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Prügel statt Schutz und Vertrauen - das Amtsgericht Weilheim verurteilte einen Peitinger.

Bewährungsstrafe für Peitinger

Stiefsohn mit Schlägen erzogen

Peiting - Der 46-jährige angeklagte Arbeiter aus Peiting sah die ganze Sache vor dem Weilheimer Amtsgericht ziemlich gelassen. Weil er gegenüber seinem Stiefsohn gewalttätig geworden war, bekam er nun eine Bewährungsstrafe.

Der Peitinger hatte seinen 15-jährigen Stiefsohn laut Anklage am Abend des Tattages im März dieses Jahres nach einer verbalen Auseinandersetzung um angeblich nicht getätigte Hausarbeiten gepackt und ihm zwei Schläge in den Nacken gegeben. Zu dem Zeitpunkt war der Angeklagte laut späterer Aussage der Polizei sehr stark alkoholisiert. Aus Angst vor weiteren Übergriffen flüchtete der Junge aus der Wohnung.

Der Stiefvater selbst rief die Polizei an, aber nur um den Jungen als vermisst zu melden. Die Mutter des Schülers war zu dem Zeitpunkt bei der Arbeit, traf aber nahezu zeitgleich mit der Polizei ein. Und auch der verängstigte Schüler tauchte kurz darauf wieder auf. „Er hatte sich in sein Bett verkrochen und weinte sehr heftig“, sagte die zuständige Polizeibeamtin. Er hatte Schmerzen im Nacken und Bauchschmerzen vor Angst.

Der Angeklagte widersprach dem Vorwurf der Schläge. „Ich habe ihn nur gepackt“, sagte er vor Gericht wenig reumütig. Sein Vorstrafenregister mit 19 Eintragungen spricht jedoch nicht gerade für ihn. Neben Diebstahl, Nötigung, Betrug und Sachbeschädigung wurde der 46-Jährige auch schon wegen Körperverletzung verurteilt. Und auch die eigene Ehefrau entlastete den Mann nicht. „Wenn er etwas getrunken hat, merkt er nicht, was er für Kräfte hat“, sagte sie. Auch sie habe eine starke Rötung im Nacken ihres Sohnes bemerkt, so die Mutter des Jungen. Sie stellte die Aussage ihres Sohnes in keinerlei Hinsicht in Zweifel. Und sie fügte hinzu: „Wenn das noch einmal passiert, fliegt mein Mann raus“.

Nach der Beweisaufnahme fiel das letzte Wort des Angeklagten eher lapidar aus. „Ja, was soll ich sagen? Ich habe mich kräftetechnisch eben nicht unter Kontrolle wenn ich trinke“, sagte er nur. Ein Alkoholproblem sieht er bei sich aber nicht. Ganz im Gegensatz zum Jugendrichter. „Reibereien in dem Alter sind ganz normal. Nicht alkoholisiert wird man da schon als Autorität wahrgenommen“, belehrte Richter Michael Eberle den Angeklagten. Eberle sah den eher schmächtigen, schüchternen Jungen auch nicht als den typischen Rebellen an und war der festen Überzeugung, dass der Schüler die Wahrheit gesagt hatte. „Schutz und Vertrauen haben Sie dem Jungen aber nicht gegeben“, schimpfte der Richter.

Wegen der geregelten Familienverhältnisse ließ der Richter dann aber doch noch einmal Gnade vor Recht walten und setzte die sechsmonatige Freiheitsstrafe drei Jahre zur Bewährung aus. Als Geldauflage kommt auf den Angeklagten ein Betrag von 1200 Euro hinzu, zahlbar in monatlichen Raten von 100 Euro an den sozialpsychiatrischen Dienst der Herzogsägmühle. Außerdem machte der Richter zur Auflage, dass der Angeklagte an fünf Beratungsgesprächen mit Bezug zu einem Alkoholproblem teilnehmen muss.

Regina Wahl-Geiger

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