Experte Bernhard Brenner erläutert bei der Infoveranstaltung zum Thema Masten unter anderem die elektromagnetischen Felder.
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Experte Bernhard Brenner erläutert bei der Infoveranstaltung zum Thema Masten unter anderem die elektromagnetischen Felder.

Info-Veranstaltung der Gemeinde

Neuer Mobilfunkmask: Prem will Strahlen-Gutachten

In einer Infoveranstaltung klärte Prems Bürgermeister Andreas Echtler über den geplanten Mobilfunkmasten im Ort auf. Das Interesse war groß – erheblich mehr als die letztlich 50 zugelassenen Besucher (inklusive Gemeinderat) wollten im Gasthof Lechaue dabei sein. Das freute Echtler, „denn wir alle wollen nur das Beste für unser Prem“.

  • Bei einer Info-Veranstaltung in Prem wurde über den geplanten neuen Mobilfunk-Masten informiert
  • Sogar ein zweiter Mast könnte bald nötig sein
  • Die Gemeinde will ein Strahlen-Gutachten erstellen lassen

Prem – Vor rund zwei Jahren hatten die ersten Gespräche mit dem Mobilfunkanbieter stattgefunden, für die Infoveranstaltung hatte die Gemeinde zwei Experten geladen: Frank-Peter Käßler (Kommunalbeauftragter der Telekom für den Mobilfunk in Bayern) und Bernhard Brenner (Bayerisches Landesamt für Gesundheit). Käßler wollte vor allem Informationen weitergeben und über Missverständnisse aufklären. Dabei ging er auch auf die im Vorfeld eingereichten Fragen der Zuhörer ein.

Prem ist noch ein weißer Fleck

„Die hohe Politik hat entschieden, dass Mobilfunk die Infrastruktur der Zukunft sein soll. Mit 5G will die Politik die Digitalisierung in Deutschland vorantreiben und die wird zwanghaft notwendig sein, denn um eine vernünftige Infrastruktur kommen wir nicht herum“, sagte Käßler. In den Frequenzauflagen 2019 fordere die Bundesnetzagentur bis Ende 2022 unter anderem je Betreiber 1000 „5G Basisstationen“ und 500 Basisstationen in „weißen Flecken“. Prem sei so ein Fleck, der besser versorgt werden könnte.

Um die Mobilfunknutzer, die stark zunehmen, bestmöglich zu versorgen, sei auch die topographische Lage wichtig. Der neue Mast werde in Prem auf ein erhöhtes Grundstück gebaut, um den unteren Teil des Dorfes versorgen zu können. Viele Masten träfen in Prem zusammen (Steingaden, Trauchgau, Lechbruck), das sei ungut. Damit das Endgerät nicht mit einer viel höheren Leistung senden müsse, sei ein eindeutiger Standort in der Nähe wichtig. Die 20 Meter des geplanten Mastes in Prem bezeichnete er als „maßvolle Höhe“ – üblich seien 40 Meter hohe Masten.

Hohe Frequenzen in Prem kein Thema

In ländlichen Gebieten wie Prem komme nur 5G mit einer Sendeleistung von 700 (Reichweite: acht Kilometer) bis 2100 Megaherz (Reichweite: ein Kilometer) in Frage. Die höheren Frequenzen von 3600 Megaherz oder 20 Gigaherz werden in ländlichen Gebieten „never ever“ eingesetzt. Der Mast sei auch so ausgerichtet, dass er von einem Zweit- oder Drittanbieter genutzt werden könne, woran die Telekom auch Interesse habe. Jeder weitere Netzbetreiber müsse die Kommune im Vorfeld aber informieren. Dabei gelte: Wenn mehr Anbieter auf einen Mast kommen, steigt die Leistung.

Für die gesamte Premer Bevölkerung möchte Bürgermeister Echtler nun ein Informationsblatt zur Sensibilisierung vom Strahlenschutz. Außerdem möchte die Gemeinde über ein Förderprogramm einen neutralen, lizensierten Gutachter beauftragen, die Strahlenbelastungen vor und nach dem Mastenbau zu messen.

Experte Brenner sagte, dass Mobilfunknetze zu den aufmodulierten, hochfrequenten (HF) elektromagnetischen Feldern gehören. Im Gegensatz dazu stehen die niederfrequenten, elektromagnetischen Felder beispielsweise beim Wechselstromnetz. Die frequenzabhängigen, biologischen Wirkungen elektromagnetischer Felder sind im Bereich der Mobiltelefone durch eine Wärmewirkung belegt. Die Temperaturerhöhung am Ohr sei nicht auf die Felder des Mobilfunks des Endgerätes zurückzuführen, sondern laut einer norwegischen Studie hauptsächlich auf die Abwärme der Geräteelektronik zurückzuführen.

Handy und Krebs: Unterschiedliche Studien

Anhand eines Kreisdiagramms zog er den Vergleich zwischen Endgeräten und Basisstation. Die körpernahen Endgeräte (eigenes Handy, DECT-Mobilteil) bilden den überwiegenden Anteil der Feldexposition. Um Strahlung zu reduzieren, wäre das Telefonieren mit Lautsprecher schon empfehlenswert oder das Benutzen des Flugmodus beim Handy. „Der Zug, der rollt, der rollt immer schneller. Da können wir nicht bremsen. Da müssen wir das Beste draus machen“, so Brenner.

Ein Zusammenhang zwischen Handynutzung und Krebserkrankungen sei laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung (2011) nicht auszuschließen, die Strahlenschutzkommission des Bundes (2011) hingegen bezeichnet deren Beweise als unzureichend. Hohe Feldstärken von Handys und Mobilfunkbasisstationen seien nur ganz nah am jeweiligen Objekt feststellbar.  ass

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