Baustelle nur am Gebäude, nicht in der Bank: Die Raiffeisenbank Pfaffenwinkel-Vorstände Stephan Rupprecht (l.) und Mario Lindauer vor dem Peitinger Hauptsitz. foto: bo

Raiffeisenbank Pfaffenwinkel mit Rekord-Bilanz

Peiting - Die Raiffeisenbank Pfaffenwinkel mit Hauptsitz in Peiting eilt von Rekord zu Rekord: Ob Bilanzsumme, Kundeneinlagen, Mitglieder oder Kredite, überall gab es Höchstwerte. „Wir sind stolz auf die Bilanz“, sagt das Vorstandsteam mit Mario Lindauer und Stephan Rupprecht. Doch die Zukunft ist unkalkulierbar.

Noch im Jahr 2010 betrug die Bilanzsumme der Raiffeisenbank Pfaffenwinkel 495 Millionen Euro. Vergangenes Jahr waren es schon 627 Millionen - eine Steigerung von satten 27 Prozent, wie Vorstand Mario Lindauer mit schnellem Tippen auf dem Smartphone-Taschenrechner ermittelt. Zufriedenes Nicken bei ihm und seinem Kollegen Stephan Rupprecht. „Es ist nicht selbstverständlich, dass das ständig nach oben geht“, betont Lindauer. Wenn es so weitergeht, könnte die Raiffeisenbank in zwei Jahren sagen, man habe die Bilanzsumme innerhalb von zehn Jahren verdoppelt - und das ohne Fusion, wie sie gerade im Landsberger Raum wieder passiert. „Größe ist nicht alles“, sagt das Vorstands-Duo auf dieses Thema angesprochen. Aber eine gewisse Größe hilft natürlich, und da liegen die Peitinger über dem bayernweiten Durchschnitt der VR-Banken, der bei 505 Millionen Euro Bilanzsumme liegt.

Dieser interne Vergleich ist den Verantwortlichen wichtig. Stolz sind sie außerdem auf die schlanken Kosten. Denn das Geschäft wird mit 120 Mitarbeitern (und 15 Auszubildenden) erledigt, der Personalstamm war schon vor fünf Jahren so. „Damit liegen wir auch unter den besten zehn Prozent in Bayern“, so Lindauer.

Auch die Kunden-Einlagen sind geradezu sprunghaft von 430 auf 451 Millionen Euro angestiegen - trotz niedriger Zinsen. „Die Liquidität ist da bei den Bürgern“, so Rupprecht, irgendwo müssen sie ja hin mit dem Geld. Denn nicht jeder kann die niedrigen Zinsen zum Bauen nutzen, es gebe in der Region auch nicht so viele Bauträger-Möglichkeiten. „Es werden nicht so viele Wohngebiete ausgewiesen“, sagt Lindauer. Und ein kleines bisschen habe man sicher auch vom Aus der HypoVereinsbank-Filiale in Schongau profitiert.

Das Kreditgeschäft stieg bei der Raiffeisenbank Pfaffenwinkel auch, aber nur vergleichsweise leicht von 310 auf 316 Millionen Euro. Das liege daran, dass die Kreditnehmer vor allem bestehende, noch teurere Kredite verstärkt tilgen, weil so das Geld am Vernünftigsten verwendet werden kann. Oder das Beispiel Photovoltaik: Da wurde noch vor einigen Jahren groß investiert, schnell getilgt, und weil die Förderung zurückgefahren wurde und sich nicht mehr lohnt, ist dieser Bereich komplett eingeschlafen. Im Gegenzug wird die Zinsspanne für die Raiffeisenbank schmäler, auch ihre neuen Anlagen bringen weniger ein. Und die Zins-Prognosen sind nicht gut, die Situation dürfte sich so schnell nicht ändern - auch Fachleute etwa bei der Bundesbank seien etwas ratlos, habe man kürzlich bei einem Termin festgestellt, so Rupprecht.

So ist auch der recht deutlich geschrumpfte Gewinn zu erklären, der von 1,8 auf 1,37 Millionen Euro zurückging. Doch für die Raiffeisenbank ist wichtiger, für die Zukunft gerüstet zu sein. Der Gewinn geht nämlich zum großen Teil in die Rücklagen, was wichtig sei für die Kreditvergabe an größere Kunden. „Wir sind für die verschärften Kapitalquoten gewappnet“, sagt Rupprecht. Mit einer Kernkapitalquote von 16,12 Prozent stehe man ebenfalls unter den Top Ten der Bayerischen VR-Banken, die Gesamtkapitalquote von 17,8 Prozent übertrifft bereits jetzt die europäischen Vorgaben, die ab 2019 gelten.

Knapp 350 000 Euro gewinn gehen an die mehr als 12 000 Mitglieder der Genossenschaftsbank, was einer Dividende von 4,5 Prozent entspricht. Das weckt bei den derzeitigen Mini-Zinsen durchaus Bedürfnisse. „Es gab Anfragen, ob man nicht die Anteile in großem Stil erhöhen könne“, erzählt Lindauer schmunzelnd. Geht natürlich nicht, in der Satzung sind 500 Euro Höchstbeteiligung festgelegt. Auch neue Mitglieder nehme man nur auf, wenn sie auch Geschäftsbeziehungen unterhalten, also beispielsweise ein Konto eröffnen. Dennoch ist die Mitgliederzahl erstmal über 12 000 gestiegen - „bei rund 41 000 Einwohner im Geschäftsgebiet ist fast jeder Dritte Teilhaber der Raiffeisenbank Pfaffenwinkel“, sagt Lindauer stolz.

Die Filial-Schließungen vergangenes Jahr in Schwabbruck und Schwabniederhofen habe keine nachhaltigen Probleme gebracht, sagt Lindauer. „Mit einer Handvoll Betroffenen haben wir persönlich gesprochen, wir sind überall auf Verständnis gestoßen.“ Die Raiffeisenbank hat jetzt noch 14 Filialen in zwölf Orten.

bo

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