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Zu Beginn der Versammlung trugen sich die Gründungsmitglieder in die Liste ein. 

Projekt in Denklingen 

Dorfladen bräuchte 180 Kunden am Tag

Denklingen - Bei der Gründungsversammlung des Denklinger Dorfladens zeigten sich viele begeisterte Gesichter. Damit sich das Projekt rechnet, müssten 180 Kunden am Tag zwischen sieben und acht Euro ausgeben. Ist das realistisch?

„Ich bin ganz begeistert. Da ist richtig was los bei euch!“ So drückte Wolfgang Gröll am Montagabend bei der Gründungsversammlung für den Dorfladen Denklingen seine Begeisterung aus. Gröll kommt vom Büro „newWAY“ aus dem Landkreis Starnberg und hat als Berater schon mehrere Dorfläden begleitet und etabliert. Gut 120 Interessierte waren in die Denklinger Mehrzweckhalle gekommen. Inzwischen haben 83 Gesellschafter Anteile für 25 000 Euro gezeichnet.

Die Beteiligung ist schon ab 100 Euro möglich. Dabei wurde auch ein Gesellschafterrat gewählt. Er ist das Aufsichtsgremium. Ihm gehören Robert Merkle, Regina Wölfl, Max Ebner – sind auch Gemeinderäte – sowie Katja Egner und Alexander Gropp an. Merkle und Gröll erklärten, dass anfangs Investitionen in Höhe von 105 000 Euro vorgesehen sind. Es wäre gut, wenn über Anteile ungefähr 50 000 Euro an Eigenkapital eingebracht werden könnten. Die Hälfte davon haben die Initiatoren schon beieinander. Genau 25 250 Euro waren Stand Montagabend.

Denklingens Bürgermeister Michael Kießling sagte, man müsse weiter Werbung machen. „Wir müssen uns auf die Hinterfüße stellen.“ Er sei aber zuversichtlich. Schon in den vergangenen zwei Jahren habe ein so genannter Lenkungsausschuss der Initiative mit ihrem Sprecher Robert Merkle Ausdauer bewiesen und so manche „Frustmomente verkraftet“. Nun sei neuer Schwung reingekommen, nachdem für das Projekt die Räumlichkeiten der früheren Metzgerei Baumann an der unteren Hauptstraße angemietet werden können. Die Gemeinde selbst könne sich nicht beteiligen, ergänzte der Rathauschef. Da würde man „in die Beihilfeproblematik“ reinkommen.

Sie bilden den Gesellschafterrat des Denklinger Dorfladens.

Wie so ein Dorfladen betrieben werden könne, schilderte Anita Gropp in einem Frage-Antwort-Dialog mit Siglinde Kirchbichler. Die Vorstellung ist, dass täglich bis zu 180 Kunden kommen und im Schnitt sieben bis acht Euro ausgeben, damit ein Jahresumsatz von 400 000 Euro erreicht werden könne.

Der Dorfladen soll an sechs Tagen geöffnet sein. Genaue Öffnungszeiten seien aber mit einem Filialleiter abzustimmen. „Den müssen wir noch finden“, so Gropp. Auch benötige man Fachverkäuferinnen. Zu einem breiten Sortiment mit Artikeln für den täglichen Bedarf tragen mehrere Lieferanten mit Lebensmitteln bei. Dazu gehören ein Metzger aus Altenstadt und zwei Bäcker aus Denklingen und Epfach. Man wolle auch versuchen, einen Käsehändler aus Kinsau zu gewinnen. Die Vorstellung sei auch, „eine hübsche Cafe-Ecke“ einzurichten.

Viel Fahrerei zum Einkaufen nach Leeder, Hohenfurch, Schongau oder Landsberg würde sich durch so ein Angebot erübrigen. Wolfgang Gröll vom Büro „newWAY“ bezeichnete es als „bundesweit einmalig“, dass mit den Betrieben Wink (Denklingen) und Guggenmos (Epfach) gleich zwei Bäckereien miteinander zum Dorfladen-Projekt beisteuern wollen.

Gröll stellte alle Einzelheiten vor, die bei der Rechtsform Unternehmergesellschaft zu beachten sind. Wer Gesellschafter werde, müsse zunähst sieben Jahre dabei bleiben. Jeder habe bei den jährlichen Versammlungen eine Stimme – egal, wie viele Anteile er gezeichnet habe. Und: Jeder könne in die Dorfladen-Gesellschaft eintreten, wann er wolle – auch nach der Gründung.

Nach der großen Resonanz auf den Dorfladen-Tag Mitte September war die Gründungsversammlung der zweite wichtige Schritt auf dem Weg zur Realisierung des Projektes, das nächstes Jahr Wirklichkeit werden soll.

Im Saal gab es an diesem Abend auch die eine oder andere nachdenkliche Bemerkung. Von den gut 120 Leuten in der Halle hätte die Hälfte nur selten oder nie beim Edeka Augustin eingekauft, sagte eine Frau aus Denklingen. Und ein anderer Besucher meinte: Hätten die 120 Leute alle regelmäßig beim Augustin eingekauft, wäre dieser kleine Edeka-Markt vor zwei Jahren nicht geschlossen worden.

Johannes Jais

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