Peitinger singen für die Flutopfer

Peiting - Singen und Gutes tun ist in Peiting Ehrensache. Fast bis auf den letzten Platz besetzt war die Schloßberghalle beim diesjährigen Wirtshaussingen mit Ernst Schusser. Erlös: 2400 Euro.

Der Erlös von 2400 Euro aus der Veranstaltung kommt zu gleichen Teilen der Bürgerstiftung Peiting sowie den Flutopfern zugute. „Wir sind ein singendes Volk in Peiting, das haben wir schon oft bewiesen“, so Bürgermeister Michael Asam in seiner Begrüßungsrede. Dass die Peitinger auch ein hilfsbereites Volk sind, bewiesen sie an den Spendenkörbchen, die sich nach der Veranstaltung gut gefüllt präsentierten.

„Ein tolles Ergebnis“, freute sich Klaus Hasselman von der Bürgerstiftung über die Spendenbereitschaft. Zuvor hatte Pfarrer Dirk Wollenweber von seinen Erfahrungen als Notfallseelsorger in Fischerdorf und Natternberg (Deggendorf) berichtet. „Viele Menschen stehen vor dem Nichts“, berichtete Wollenweber, der sich aber davon beeindruckt zeigte, wie viele Menschen mit angepackt haben, um möglichst schnell die Folgen der Flutkatastrophe zu beseitigen.

Auch in Peiting hatten zahlreiche Ehrenamtliche zusammengeholfen, damit der Singabend reibungslos über die Bühne gehen konnte, wie Bürgermeister Asam lobend anmerkte. Ernst Schusser, seines Zeichens Leiter des Volksmusikarchivs im Bezirk Oberbayern, rief schließlich zum „Oafachsten auf der ganzen Welt“, dem „miteinand Singen“ auf. Und um auch jedem die Hemmungen zu nehmen, hatte er Liedblätter ohne Noten ausgeteilt: „Da kennan’s singa, wias wolln.“

Auf dem Programm standen bayerische und deutsche Volkslieder, sowie Einlagen des Schongauer Bergsteigerchors, der Alpenvereins-Singgemeinschaft und des Trachtenverein-Chors. Und unter dem Motto „im Volkslied gibt’s nichts Falsches, nur Varianten“ startete man beherzt mit dem Lied „s’gibt nur a Loisachtal alloa“.

Frisch Gemut ging es weiter mit dem „Jäger aus Kurpfalz“, einem Lied um 1750, das zweideutig den „Schürzenjäger“ Kurfürst Karl Theodor auf die Schippe nimmt und lange Zeit verboten war. Die Moritat „Mariechen saß weinend im Garten“ ist für Schusser „eines der frühen emanzipatorischen Lieder“. Überhaupt wusste Schusser zu ziemlich jedem der gesungenen Titel etwas Interessantes zu berichten.

Im Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern, das in einer ehemaligen Schule in Bruckmühl untergebracht ist, wurden bisher etwa 140 000 Volkslieder zusammengetragen. Laut Archivleiter nur ein Bruchteil dessen, was in der oberbayerischen Bevölkerung vermutlich an Liedgut vorhanden ist. „Nur etwa zwei bis fünf Prozent des immateriellen Kulturerbes können bewahrt werden“, bedauert Schusser.

Ursula Fröhlich

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