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Bei der Firma ept in der Lehrwerkstatt: Die zwei Syrer Kamal Rejou und Belal Al Khiyami mit Ausbilder Konrad Socher und Regierungspräsident Christoph Hillenbrand. Hinten in der Mitte EPT-Geschäftsführer Thomas Guglhör

Peiting

ept: Asylbewerber auf dem Weg zur Ausbildung

Peiting - Ist das ein guter Weg hin zur beruflichen Integration? Zwei junge syrische Asylbewerber werden derzeit in der Lehrwerkstatt der Peitinger Firma ept geschult. Ein Projekt, von dem sich jetzt Regierungspräsident Christoph Hillenbrand zum „Bayerischen Tag der Ausbildung 2016“ vor Ort ein Bild gemacht hat.

Die jungen Männer aus Syrien seien freundlich, willig und fleißig. „Aber wir stoßen an Grenzen“. Diese Sätze bezieht Konrad Socher, der Ausbilder aus der Lehrwerkstatt der Firma ept in Peiting, auf ein aktuelles Projekt: Zwei Flüchtlinge machen zurzeit eine Einstiegsqualifikation mit dem Ziel, im September eine Lehre beginnen zu können.

Mit „Grenzen“ meint Konrad Socher die deutsche Sprache und das Vermitteln von theoretischem Wissen. Die Einstiegsqualifikation ist eine Maßnahme, die von der Agentur für Arbeit in Weilheim getragen wird. Der Kontakt zu den beiden Syrern sei über den Helferkreis Asyl in Peiting zustande gekommen, erklärt Konrad Socher, der bei ept im Peitinger Betrieb für die gewerbliche Ausbildung zuständig ist. „Die haben uns gefragt“, ergänzt er.

Bei den beiden Flüchtlingen handelt es sich um zwei junge Männer aus Syrien. Das ist zum einen Kamal Rejou. Er stammt aus der nordsyrischen Metropole Aleppo. Zum anderen ist es Belal Al Khiyami, der aus Damaskus geflohen war. Beide sind seit einem Jahr und drei Monaten in Deutschland. Beide sind als Asylbewerber anerkannt und wohnen in Peiting.

Vier Monate haben die Zwei an der Berufsschule Deutschunterricht gehabt. Nun stellen sie sich der nächsten Herausforderung: Zusammen mit einer jungen deutschen Frau machen sie für ein halbes Jahr die Einstiegsqualifikation in der Lehrlingswerkstatt bei ept, um Grundlagen zu bekommen für den Beginn einer gewerblichen Lehre im September.

Die Drei sind dort mitten unter den 57 Jugendlichen, die bei ept in der Peitinger Lehrwerkstatt ihre Ausbildung machen. Die Firma ept ist in der Region Schongau der einzige unter den größeren Betrieben, wo eine solche Maßnahme angeboten wird. Das weiß Konrad Socher als Leiter der gewerblichen Ausbildung aus Gesprächen mit Kollegen.

Regierungspräsident Christoph Hillenbrand kommentierte dies mit den Worten „Sie sind da ein extremer Vorreiter.“ Migranten zu integrieren, sei eine Herausforderung, aber auch eine Chance, verdeutlichte Hillenbrand, der zuvor beim „Bayerischen Tag der Ausbildung 2016“ auch der Firma Bauer Maschinen und Technologie in Weilheim einen Besuch abgestattet hatte – Motoren Bauer bildet seit September 2015 einen syrischen Flüchtling aus.

Ein wichtiger Aspekt ist für Hillenbrand, dass junge Migranten über Praktika früh in Kontakt mit Unternehmen kommen. Davon könnten beide Seiten profitieren. Arno Vitallowitz, bei der Regierung von Oberbayern Sachgebietsleiter für Wirtschaftsförderung und Beschäftigung, sagte beim Besuch der Firma ept in Peiting, es biete sich die Chance, aus dem Kreis der Flüchtlinge willige und gute junge Leute für den Arbeitsmarkt zu gewinnen, auch wenn dies mitunter „multikulturell“ bedeute.

Das gehe freilich „nicht geräuschlos“ von statten. ept-Geschäftsführer Thomas Guglhör (48) betonte gegenüber der Presse, dieses „Ausprobieren“ sei typisch für ept. „Machen – nicht ewig reden“ laute die Devise. Thomas Guglhör sieht bei diesem Schritt, Flüchtlinge zu integrieren, „keine politische Motivation, sondern soziale Verantwortung“.

Guglhör stellte anfangs den Gästen von der Regierung und der Arbeitsagentur zusammen mit Ausbildungsleiterin Heide Ramminger und Konrad Socher, dem Beauftragten der Lehrwerkstatt, das Unternehmen ept vor. Es ist in Peiting mit knapp 330 Beschäftigten der größte industrielle Arbeitgeber, hat in Deutschland weitere Werke am Stammsitz in Buching und in Augsburg und ist ebenso in Tschechien, in China und in den USA vertreten. Hergestellt werden bei ept elektronische Steckverbinder, wobei gut zwei Drittel des Umsatzes (gesamt 110 Millionen Euro) im Bereich Automotive erzielt werden.

Die Firma ept hat 960 Mitarbeiter. Davon sind 113 Auszubildende; allein in Peiting und Buching sind es 98. Die Ausbildungsquote liegt bei 18 Prozent. Das ist außergewöhnlich hoch. Es wird in zahlreichen Berufen eine Lehre angeboten. Dazu gehören auch die Werkzeugmechaniker.

Johannes Jais

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