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Reden wird überbewertet: Hinter den Tablets müssten sich die Gemeinderäte nicht mal mehr ins Gesicht schauen.

Grüne fordern papierloses Gremium

Total digital? Gemeinderat bleibt bei Papier

Peiting - Papierloses Büro, papierloser Gemeinderat: Klingt toll – ist aber in der Umsetzung nicht unbedingt günstig. Und schon gar nicht praktisch. So hat es der Peitinger Gemeinderat mehrheitlich befunden und damit einen Antrag der Grünen auf Digitalisierung der Gemeinderatsarbeit abgelehnt.

20 Stunden Drucken, Sortieren und Heften. 175 Kilo bedrucktes Papier. 40 Stunden Versand und Entsorgung: Das Versorgen der Gemeinderäte in Peiting mit den aktuellen Sitzungsunterlagen verursacht Mühen und Kosten – so hat es die Fraktion B90/Die Grünen nachgerechnet und beantragt: Der Gemeinderat soll mit Tablets ausgestattet werden – kein Papierkram mehr also. Und auch noch eine Ersparnis von zirka 3000 Euro im Jahr.

Hauptamtsleiter kam auf ganz andere Zahlen

Aber auch das mit dem Rechnen kann unterm Strich immer Ansichtssache sein. Denn auch der Peitinger Hauptamtsleiter Stefan Kort hat den Taschenrechner gezückt. Und musste feststellen: „Der Antrag ist nicht fundiert.“ Denn: Kort hat ganz andere Sachen ausgerechnet. Alleine Software und Geräte würden mit 5000 Euro zu Buche schlagen. Zudem müsste ein IT-kundiger Vertreter des Rathauses bei jeder Sitzung des Gemeinderats anwesend sein. Dies und zusätzlich anfallende Wartungsarbeiten der Geräte würden 150 bis 200 Arbeitsstunden und damit über 10 000 Euro Lohnkosten jährlich verursachen. Korts Vorschlag: Den Vorstoß in Richtung technisierter Gemeinderat „rundum ablehnen“.

Damit sprach der Geschäftsführer auch vielen Gemeinderäten aus dem Herzen. Zum Beispiel Peter Ostenrieder, der gar nicht erst in eine Diskussion über Einsparung einsteigen wollte. Aber: Jeder Gemeinderat habe ein Tablet. Und, was die Sitzungsunterlagen anbelangt: Da möchte Ostenrieder nicht nur in einen Bildschirm starren. „Ich mag meine Unterlagen, ich mag da was draufschreiben.“

So ein Tablet lenkt auch ab

Michael Asam, der als stellvertretender Vorsitzender des Bezirkstag schon länger als papierloser Bezirksrat im Gremium sitzt, kann alles andere als ein Loblied auf die Tablet-Umstellung singen. „Ich bin nicht glücklich darüber“, so der Peitinger Bürgermeister. „Man muss furchtbar geschickt mit einem solchen Medium umgehen können, das ist nicht praktisch“, meinte er mit Blick ins Peitinger Gremium, wo das Durchschnittsalter doch deutlich über dem der technikaffinen neuen Generation liegt.

Und: Wo ein Tablet ist, da ist auch die Versuchung – „viele Kollegen schreiben Mails, surfen im Internet, die Aufmerksamkeit ist reduziert“, plauderte Rathauschef Michael Asam aus dem Nähkästchen.

Der Grünen-Rat widersetzte sich den Vorwürfen

Thomas Elste, Fraktionsvorsitzender B90/Grüne, die den Antrag eingebracht hatten, stellte sich vor seinen Antrag und die damit verbundene Recherche: Die Software für einen papierlosen Gemeinderat hätte man bereits im Rathaus. „Und die Gemeinde hat bereits viel Geld für ein Ratsinfosystem in die Hand genommen.“ Was das mit den Papierresourcen anbelangt, hätte er sehr wohl gründlich recherchiert, widersetzte er sich Vorwürfen eines nicht-fundierten Antrags. „Das habe ich mit dem Kreistag in Nordfriesland abgeglichen.“ Langfristig, so Elste, könnte die Gemeinde eine Ersparnis aus der Umstellung ableiten: nämlich 3000 Euro pro Jahr. „Irgendwann im Computer-Zeitalter muss man einen Schritt nach vorne wagen.“

Das taten dann zumindest er selbst und sein Fraktionskollege Thomas Brennauer. Der Rest des Gemeinderats stimmte dagegen. Denn: Mit dem bereits vorhandenen Ratsinfosystem könne jeder nach Lust und Laune – auch gerne in der Sitzung– am eigenen Laptop oder

Tablet arbeiten.

Barbara Schlotterer-Fuchs

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