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Prems Fischerei-Vorsitzender Helmut Wörle zeigt am Kaltenbrunner See, wie die vom Biber bereits angefressenen Bäume mit speziellen Drahtgeflechten geschützt und gerettet werden:
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Im Eschenbach wurde rund alle 50 Meter ein Biberdamm errichtet. Magnus Kößel (re.) und Sohn Markus mit Freundin Franzi stehen am Hang, wo beschädigte Bäume abgeholzt werden mussten.
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Dem Biber am Löschweiher in Hachegg sind schon zahlreiche große Bäume zum Opfer gefallen, wie Anwohnerin Gabriele Wörle zeigt.
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Verkehrsverein-Vorsitzender Udo Ernst zeigt ein spezielles Rohr, das in die Dämme eingesetzt wird. So konnte der überflutete Moorlehrpfad trocken gelegt werden.

Rund 50 Tiere aktiv

Gemeinde Prem fest in Biber-Hand

„Der Biber ist eine Bereicherung, aber nicht zur Freude aller. Man muss das akzeptieren.“ Das sagt Walter Heußler, seit 2007 Biberberater im Landkreis Weilheim-Schongau. Mittlerweile gibt es im Landkreis drei Biberberater, die alle ehrenamtlich tätig sind. „Unsere Aufgabe ist es, den Menschen den Biber nahe zu bringen und sie zu unterstützen“, erzählt Heußler von Schadensfällen und drohenden Schäden wie in Prem.

Prem – Die Zahl der Anfragen an die Biberberater sind in den vergangenen Jahren explodiert. „Wenn ich das so sehe, wird das zum Full-Time-Job“, sagt Walter Heußler. 1966 wurde der Biber, der laut Heußler keine natürlichen Feinde hat, in Bayern wieder angesiedelt. Vor rund zehn Jahren wurde der erste Biber in der Gemeinde Prem gesichtet.

Mittlerweile sind dort insgesamt rund 50 Tiere mit mindestens 30 Staudämmen in nahezu allen Gewässern: im Moor, Krummbach, Moorbach, Röthenbach, Mühlbach, Kaltenbrunner See, Eschenbach, Löschweiher Hachegg und am Lech.

Die Lage beim Löschweiher in Hachegg ist derzeit angespannt: Der Weiher war dort im Jahr 1987 Voraussetzung für den Bau eines landwirtschaftlichen Gebäudes. Nun ist der Löschweiher seit Herbst 2017 auch das Zuhause eines Bibers. Rund 20 größere und mittlere Bäume hat der Biber dort inzwischen gefällt. Eine stattliche alte Buche wurde angenagt.

Eigentümerin Gabriele Wörle hofft, dass der Baum nicht abstirbt. Beunruhigend ist für sie allerdings das Loch im Damm des Löschweihers, das der Biber gegraben hat. Setzt er seine Arbeit mit weiteren Gängen im Damm fort, droht ein Bruch und somit die Trockenlegung des dringend benötigten Löschweihers.

Laut Meinung eines Biberberaters sollen die Eigentümer das Gewässer absenken, um dann mit großem Arbeitsaufwand ein Metallgitter einzusetzen. Für schützenswerte, große Bäume empfiehlt Friedrich von der Mülbe, Abteilungsleiter der Bau- und Umweltverwaltung des Landratsamtes Weilheim-Schongau, Anstriche oder Drahtgeflechte. „Ein Biberberater kann gerne weiterhelfen, und in geeigneten Fällen besteht auch die Möglichkeit, Material zum Schutz von Bäumen vom Landratsamt zu erhalten“, weiß von der Mülbe.

Entschädigungen von Seiten des Freistaates Bayern gibt es im Bereich der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft nicht, aber im Privatbereich: Die Entschädigungssumme im Landkreis Weilheim-Schongau lag im Jahr 2017 bei insgesamt 1638 Euro für fünf gemeldete Schadensfälle. Der bayernweite Schadensfond lag laut Heußler 2007 bei 25 000 Euro – aktuell seien es bereits 450 000 Euro. „Das ist viel zu wenig“, kritisiert Heußler. Die Entschädigungen bei Baumschäden hängen beispielsweise vom Alter, der Stärke und der Art des Baumes ab.

Teilweise mit Drahtgeflechten werden die Bäume auf dem Damm des Kaltenbrunner Sees in Prem vor den rund zehn Bibern geschützt, die seit etwa fünf Jahren den 44 Jahre alten See besiedeln. „Bis jetzt haben wir noch keine Probleme, aber wenn die Biber den Damm angraben, dann wird es gefährlich“, weiß Helmut Wörle, Vorsitzender des Fischereivereins „Oberer Lech“ in Prem. Wohnhäuser wären zum Glück nicht betroffen, doch „es ist schad’ um die alten Bäume“.

„Man muss im Einzelfall sehen, was man machen kann. Es war in der Vergangenheit auch schon einmal notwendig, den Biber zum Schutz der Allgemeinheit oder von Einrichtungen mit hohem Wert zum Abschuss zu bringen“, so Friedrich von der Mülbe. Ansprechpartner für den Biberberater vor Ort ist dabei immer die weisungsbefugte Untere Naturschutzbehörde.

60 Kubikmeter Fichtenholz fielen den Bibern zum Opfer

Größere Schäden an seinem Besitz hat Landwirt Magnus Kößel zu beklagen. Rund 60 Kubikmeter Fichtenholz und dieselbe Menge an Brennholz fielen den seit 2011 am Eschenbach angesiedelten Bibern zum Opfer. „Das Landratsamt steht hinter den geschützten Bibern und nicht hinter den Grundstücksbesitzern“, beklagt Kößel. „Das ist alles im Landschaftsschutz drin, da darf man ja kein Ästchen abzwicken, und jetzt sieht es so aus“, bezieht sich Kößel auf seinen 50-jährigen Holzbestand, den er aufgrund von Biberschäden abholzen musste. „Das wär alles nicht so schlimm, wenn man anständig dafür entschädigt werden würde.“

Auch im Premer Moor wurde ein Teil des Lehrpfades durch die Staudämme des Bibers schon überschwemmt und musste zeitweise gesperrt werden. Bürgermeister Werner Sieber informierte sich über den Einbau von Rohren in die Dämme und setzte dies gemeinsam mit dem Verkehrsverein-Vorsitzenden Udo Ernst um. Die durch Biberröhren entstandenen Straßenschäden auf dem Forstweg nach Unterried wurden ebenfalls behoben.

„Es ist nicht alles Schaden, was er macht. Da musst du die Menschen überzeugen, um die Akzeptanz des Bibers nahe zu bringen“, ergreift Heußler für die geschützten Tiere Partei.

Gwendolin Sieber

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