Ein Einfamilienhaus soll auf der grünen freien Fläche an der Ecke Wank-/Tegelbergstraße entstehen (siehe rotes Kreuz). Rechts daneben die Vicario-Kiesgrube und das Gewerbegebiet. foto: google earth

Aus für Peitinger Schickeria-Viertel?

Peiting - Ein Einfamilienhaus soll in einem Garten an der Ecke Wank-/Tegelbergstraße entstehen. Dort handelt es sich um ein reines Wohngebiet - doch bleibt das so?

Einen zusätzlichen Punkt hat Bürgermeister Michael Asam am Dienstagabend auf die Tagesordnung des Peitinger Bauausschusses gesetzt: Es handelte sich um die Anfrage, ob in dem großen Garten an der Ecke Wank-/Tegelbergstraße in Peiting ein Einfamilienhaus entstehen darf.

„Das Baufenster zieht sich momentan direkt um das bestehende Gebäude herum“, erklärte Marktbaumeister Jochen Rohrmoser. Für das Vorhaben müssten also die Baugrenzen geöffnet werden. An sich kein großes Problem, denn auch anderswo sei dies in ähnlicher Form schon genehmigt worden. „Vorausgesetzt, dass das neuen Haus vernünftig erschlossen werden kann“, fügte der Marktbaumeister hinzu. „Wenn das gesichert ist, habe ich mit dem Neubau kein Problem.“

So sahen es auch die Mitglieder des Bauausschusses. Einzig Peter Ostenrieder, Fraktionsvorsitzender der CSU im Gemeinderat, gab zu Bedenken: „Ich möchte nur noch einmal darauf hinweisen, dass es sich hier um ein reines Wohngebiet handelt.“

Eine Altlast aus vergangenen Tagen, die in den Sitzungen der Peitinger Räte oft thematisiert wird.

In einem reinen Wohngebiet ist nämlich definitiv kein Gewerbe erlaubt. Ein Problem für die Gestaltungsfreiheit des Marktes Peiting. Denn auch was den Lärmschutz angeht, hat so ein Fleckerl strenge Regeln - und das vereinbart sich nicht besonders gut mit dem angrenzenden Gewerbegebiet und der Vicario-Kiesgrube. „Wenn wir im Bereich V-Markt oder den Firmen Resch oder Holl etwas tun wollen, werden wir von den Lärmschutzregeln stark ausgebremst“, so Ostenrieder.

Der CSU-Mann spricht sogar von einer „Knebelung der Kommunalpolitik“. Noch besser: Es handle sich um einen Platz mit „Kurort-Charakter“. Das sei schlichtweg nicht mehr zeitgemäß. „Solche reinen Wohngebiete gibt es so gut wie gar nicht mehr.“ Anwohner im „Schickeria-Viertel“ sind übrigens hohe Tiere, wie Altbürgermeister Klement Sesar oder der ehemalige Chef der Firma Agfa.

Ostenrieder schlug deshalb vor prüfen zu lassen, ob es im relevanten Bereich tatsächlich kein Gewerbe gebe.

Denn ist dort nur ein Versicherungsbüro ansässig oder verkauft eine Hausfrau Tupper-Ware, sind die Voraussetzungen für ein reines Wohngebiet nicht mehr erfüllt. Dann kann es in ein Misch- oder allgemeines Wohngebiet umgewandelt werden.

Da in diesen Formen auch lautere Geräusche erlaubt sind, wäre dies eine große Erleichterung für das Gewerbe. Denn für Unternehmen, die sich ansiedeln oder vergrößern wollen, hat der Markt Peiting der Wirtschaftlichkeit halber stets ein offenes Ohr.

Was die Erweiterung der Baugrenze angeht, signalisierte der Ausschuss zunächst ein deutliches Ja. Der Gebietscharakter muss allerdings von offizieller Stelle erst noch geprüft werden.

Ein Schmankerl zum Schluss: Hinter der Bauanfrage soll eine Bürgerin stecken, die selbst ein Immobilienbüro betreibt - einer Umwidmung sollte unter diesen Umständen wohl nichts mehr im Wege stehen.

Sabine Krolitzki

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