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In Prem heißt es wieder: „Stopsel raus!“

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Heute: In Prem lässt man wieder eine alte Tradition aufleben – den Stopselclub. Zum Schiedsgericht gehören (v.l.): Matthias Sieber, Andreas Echtler, Stefan Sieber und Franz Sieber (es fehlt: Andreas Lory) © ass

Kleine Holzscheiben, sogenannte Stopsel, tragen ab Heiligabend wieder viele Premer mit sich herum. Besser ist das, denn wer ohne erwischt wird, muss blechen. Von einer Tradition, die ihre Anfänge im Jahr 1959 nahm und auch heute noch auf viele begeisterte Teilnehmer stößt.

Prem – „Du sesch nimma „Griaß di“ in deane vier Wucha, du sesch bloß no „Stopsel raus““, sagt Schiedsgerichtsmitglied Matthias Sieber zur anstehenden Stopselzeit in Prem. Denn vom 24. Dezember ab 12 Uhr bis zum Sonntag, 26. Januar um 20 Uhr lassen die Premer die alte Tradition des Stopselclubs wieder aufleben.

Jeder Teilnehmer bekommt eine kleine Holzscheibe – den Stopsel. Und muss diesen zu jeder Zeit mit sich tragen und auf das Kommando „Stopsel raus“ vorzeigen. Sonst muss gezahlt werden. Im Jahr 1959, als die Tradition ihre Anfänge nahm, waren das pro Verstoß 30 Pfennig. Vermutlich als Stammtischidee entstand damals der „Stopselclub“. Die Aufnahmegebühr betrug zwei Mark. Im Gründungsprotokoll der 14 Ausschussmitglieder heißt es: „Das Vermögen des Stopselclubs Prem wird zur Abhaltung eines Faschingsballes oder sonstiger Faschingsveranstaltungen verwendet. Der Club löst sich nach dieser Veranstaltung im Fasching 1960 auf.“

Damals wie heute gelten strenge Regeln

Damit auch Geld zusammenkommt, galten damals wie heute strenge Regeln. Der Stopsel muss in der Hosentasche sein. In der Geldbörse oder umgehängt gilt nicht – außer bei Frauen, die dürfen die hölzerne Mitgliedskarte auch in der Geldbörse und im Handtäschchen mitnehmen.

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Damals: Das Schiedsgericht von 1993/94 führt die Inthronisation der Stopselkönige Manfred Ungelert jun. und der Stopselkönigin Monika Schneider durch. © ass

Trug jemand im Anfangsjahr einen gefälschten Stopsel oder sogar mehrere nummerierte Holzscheiben mit sich, war eine Strafe von fünf Mark fällig. „Früher war es eher ernster, vielleicht sogar a bissle fies, do hot ma oan festghalte, dass ma de Stopsel, der in dr Nähe war, it hole hot kenne. Manche hand dia Stopsel o von am Bese- oder Gabelstiel ragschnitte und gfälscht“, weiß Matthias Sieber aus Erzählungen.

Stopselclub ist nicht an einen Verein gebunden

Ungefähr alle sieben Jahre wurde die Tradition mit jeweils 100 bis 200 Mitgliedern seit 1959 fortgeführt. Vom Jahr 2000 bis 2013 gab es eine längere Pause. „Kennt ihr das überhaupt noch“, fragte man dann die fünf Mitglieder des heutigen Schiedsgerichts, und so wurde der Stopselclub, der nicht an einen Verein gebunden ist, von ihnen wieder eingeführt.

In die Holzrohlinge werden von den fünf Premern auf der einen Seite das Clubzeichen gebrannt und auf der anderen Seite die Schlagzahl eingedrückt. „Letztes Mol ham mr Eiche ghet, dia sind alla broche“, so Stefan Sieber. Deshalb wurde dieses Jahr Fichte verwendet.

Auch die Mitglieder des Schiedsgerichts selbst gehören natürlich zu den Teilnehmern im Alter von 15 bis knapp 70 Jahren. Selber zittern mussten die Fünf aber noch nie. „Das wär schon der Supergau“, so Andreas Echtler.

Holzscheiben kosten 5 Euro

Fünf Euro kosten die Holzscheiben, die bei den fünf Mitgliedern erworben werden können. Das eingenommene Geld spendet der Stopselclub an einen wohltätigen Zweck. In diesem Jahr soll es die Kinderkrebsstation in Kaufbeuren werden.

Heute beträgt die Strafe einen Euro (Höchststrafe pro Tag sind fünf Euro). Gefälscht wird immer noch. „Vor siebe Johr hot jemand, de Stopsel vom letzte Mol no in dr Stallhose ghet“, so Matthias Sieber. „Bled isch, wenn´d zum Kegle gosch, gmeldet weasch, und wenn´d noch Zwölfe huamgosch, weasch halt nomml gmeldet“, erzählt Franz Sieber von bis zu zehn Meldungen an einer Veranstaltung.

Ertappte Mitglieder werden beim Schiedsgericht gemeldet

Ertappte Mitglieder werden beim Schiedsgericht gemeldet. Beim letzten Mal reichten 26 Meldungen bei den Herren und 15 bei den Damen zum Titel „Stopselkönig“ beziehungsweise „Stopselkönigin“. Diese Majestäten laufen im Jahr ihrer Inthronisation beim traditionellen Faschingszug mit.

„Es isch wia frianer: an Huagarte im Dorf, s´Gemeinschaftsgefühl, a Mordsgaudi, s´ Wir-Gefühl, Prem bleibt Prem, Jung und Alt kommed zeme und es isch kua vereinsinterne Sache“, begründen die jungen Premer ihr Festhalten an der Tradition. Krönender Abschluss der knapp fünf Wochen ist die Siegerehrung im Gasthaus Lechaue. Dann, am 1. Februar, müssen die jetzigen Majestäten Marion Heißerer und Benjamin Bair ihr Zepter in Form einer Klobürste an die nächsten Vergesslichsten abgeben. Oder schaffen sie es selbst wieder?

GWENDOLIN SIEBER

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