Erfolgs-Autorin Nicola Förg lebt in Prem. Dass eines ihrer Bücher mitten in einen Lockdown hinein veröffentlicht wird: Das erlebt sie jetzt bereits ein zweites Mal.
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Erfolgs-Autorin Nicola Förg lebt in Prem. Dass eines ihrer Bücher mitten in einen Lockdown hinein veröffentlicht wird: Das erlebt sie jetzt bereits ein zweites Mal.

Interview

„Alpenkrimi“-Autorin Nicola Förg: „Menschsein stirbt ohne Kultur!“

  • Barbara Schlotterer-Fuchs
    vonBarbara Schlotterer-Fuchs
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Wie erleben Künstler, wie erfahren Autoren die Corona-Krise? Bestseller-Autorin Nicola Förg aus Prem erzählt im Interview, wie Corona das Leben eines Autors zerrütten kann – bei allem Erfolg.

Frau Förg, wie geht es einer Autorin, die mitten im Lockdown ihr Buch vermarktet, das dann Anfang März – hoffentlich nach einem Lockdown – erscheint?

Mein berufliches Jahr besteht aus einem klaren Zyklus. Ich gebe im Frühsommer das Manuskript ab, es geht dann ins Lektorat. Man modifiziert, bis es eine Abgabefassung gibt. Der Verlag gestaltet im Herbst mit mir zusammen Cover, Klappentexte und Presseinformationen. Ende des Jahres ist eigentlich alles fertig und dann gibt es den Erscheinungstermin Anfang März. Der freut einen natürlich, er ist die Zäsur im Jahr, denn dann kommt eigentlich eine emotional wichtige Zeit.

Die da wäre?

Eine Vielzahl von Lesungen. Diese Zeit ist für die meisten Autoren sehr wichtig, weil man über das Werk redet. Es gibt Feedback von den Lesern, Nähe zu den Fans. Man bekommt auch Anregungen, Kritik und Wünsche der Leser zu hören.

Was wünschen sich die Fans denn?

Gerade jene Leser, die eine Serie lange begleiten, die jedes Buch kennen, interessieren sich auch und vor allem für das Privatleben von den Figuren. Die Leute wünschen sich zum Beispiel, dass Irmi endlich mal Glück in der Liebe hat, fragen sich, ob die explosive Kathi sich mal ernsthaft verbandelt. Sie wünschen sich den Weinzirl mal wieder auf der „kriminellen Bühne“ und den Wunsch erfülle ich im aktuellen Buch ja auch! All diese Gespräche sind menschlich und diesen persönlichen Kontakt kann nichts ersetzen. Ich schreibe ja schon längst wieder an einem anderen Buch. Und es fühlt sich ohne Lesungen so an, als ginge „Böse Häuser“ quasi unter, als verpuffe es.

Amazon verweigert Auslieferung: ein trauriger Höhepunkt

Sie erleben diese Situation jetzt ein zweites Mal – auch Ihr letzter Kriminal-Roman „Flüsternde Wälder“ erschien im Lockdown.

Beim ersten Mal war ich schon extrem frustriert. Auch wenn sich das Buch in der Folge gut verkauft hatte, war die ganze Branche in Schocklähmung. Die Buchhandlungen waren geschlossen und ein trauriger Höhepunkt war für alle Verlage und Autoren, als Amazon dann auch noch im ersten Lockdown verweigert hat, Bücher auszuliefern, weil es „Kriegswichtigeres“ gab. In Wirklichkeit eine Form von Machtmissbrauch, um Druck auf die Buchpreisbindung auszuüben.

Ein Jahr ist nun um…

Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Die Leute haben wegen des Lockdowns tatsächlich mehr gelesen. Und auch wieder mehr zu einem gedruckten Buch gegriffen. Wegen der Haptik, weil Bücher auch trösten und ablenken können. Das ist schön, aber es ist schon zermürbend, dass nun zum zweiten Mal ein Buch in einen Lockdown geboren wird. So eine Situation ist extrem frustrierend für alle Menschen, die künstlerisch und kreativ arbeiten.

Jetzt sind Sie aber als Autorin ja quasi eine Künstlerin, die nicht von Bühnenauftritten lebt.

Ein Stück weit schon, Lesungen generieren auch Gagen, die natürlich fehlen. Und jenseits von rein greifbar Materiellem schmerzt der Verlust von Menschlichkeit. Statt rund 25 Lesungen hatte ich vier, brüllte gegen eine Plexiglas-Ummauerung an. Nach der Lesung haben sich die Fans maximal noch ein schnelles Autogramm abgeholt, es war hinter den Masken kaum zu verstehen, für wen das Buch signiert werden soll. Eigentlich treffen sich nach einer Lesung alle zum Plaudern, trinken noch ein Glas Wein, genießen das Zusammensein. Menschsein stirbt ohne Kultur!

Das klingt drastisch…

Ja! Kultur ist systemrelevant, weil sie Herz und Hirn anspricht. Weil sie unterhält, aufrüttelt, Diskussionen belebt. Und noch viel mehr als das! Viele von uns werden mit einem psychischen Schaden aus all den Lockdowns rausgehen.

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