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Neu in Weilheim: Der Kinsauer  Herbert Haseitl, seit Oktober Geschäftsführer des Kreisjugendrings.

Das Porträt: Herbert Haseitl aus Kinsau

„Von der Straße ins Büro“

Herbert Haseitl (29) aus Kinsau war Streetworker im Landkreis Augsburg. Jetzt ist er der neue Geschäftsführer des Kreisjugendrings Weilheim-Schongau.

Kinsau – „Weilheim ist Neuland für mich.“ So beschreibt Herbert Haseitl, der seit 1. Oktober die Stelle des Geschäftsführers des Kreisjugendrings (KJR) Weilheim-Schongau innehat, sein Gefühl am neuen Arbeitsplatz in der gelben Villa an der Pütrichstraße. Bisher habe sich sein Leben im Raum Schongau abgespielt. Das war aber nicht die einzige Änderung: Vorher war er nämlich Streetworker im Landkreis Augsburg-Land, jetzt arbeitet er in der Verwaltung. „Von der Straße ins Büro“, beschreibt er seinen beruflichen Wechsel.

Einen Vorteil hat die neue Aufgabe für den „sesshaften Kinsauer“: „Ich bin abends daheim.“ Dies sei vorher eher selten der Fall gewesen. Abends zuhause zu sein ist ihm wichtig – wegen der Familie. Der „eher musikalische Typ“, der singt und Gitarre spielt, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Die Vorteile einer großen Familie weiß Haseitl zu schätzen. Der 1988 in Schongau Geborene ist „als Sandwich-Kind“ mit vier Geschwistern aufgewachsen – „am Waldrand“, wie er betont. In der großen Familie habe es immer jemanden gegeben, der ihn verstand, wenn ein anderer das gerade nicht tat. Dies habe ihm Sicherheit gegeben.

Auch sonst hat er viele gute Erinnerungen an die Kindheit, zum Beispiel an das Kart-Fahren, das die übliche Sonntagsbeschäftigung war. Sein Vater war Jugendleiter im Motorsportclub, und „Kart-Fahren war der Familiensport“. Von seiner Mutter, die aus Ostfriesland stammt, hat er sein Lieblingsessen: „Kartoffelpüree mit Spinat und Spiegelei – und Apfelmus, das gehört unbedingt dazu.“ Sonst sei es kein richtiges ostfriesisches Essen.

Der Ex-Jugendliche – mit 29 Jahren liegt er zwei Jahre über der KJR-Jugendobergrenze – ist nicht nur der Akademiker, der das Sozialgesetzbuch zitieren kann, ihm sind auch andere Arbeitswelten nicht fremd. Mit verschiedenen Ferienjobs hat er nicht nur Geld verdient, sondern auch Erfahrungen gesammelt – in der Automobilbranche, im Elektrobereich und in der Baubranche. Und nebenher hat er Getränkeautomaten aufgefüllt. Rückblickend meint er: „Ich hätte auch Automechaniker werden können oder Zimmerer oder Elektriker – und mit EDV beschäftige ich mich auch ganz gerne.“

Aber gerade die Erfahrung, die er in den Jobs gesammelt hat, bewog ihn zu einer anderen Entscheidung: „Ich wollte im sozialen Bereich arbeiten.“ Und so hat er nach dem Besuch der Realschule Schongau und dem wirtschaftlichen Zweig der Fachoberschule Landsberg an der Fachhochschule Kempten den Studiengang Sozialwirtschaft gewählt, den er 2013 abgeschlossen hat. „Lernen ist mir immer leicht gefallen, ich war aber nicht der absolute Einser-Schüler“, fasst er seine Schul- und Studienerfahrungen zusammen.

Haseitl rechnet damit, dass er im Kreisjugendring nicht einfach die Arbeit seines Vorgängers fortsetzen kann, sondern dass er auch über Änderungen nachdenken muss. Dies heiße nicht, dass jetzt etwas nicht in Ordnung sei, aber die Welt ändere sich immer schneller und mit ihr änderten sich auch die Anforderungen, die an den KJR gestellt würden. Darauf müsse ständig reagiert werden. Nur so könnte er seiner Aufgabe gerecht werden, die darin bestehe, Kindern und Jugendlichen – in Ergänzung zum Elternhaus und zur Schule – zu helfen, ihre Persönlichkeit zu entfalten. „80 Prozent lernen Kinder außerhalb der Schule“, so Haseitl, deshalb seien Elternhaus und soziale Kontakte für Kinder wichtig. Wertevermittlung spiele in allen Bereichen ein große Rolle.

Auch, wenn er es nicht direkt sagt, wird aus seinen Ausführungen doch deutlich, dass für ihn die Arbeit in vielen Bereichen, das gesellschaftliche Engagement und der Kontakt zu Menschen wichtig für soziales Denken und Arbeiten sind. Deshalb war er auch in der Kinsauer Landjugend und ist in Schongau – „die Stadt war für mich in der Jugend ganz wichtig“ – im Trachtenverein. „Ich bin aber kein Plattler“, fügt er an. Dabei kommt ihm der neue Arbeitsort zugute. „Jetzt, wo ich beruflich wieder im Landkreis daheim bin, kann ich in Schongau wieder mehr machen.“ Bei seiner vorigen Tätigkeit im Raum Augsburg sei dies schwierig gewesen.

Auch bei der Arbeit schätzt Haseitl den Blick über den Zaun. Mittwochs arbeitet er im Kindergarten seiner Heimatgemeinde. Beim „Frischlufttag“ ist er mit den Kindern draußen, „bei jedem Wetter“, wie er betont. Nebenher hat er „mit viel Eigenleistung“ ein Massivholzhaus mit Lehmputz gebaut, weil er auf Umweltschutz Wert legt. Für den Hausbau habe er sogar in Kauf genommen, dass der Sport „eher zu kurz gekommen ist“.

Dafür reist er gerne, aber „nicht so weit weg“. Im Oktober ist er nach Litauen geflogen. „Das war nicht so ökologisch“, räumt er ein. Von der Hauptstadt Vilnius ist er begeistert. Die Altstadt und das Künstlerviertel findet er ebenso faszinierend wie die waldreiche Umgebung mit ihren Holzhäusern und die Sprache, die „so gar keine Ähnlichkeit mit mir bekannten Sprachen hat“.

Bei seinen Reisen ziehe es ihn „eher in den Norden“, und wenn es bloß auf Verwandtenbesuch bis Ostfriesland geht. Wenn die Kinder größer sind, will er auch wieder ein Segelboot mieten. Er hat noch gute Erinnerungen an einen Segelurlaub in Kroatien: „Segeln ist der schönste Urlaub, den es gibt“, stellt er fest, „man weiß nie, wohin der Wind weht, in welchem Hafen man ankommt und in welcher Hafenkneipe man zu Abend isst.“
Alfred Schubert

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