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Auf das May-Gelände im unteren Teil des Bildes soll der Kindergarten kommen.

Plötzlich neue Zahlen

Hängepartie um neuen Schongauer Kindergarten

Schongau - Dass die Stadt einen neuen Kindergarten auf dem May-Gelände bauen wird, wurde bereits im September beschlossen. Doch so wie damals geplant funktioniert es nicht, auch finanziell ist einiges unklar – es gab sogar offene Meinungsverschiedenheiten zwischen Bürgermeister, Stadtbaumeister und Kämmerer.

Der Plan klang bestechend: Die Stadt baut auf dem städtischen Grundstück gegenüber des Schulzentrums, auf dem sich derzeit noch die Gärtnerei May befindet, in Rekordzeit bis September dieses Jahres einen neuen Kindergarten und ist damit auf einen Schlag eine Menge Probleme los. Zum einen könnten so dringend notwendige Kindergartenplätze geschaffen und der Kindergarten an der Benefiziumstraße, der kaum mehr sanierbar ist, aufgelöst werden. Der neue Kindergarten sollte zudem zuerst von der Grundschule belegt werden, die dieses Jahr abgerissen wird. So könnten auch teure Interims-Container gespart werden.

Diese Idee hielt aber nur kurz. Bereits am 1. Dezember gab es, wie am Dienstag im Stadtrat bekannt wurde, eine nicht-öffentliche Sitzung zu dem Thema. „Die Systemhersteller haben derzeit auch wegen des Asyl-Themas eine hohe Belastung, die Fertigungs- und Lieferzeiten haben sich immer mehr in die Länge gezogen“, sagte Stadtbaumeister Ulrich Knecht. Weil auch unklar ist, ob der geplante Auszug der Gärtnerei wie vereinbart zum März klappt, zog die Stadt die Reißleine, entkoppelte die Projekte Kindergarten und Schul-Ersatz und verhängte einen Planungsstopp. Sechs Grundschulklassen und zwei Schülerhortgruppen müssen also ab September in einer Mietanlage aus Klassenraummodulen untergebracht werden. Die Container sollen auf dem asphaltierten Freibereich zwischen Mittelschule und Kollegstufenbau errichtet werden.

In die Dienstagssitzung ging die Stadt mit zwei Kindergarten-Varianten. Zum einen ein Neubau mit vier Gruppen (drei Kindergarten, eine Krippe) sowie einer Sanierung des Kindergartens Regenbogen in der Bahnhofstraße mit nur zwei Gruppen (eine Kindergarten, eine Krippe). Oder je drei Gruppen an beiden Orten. Die Stadt bevorzuge, auch nach Gesprächen mit den Kindergarten-Leitern, Variante zwei, auch wenn sie teurer sei.

Zu den Kosten nahm Robert Thomas vom Stadtbauamt Stellung. Demnach koste der Neubau in Variante eins 2,83 Millionen Euro, die Sanierung des Kindergartens Regenbogen 840 000 Euro. Abzüglich einer staatlichen Förderung und zuzüglich der nötigen Interimsbauten wie Container kam Thomas auf Kosten allein für die Stadt von 2,92 Millionen Euro. Variante zwei gliedert sich ähnlich auf. Nur ist dort der Neubau billiger, weil kleiner, dafür kommt ein nötiger Ausbau am Kindergarten an der Bahnhofstraße dazu. Macht summa summarum 3,1 Millionen Euro. Weil Thomas ehrlicherweise von Kostenschätzungen sprach, die sich noch 30 Prozent nach oben oder unten bewegen könnten, entspann sich eine längere Diskussion – und zwar nicht nur unter den Stadträten. „Die Zahlen sind auch für uns neu, damit müssen wir uns erst beschäftigen“, sagte Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) zur Überraschung der Stadträte und Besucher – offenbar hatte nicht einmal er die Unterlagen seines Stadtbauamts vorher gesehen. Es folgten Diskussionen zwischen Sluyterman, Knecht und Kämmerer Werner Hefele – ein absolut untypischer Vorgang.

Hefele machte deutlich, dass er bereits 2014 auf mögliche Haushaltsprobleme hingewiesen habe, die ab diesem Jahr mit dem insgesamt 19 Millionen Euro schweren Neubau der Grundschule ihren Anfang nehmen. „Ich habe deutlich gemacht, wo für uns die Grenze des Machbaren ist.“ Und die sieht er jetzt überschritten: Er habe im Haushalt 2,25 Millionen Euro für den neuen Kindergarten vorgesehen, die Sanierung der Einrichtung an der Bahnhofstraße sei bisher in der Finanzplanung bis 2019 nicht vorgesehen gewesen. Diese fehlenden bis zu 850 000 Euro haben „deutliche Auswirkungen auf den Haushalt“, so Hefele – der sei fertig gedruckt, sollte diese Woche an die Stadträte gehen und am 2. Februar behandelt werden. Der von Hefele angeregte Antrag, an diesem Abend noch keinen Beschluss zu fällen, sondern erst an diesem 2. Februar, wurde trotz erbitterten Protests der CSU mit 13:10 Stimmen angenommen.

Boris Forstner

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