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Das Bild könnte es nach einer Reaktivierung öfter geben: Die Bayerische Regiobahn (hier bei einer Sonderfahrt) auf der Strecke der Fuchstalbahn.

Reaktivierung der Fuchstalbahn

Bus? Bahn? Oder am besten beides?

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Der Personenverkehr auf der Bahnstrecke Schongau-Landsberg soll endlich wieder aufleben, fordert der Arbeitskreis Fuchstalbahn gebetsmühlenartig. Sprecher Harald Baumann liefert sich dazu seit Monaten einen leidenschaftlichen Schlagabtausch mit dem bayerischen Verkehrsministerium, das auf eine Busverbindung setzt. Am morgigen Freitag ist die Fuchstalbahn erneut Thema im Kreistag.

Schongau – Liebesbriefe sind es nicht gerade, die sich die Beteiligten aus München und Schongau in schöner Regelmäßigkeit zukommen lassen. Zuletzt war es wieder Harald Baumann, der für den Arbeitskreis Fuchstalbahn der Umweltinitiative Pfaffenwinkel in die Tasten griff und auf drei Seiten ausbreitete, warum über die Schienen zwischen Schongau und Landsberg endlich auch wieder mit Menschen besetzte Waggons rollen sollten. Die andere Seite hat aber auch reichlich Argumente, die dagegen sprechen.

Baumanns jüngstem Brief geht ein Schreiben des Bayerischen Verkehrsministeriums voraus, in dem Ministerialdirigent Hans-Peter Böhner Stellung zu der Postkartenaktion des Arbeitskreises im vergangenen Jahr bezieht. Die Bürger waren bei der Aktion aufgerufen, möglichst viele Karten mit den Reaktivierungs-Forderungen für die Fuchstalbahn an Bundes-, Landes- und Lokalpolitiker zu schicken.

Sie kämpfen für die Fuchstalbahn (v.l.): Arbeitskreissprecher Harald Baumann und seine Mitstreiter Irmgard Schreiber-Buhl und Hans Schütz. Auch der CSU-Landtagsabgeordnete Harald Kühn (r.) ist gegen die strikte 1000-Fahrgäste-Regel.

Der Ministerialdirigent betont in seiner Antwort auf die Aktion, dass seit Beginn der bundesweiten Bahnreform (1994) in Bayern schon vier Strecken reaktiviert und 60 ehemals stillgelegte Bahnhaltepunkte wiedereröffnet worden seien. Mit Blick auf die Fuchstalbahn macht er aber klar: „Der Freistaat setzt sich für die Schiene nicht willkürlich ein.“ Einmal mehr verweist Böhner auf die wie in Stein gemeißelte Bedingung Bayerns, dass 1000 Personen pro Tag und Kilometer werktags auf einer stillgelegten Bahnstrecke zu erwarten sein müssen, damit sie überhaupt ein Reaktivierungskandidat werden kann.

Wie berichtet, hatte der Bayerische Landtag erst im November vergangenen Jahres beschlossen, an diesem Kriterium nicht rütteln zu wollen. Und das Verkehrsministerium begrüßt das ausdrücklich: Die Größe 1000 sei nicht willkürlich herausgegriffen, „sondern wird zum Beispiel auch vom Bund bei jeder Schieneninvestition angewendet“, erläutert der Ministerialdirigent und macht für die Staatsregierung deutlich, „dass der Bus in vielen Fällen das sinnvollere Verkehrsmittel darstellt“.

Die Postkartenaktion für die Fuchstalbahn hatte der Arbeitskreis im vergangenen Jahr gestartet. Die Unterzeichner waren aufgerufen, die Karten an möglichst viele Bundes-, Landes- und Lokalpolitiker zu schicken. Das Ministerium nahm nun dazu Stellung.

Einen Linienbus auf der B 17 würden auch einige Lokalpolitiker der Gemeinden zwischen Schongau und Landsberg bevorzugen statt den Personenzug auf der parallel verlaufenden Fuchstalbahn. Wie berichtet, verweisen Denklings Rathauschef Andreas Braunegger und sein Hohenfurcher Kollege Guntram Vogelsgesang zudem auf mittlerweile fehlende Infrastruktur für die Bahn: Nach dem Aus des Personenverkehrs wurden Bahnsteige zurückgebaut, der Denklinger Bahnhof verkauft. Aus dem Fuchstal kommen derweil kritische Fragen, was mit den unbeschrankten Bahnübergängen geschehen soll, wenn die Personenzüge deutlich schneller und öfter daherkommen als derzeit der Güterverkehr auf der Schiene. Und in Landsberg fürchtet man sich vor einem Verkehrschaos, sollten die Bahnschranken über der stark befahrenen Katharinen-Straße öfter senken. Mit einer Expressbus-Linie zwischen den beiden Lechstädten bliebe das alles erspart.

