+
Ehrenamtliche Helfer waren unterwegs, die Fläche am Lech zu pflegen.

Vereine Bergwaldprojekt und Lebensraum Lechtal arbeiten für die Artenvielfalt am Lech

Freiwillige Waldpflege im Dauerregen

  • schließen

Um die Artenvielfalt am Lech zu fördern, arbeiten 16 Ehrenamtliche auf einer Fläche nahe der Premer Lechstaustufe. Die Projektwoche wird von den Vereinen Bergwaldprojekt und Lebensraum Lechtal organisiert. Die Teilnehmer sind aus ganz Deutschland angereist.

Prem – Über einen holprigen Kiesweg und durch riesige Pfützen hindurch geht es bei der Premer Lechstaustufe hinunter Richtung Lechbruck. Zwischen den Bäumen taucht schließlich ein kleiner Transporter vom Bergwaldprojekt auf. Dort, auf einer Lichtung am Lech, arbeiten 16 Ehrenamtliche daran, die Fläche ökologisch aufzuwerten und zu pflegen. Allerdings ist auf den ersten Blick nur ein Bruchteil von ihnen zu erkennen. In meist dunkle Regenhosen und -jacken gekleidet, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, schneiden sie Fichten aus dem Schneeheide-Kiefernwald. Es regnet in Strömen, trotzdem sind die Helfer eifrig bei der Sache.

Durch die dicht gewachsenen Fichten dringt zu wenig Licht zu seltenen und ökologisch wertvollen Pflanzen, erklärt Harald Jungbold vom Bergwaldprojekt. Außerdem entziehen die Fichten dem Boden sehr viel Wasser. Deshalb wird die Fläche von den Ehrenamtlichen nun ausgelichtet. Mit Äxten, Sägen und Scheren sind die Helfer im Gelände unterwegs.

Verein Bergwaldprojekt in ganz Deutschland aktiv

Der Verein Bergwaldprojekt ist in ganz Deutschland aktiv, mindestens einmal im Jahr ist er mit Freiwilligen am Lech. So wie heuer im Bereich Prem/Lechbruck. Seit mehreren Jahren kooperiert der Verein mit dem Lebensraum Lechtal, erklärt Projektleiter Harald Jungbold.

„Eigentlich befinden wir uns hier auf einer Kiesbank“, erzählt er. Doch durch die Stauung des Lechs wird kein Kies mehr transportiert. Die ehemalige Kiesbank ist komplett zugewachsen. Zwar hat sich die Lechdynamik verändert, dennoch gebe es hier eine Artenvielfalt, die es zu pflegen gilt, erklärt Jungbold.

„Man lernt bei dem Projekt sehr viel über das Ökosystem Wald“, erzählt Karin Grüsser aus Fürth, die an der Projektwoche teilnimmt. Bereits zum dritten Mal engagiert sie sich in einem Bergwaldprojekt. Kost und Logis sind für die Teilnehmer frei, andere Kosten, zum Beispiel für die Anreise, tragen sie selbst.

Gleich neben Karin Grüsser arbeitet Helene aus Aachen. Für sie ist Naturschutz eine große Sache. Sie engagiert sich hochschulpolitisch dafür. „Es ist auch wichtig, vor Ort in kleinen Projekten etwas zu bewirken“, findet sie. Außerdem gefällt es ihr, sich mit Menschen auszutauschen, wie es in Zukunft weitergehen könnte.

Viele Teilnehmer waren schon öfter dabei

Eine von ihnen ist Kerstin Schöffert aus Frankenthal (Pfalz), die schon zum vierten Mal bei einem Bergwaldprojekt dabei ist. Sie mag es, den Tag in der Natur zu verbringen, erzählt sie, während sie Gebüsch aus dem Wald schneidet. Außerdem lernt sie gerne Menschen mit ähnlichen Interessen kennen und erfährt viel über verschiedene Lebensräume. „Nur das Wetter könnte wirklich besser sein“, findet Schöffert. Aber der strömende Regen hält keinen von der Arbeit ab. „Wir bauen uns gegenseitig auf“, erklärt sie.

„Für viele Teilnehmer ist das Projekt sozusagen eine Woche ’Kopfurlaub’“, erzählt Leiter Harald Jungbold. „Man ist den ganzen Tag in der Natur, der Kopf wird frei. Wenn man Bäume fällt, ist es wichtig, an nichts anderes zu denken, sonst passieren Unfälle.“

Grundstück gehört dem Wasserwirtschaftsamt

Das Grundstück, das die Ehrenamtlichen eine Woche lang pflegen, gehört dem Wasserwirtschaftsamt. „Die Landesbetriebe sind aufgerufen, etwas auf ihren Flächen zu tun. Durch das Volksbegehren hat das ganze noch einmal einen Aufschwung erfahren“, so Jungbold. Ermöglicht wird die Projektwoche durch die Untere Naturschutzbehörde Weilheim, die fachlich federführend ist und die Kosten trägt.

Noch bis Samstag sind die Helfer am Lech unterwegs. Zwischen zwei Transportern, die am Rande der Fläche abgestellt sind, ist eine Plane gespannt. Darunter können sich die Teilnehmer vom Regen geschützt ausruhen. Doch diese Möglichkeit wird kaum in Anspruch genommen. Auch wenn die Handschuhe schon durchgeweicht sind. Es gibt noch viel zu tun. „Aber wir kommen gut voran“, freut sich Jungbold.

Und das könnte Sie auch interessieren:

Es hat kein Ende: Das nächste Drama um die Moosbeck-Alm in Rottenbuch

Endlich: Die Straßenarbeiten an der B17 zwischen Steingaden und Trauchgau sind beendet

Weitere Nachrichten aus der Region finden Sie hier

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ehrenbürgerschaft für Helfer: Langs feiern krönenden Abschluss in Rumänien
Einen emotionalen Abschied bereiteten jüngst die Bürger des rumänischen Dorfs Zagujeni Helga und Rudolf Lang. Zum Dank für die jahrelange Hilfe wurde dem Ehepaar aus …
Ehrenbürgerschaft für Helfer: Langs feiern krönenden Abschluss in Rumänien
„Extrem lauter Knall“: Unbekannte sprengen Zigarettenautomat in Reichling
Ein lauter Knall hat in der Nacht auf vergangenen Sonntag die Reichlinger aufgeschreckt. Unbekannte Täter waren dem Zigarettenautomat in der Flößerstraße mit rabiaten …
„Extrem lauter Knall“: Unbekannte sprengen Zigarettenautomat in Reichling
Der „Komak“-Star von nebenan
Multitasking ist Frauensache, heißt es. Doch auch unter Männern gibt es manchmal wahre „Multitalente“. Das beweist der Peitinger Ehsan Montaseri. Als berufstätiger …
Der „Komak“-Star von nebenan
Kreistag beschließt Nachtragshaushalt - Debatte über teure Vorhaben
Der Beschluss über den Nachtragshaushalt des Landkreises sorgte im Kreistag kurz vor den Kommunalwahlen für eine Debatte über die zahlreichen Vorhaben, die in Zukunft …
Kreistag beschließt Nachtragshaushalt - Debatte über teure Vorhaben

Kommentare