene Böller vom Vietnamesen-Markt

Peiting - Weil er gegen das Sprengstoffgesetz verstoßen hatte, wurde ein 19-Jähriger Peitinger vom Amtsgericht Weilheim zu einer Geldauflage von 500 Euro und 24 Stunden soziale Dienste verurteilt. 

Der Peitinger hatte am 25. Dezember zusammen mit vier Freunden einen Tagesausflug nach Tschechien unternommen und war gegen 20.20 Uhr auf der Rückfahrt kurz nach der Grenze von der deutschen Polizei kontrolliert worden. Die Polizisten wurden fündig.

Der Angeklagte hatte auf einem so genannten Vietnamesenmarkt Feuerwerkskörper gekauft, die in Deutschland verboten sind, und damit gegen das Sprengstoffgesetz verstoßen. Im einzelnen wurden zwölf „Jolly Joker“-Feuerwerkskörper, 20 „Dum-Bum-Böller“ und 40 „La Bomba“-Knaller beim Angeklagten gefunden. Deswegen stand er nun wegen des Erwerbs, der Beförderung von und des Verkehrs mit explosiven Stoffen vor dem Amtsgericht Weilheim.

Deutsche Flagge auf der Packung

Dass er den verbotenen Sprengstoff auf dem Vietnamesenmarkt in Tschechien eingekauft hatte, gab der junge Mann offen zu. Auf dem Markt habe ihn ein Vietnamese angesprochen und ihn gefragt, ob er Böller mitnehmen wolle. Als er Bedenken geäußert habe, dass diese in Deutschland verboten seien, habe der Vietnamese ihm versichert, dass die Feuerwerkskörper erlaubt seien. „Auf der Packung war die deutsche Flagge“, sagte der Angeklagte. Zudem sei Deutschland als Herstellungsland genannt gewesen. „Da hab’ ich mir nichts dabei gedacht“, so der Peitinger. 50 Euro habe er für das Feuerwerk ausgegeben. „Für das Geld hätten Sie bei uns mehr gekriegt“, merkte Jugendrichter Michael Eberle an.

Der Angeklagte stritt ab, dass die Gruppe extra nach Tschechien gefahren sei, um die Böller zu kaufen. Vielmehr hätten sich die Freunde spontan entschlossen, einen Tagesausflug nach Tschechien zu machen. „Was macht man auf so einem Tagesausflug in Tschechien?“, fragte der Richter. Sie hätten sich einen Weihnachtsmarkt und eine Stadt angeschaut. Der Name der besichtigten Stadt war ihm allerdings entfallen.

Der Peitinger wurde unter Anwendung von Jugendstrafrecht zu einer Geldauflage von 500 Euro verurteilt, zudem muss er 24 Stunden soziale Dienste leisten. Jugendstrafrecht kam deswegen zur Anwendung, weil Eberle die Tat als jugendtypisch wertete. Wäre nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt worden, hätte eine viel höhere Geldstrafe gewinkt.

Schon einmal war der Peitinger straffällig geworden

„Die Dinger sind unheimlich gefährlich“, warnte der Richter. Bei diesen Böllern würden irgendwelche Stoffe zusammengemixt, sodass jedes Jahr an Silvester schlimme Unfälle passierten, bei denen Hände weggesprengt würden und andere folgenschwere Verletzungen passierten. „In Peiting findet Ihr in jedem Supermarkt Feuerwerk, das erheblich günstiger ist“, sagte Eberle.

Der Angeklagte war nur einmal zuvor wegen Diebstahls mit dem Gesetz in Konflikt geraten: Er gehörte nämlich zu der Gruppe, die damals nach einem feuchtfröhlichen Abend ein Bobbycar-Rennen veranstaltet und die Spielzeugautos anschließend weggeworfen hatte.

Kathrin Hauser

Rubriklistenbild: © dpa

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