Ministerium: Expressbus-Linie ökologischer und ökonomischer als ein Zug

Und die wäre nach Meinung von Ministerialrat Böhner auch ökologischer und ökonomischer als ein Personenzug. Er untermauert das mit einer Beispielrechnung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Danach verbraucht ein Dieselbus des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) zirka 25 Liter je 100 Kilometer. Dieseltriebwagen benötigen laut VDV dagegen 100 Liter je 100 Kilometer, „also drei- bis viermal so viel wie ein Bus“, rechnet der Ministerialdirigent vor. Bei Unterschreiten des geltenden Kriteriums (1000 Fahrgäste) sei ein Bus deshalb ökologischer und ökonomischer. Das würde nach Meinung des Verkehrsministeriums auch für modernste Dieseltriebzüge gelten. Sie seien nicht unbedingt verbrauchsärmer, weil sie mit Klimaanlagen ausgerüstet und deutlich spurtstärker seien als die bisherigen Dieselloks, argumentiert der Vertreter des Ministeriums.

Ausbau der B17 kostet auch viel Geld

Harald Baumann hält dagegen: „Durch Ihre Wirtschaftlichkeitsberechnung ist kein Beweis für einen nicht ren-
tablen Schienenverkehr erbracht, da Ihrerseits ein Vergleich der Bau-, Investitions- und Unterhaltskosten zur B 17 fehlt“, erklärt der Arbeitskreis-Sprecher und beruft sich auf Angaben des Staatlichen Bauamts in Weilheim. Demnach hat allein der dreistreifige Ausbau der B 17 zwischen Hohenfurch und Unterdießen 18 Millionen Euro gekostet.

Baumann verweist in seinem Brief auch auf die Beschlüsse der Kreistage in Weilheim und Landsberg, die als Aufgabenträger des ÖPNV mit ihrem Ja zur Fuchstalbahn bekanntlich die Grundvoraussetzung zur Reaktivierung geschaffen haben. In einem Zwischenschritt werde derzeit auf Bitten der Bürgermeister der Anrainergemeinden durch einen Verkehrsingenieur an einem „Eckpunktepapier“ gearbeitet, das im Frühjahr 2020 vorgelegt werde, so Baumann. Und: „Die Wiedereinsetzung der Fuchstalbahn für den Personenverkehr ist auch deswegen vorzüglich geeignet, da der Gleiskörper für den überwiegenden Teil der Strecke zwischen 2010 und 2014 erneuert wurde.“

Dabei hatte die Deutsche Bahn aber wohl nicht eine mögliche Wiederaufnahme des Personenverkehrs im Blick, sondern den Gütertransport, den sie mittlerweile von der Augsburger Localbahn übernommen hat (wir berichteten).

Region hat eine besondere Stellung

Wie auch immer: Der Arbeitskreis fordert eine Flexibilisierung des Reaktivierungskriteriums „entsprechend der jeweiligen regionalen Situation“. Mit Blick auf das Fahrgastpotenzial nennt Baumann unter anderem Freizeit-, Veranstaltungs- und Tourismusverkehre und betont dabei die Bedeutung der Region zwischen Schongau und Landsberg: Der Altlandkreis Schongau und die von einer möglichen Reaktivierung der Fuchstalbahn betroffenen Teile des Landkreises Landsberg lägen im Einflussbereich der Metropolregion Augsburg und München. Die Bevölkerung wachse seit Jahren kontinuierlich. „Ein Schienenverkehr bietet Ansätze für eine weitere Siedlungsentwicklung der Region und trägt zu einer Entlastung der Metropolen vom auf sie einwirkenden Siedlungsdruck bei“, so der Arbeitskreissprecher. Die B 17 würde obendrein durch den Personenverkehr auf der Fuchstalbahn entlastet.

Arbeitskreis würde abgestimmtes Buskonzept begrüßen

Ein bestehendes Reaktivierungskriterium des Freistaats begrüßt die Umweltinitiative aber: ein auf den Bahnverkehr abgestimmtes Buskonzept. „Busse sind in ihrer Funktion Zubringer zu den Haltepunkten der Bahn und erschließen in der Fläche auch entfernter liegende Siedlungen“, erklärt Baumann. Als eine Alternative zur Bahn hält der Arbeitskreissprecher die Busse für ungeeignet. Ihnen fehle die Nachhaltigkeit eine Schienenpersonennahverkehrs. Autofahrer steigen nach Meinung Baumanns lieber auf den Zug als auf den Bus um. „Sicherheit, behindertengerechtes Fahren, Mehrzweckabteile für Fahrräder, Kinderwagen und Rollstuhlmitnahme und Fahrkomfort “, nennt der als die größten Vorteile. „Der Betrieb mit modernen Schienenfahrzeugen ist im Vergleich zum Bus unschlagbar.“

Lesen Sie auch:

Unterstützer atmen auf: Die Stilllegung der Fuchstalbahn ist vom Tisch.

Mehr Aktuelles aus der Region lesen Sie hier.

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