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Information: Andreas Kurz erläuterte das ehrgeizige Projekt Dorfrat.

In Herzogsägmühle:

Starkes Interesse am Dorfrat

Herzogsägmühle - So großes Interesse hatten die Initiatoren des Mitbestimmungsprojektes Dorfrat nicht erwartet. Die Bürger wollen offensichtlich ein gewichtiges Wort bei der Gestaltung der Geschicke im Diakoniedorf mitreden.

Bis Jahresende soll in Herzogsägmühle eine 14-köpfige Vorbereitungsgruppe vor allem eine Geschäftsordnung für das Gremium erarbeiten. Eine ordentliche Dorfversammlung noch im November dieses Jahres soll die Geschäftsordnung verabschieden, für die am Montag ein Entwurf vorlag, und den ersten Dorfrat wählen, dem nach gegenwärtigen Vorstellungen je vier Vertreter der Herzogsägmühler Vereine und der im Ort lebenden Bürgerschaft sowie zwei Mitglieder aus der Geschäftsleitung des „Unternehmens“ Herzogsägmühle angehören sollen.

Wie Andreas Kurz, im Hauptamt Leiter des Fachbereichs „Menschen in besonderen Lebenslagen“ und Vorsitzender des Vereins Dorfentwicklung, erläuterte, wird der Dorfrat den früheren, anders strukturierten „Großen Rat“ von Herzogsägmühle ablösen. Diesem vor 25 Jahren gegründeten und vergangenes Jahr aufgelösten Gremium hatten die Vorsitzenden der Heimbeiräte, die Vorsitzenden der Beschäftigten und Auszubildenden, die Arbeitsanleiter der Werkstätten, die Vertreter der Fach- und Ausbildungsbetriebe, der Vertreter der Berufsschule, das Öffentlichkeitsreferat, der Pfarrer, der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, die Leiter der Beratungsstellen, Vertreter der Jugendhilfe, die Leiter der Häuser und Heime sowie die Mitglieder der Leitungskonferenz angehört. Wie die schier endlose Aufzählung zeigt ein zwar um Vielfalt bemühtes, aber viel zu großes Organ.

Gefehlt hatte jedoch die Einbindung von Herzogsägmühler Bürgern, die nicht nur als sogenannte Hilfeberechtigte im Ort wohnen. Jetzt soll eine Dorfversammlung die künftige Basis für die Diskussion und das Vorschlagswesen des dörflichen (nicht unternehmerischen) Lebens werden, aus deren Mitte der Dorfrat gewählt wird. Mitberaten soll dieser Dorfrat in Angelegenheiten der Feuerwehr, der Sportvereine und der Erwachsenenbildung, hier wird insbesondere das Freizeit- und Bildungswerk genannt. Mitbestimmung soll es in Angelegenheiten des Öffentlichen Personennachverkehrs, der Gesundheit, der Kultur und Geschichte, in Angelegenheiten von Natur und Umwelt, der Förderung der Gemeinschaft, der Sauberkeit und Ordnung im Dorf sowie in Sachen Infrastruktur geben.

Auf die Bürger kommt so eine am Vorbild der bayerischen Gemeindeordnung orientierte, erheblich weitreichendere Form der Mitberatung und Mitbestimmung zu, die eine aktive Mitgestaltung in der Dorfgemeinschaft ermöglicht. Eine angeregte Diskussion vertiefte Struktur- und Organisationsfragen und vermittelte einen ersten, lebhaften Eindruck vom Bedürfnis nach eben dieser Möglichkeit der Mitgestaltung des Lebens im Ort. Damit wird auch ein weiterer Schritt auf dem Weg hin zu einem ganz „normalen“ Gemeinwesen unternommen.

Rüdiger Matt

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