Der Vortrag über gesundheitliche Schäden durch den Tetra-Funk von Dr. Schulze-Strein interessierte viele Böbinger Bürger. Foto: Kindlmann

Potentielle Gefahr durch Tetra-Funk?

Böbing - „Gesundheitliche Gefahren durch den Tetra-Funk“ - darüber referierte jetzt Dr. Irene Schulze-Strein. Es wird befürchtet, dass demnächst in Böbing ein Funkmast errichtet wird.

Wegen des G7-Gipfels im kommenden Jahr im Schloss Elmau sollen Feuerwehren, Polizei und das Rote Kreuz rechtzeitig mit Digitalfunkgeräten ausgerüstet werden. Drei, vier für das Dialogverfahren geeignete Standorte seien von der Gemeinde bereits ausgesucht worden, so Sabine Mühlbauer von der Bürgerinitiative gegen den Tetra-Funk. Ein gemeindeeigener Standort mit Zufahrtsweg und Stromversorgung und damit „ein Standort, der das Dorf am besten bestrahlen kann“. Danach würde das bisherige Analogverfahren abgeschafft und das Digitalverfahren eingeführt.

Dies sagte Mühlbauer bei einer Informationsveranstaltung im Böbinger Gasthof Alte Post, zu der sie auch Irene Schulz-Strein eingeladen hatte. Die Ärztin aus Stephanskirchen zählte auf, welche Gefahren durch die hochfrequenten magnetischen Strahlen des Tetra-Funk drohen. Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Immunschwäche, Schäden an Eizellen, Unfruchtbarkeit und Sperma-Veränderungen. „Dem Tetra-Funk können Sie sich gar nicht entziehen“, warnte Irene Schulze-Strein. In den nächsten Jahren seien eine Vielzahl von pathologischen Veränderungen im Kopfbereich zu befürchten. Hirntumore beispielsweise.

Die Ärztin sprach über Grenzwerte. So seien in Deutschland Grenzwerte bis zu zwei Millionen Mikrowatt pro Quadratmeter Fläche zulässig. Alles, was darunter sei, dürfe gebaut werden. „Zwei Millionen Mikrowatt werden nie erreicht, nicht einmal direkt am Sendemasten.“ Lerndefizite bei Kindern würden bereits bei 20 000 Mikrowatt festgestellt. In Salzburg beispielsweise seien lediglich zehn Mikrowatt zulässig. Daran könne man ermessen, was allein 20 000 Mikrowatt bedeuten. Ja, und wer legt die Grenzwerte fest? Es ist die internationale Kommission für den Schutz vor nicht ionisierender Strahlung. „Das klingt seriös“, meinte die Referentin. Ist es aber nicht. Es ist ein kleiner eingetragener Verein, angebunden an das Bundesamt für den Strahlenschutz. „Die sind mit der Autoindustrie verbandelt“, so ihre Information. Der Europarat habe reagiert und einen Grenzwert auf 100 Mikrowatt pro Quadratmeter empfohlen.

Nur Deutschland habe bisher nicht gehandelt. Das Vorsorgeprinzip beinhalte, dass die Bevölkerung zu schützen ist, bevor Schäden auftreten. „Angesichts der Gefahr irreversibler Schäden soll ein Mangel vollständiger Gewissheit nicht als Entschuldigung dienen“, sagte Irene Schulze- Strein. Ihr Fazit am Ende ihres Vortrages: Aus medizinischer Sicht gibt es klare Hinweise, dass der Tetra-Funk schädlich ist, das Vorsorge- Prinzip außer acht gelassen wird und es versäumt wurde, die Hersteller vorab zu verpflichten, die Unbedenklichkeit ihrer Geräte beweisen zu lassen.

Die Referentin hatte nach ihrem Vortrag noch etliche Fragen zu beantworten. Christine Bair beispielweise wollte wissen, ob es Alternativen gebe. Nein, die seien nicht entwickelt worden, sagte die Ärztin. Ihr Vorwurf: Der Analog-Funk sei vernachlässigt worden. Eine Aufrüstung sei ihrer Meinung nach aber durchaus möglich.

Walter Kindlmann

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