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Kein schöner Anblick: Die denkmalgerechte Kalkfarbe blättert innerhalb kürzester Zeit wieder von der Decke ab. Deshalb muss saniert werden.

Pfarrhof Kinsau

Pfarrhof: Denkmalfarbe bröckelt ab

Kinsau - Nachbesserungen in Höhe von 1800 Euro sind bei der Sanierung des Kinsauer Pfarrhofs nötig. Nachdem auf die Holzdecke eines Raumes – wie von den Denkmalpflegern gefordert – eine Kalkfarbe aufgebracht wurde, müssen die Kinsauer nun mitansehen, wie der Kalk innerhalb kürzester Zeit wieder abblättert.

Die Farbe an der Decke hält nicht – diese Nachricht musste Bürgermeister Marco Dollinger in der jüngsten Gemeinderatssitzung seinen Ratskollegen überbringen. Dabei war die Kalkfarbe genau nach den Vorschriften des Landesamt für Denkmalpflege aufgebracht worden. Nun blättert die Kalkfarbe flächendeckend von der Kassettendecke ab, fingergroße Kalkblättchen regnen herab.

Gottlob, es handelt sich nur um einen Raum: das Pfarrbüro im Erdgeschoss hinten rechts. Ob die Absicht der Denkmalpfleger, eine mineralische Kalkfarbe auf dem organischen Holz haften zu lassen, überhaupt von Erfolg gekrönt sein kann, bleibt unklar.

Decke muss säuberlich abgekratzt werden

Auf jeden Fall steht fest: „So können wir es nicht lassen“, sagte Dollinger. In Absprache mit der Denkmalbehörde wurde nun beschlossen: Auf die Decke soll eine Ölfarbe. Die sicherlich hält, und die auch in früheren Zeiten als Holzkonservierung üblich war. Davor steht jedoch die Aufgabe, die Decke säuberlich abzukratzen, um die Kalkfarbe komplett zu entfernen. Sonst hält nämlich die Ölfarbe auch nicht. Für diese Nachbesserung wurde im Bieterverfahren die Firma Reitschuster aus Egling ausgewählt. Dennoch kommen auf die Kinsauer wegen der Nachbesserung Mehrkosten in Höhe von 1800 Euro zu.

Klar, dass dies bei den Kinsauer Gemeinderäten nicht auf Begeisterung stieß. Auf die Frage „Warum nicht gleich eine Ölfarbe?“ von Raimund Erhard musste Bürgermeister Dollinger auf die denkmalpflegerische Forderung hinweisen.

Und: „Das konnte keiner ahnen “, sagte Dollinger. Möglicherweise „arbeitet das Holz“: Das Gebäude sei ja über Jahrzehnte nicht geheizt wurden und sei sehr feucht gewesen. Im Zuge der Sanierung wurde es erwärmt und ausgetrocknet, Risse und Abplatzungen seien die Folge. Auch der zweite Bürgermeister Alexander Resch wies auf Schrumpfungen von Deckenplatten hin, was fingerbreite Ritzen verursacht habe. Bei der Frage, ob sich denn das Landesamt für Denkmalpflege an diesen Mehrkosten beteilige, da dieses eigentlich dafür verantwortlich sei musste Dollinger die Erwartungen bremsen: „Damit rechne ich nicht.“

Auch bei den Bodenarbeiten gibt es Mehrkosten:

Für den Eingangsbereich auf Nord- und Südseite wurde von der Firma Holnburger, die die Fliesenarbeiten ausführt, eine zusätzliche Leistung vorgeschlagen: Um einen sauberen und ästhetischen Abschluss zu schaffen, wären massive Granitschwellen geeignet. Kostenpunkt: rund 600 Euro. Ein Vorschlag, der von den Gemeinderäten einstimmig begrüßt wurde.

Klaus Mergel

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