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Mit der Schultüte zur Demo – statt zur (geschlossenen) Schule: die Demonstranten vor dem Ministerium.

Aus für Sudbury-Schule

Regierung verbietet Sudbury-Schule: Protest vor Ministerium

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München - Aus, vorbei – die Regierung von Oberbayern hat eine basisdemokratische Landschule zwangsgeschlossen. Die Betroffenen sind entsetzt – und zogen vor das Kultusministerium.

Sara, 14, ergreift das Wort. Sie steigt auf das kleine Podium vor dem Kultusministerium am Salvatorplatz in München, greift zum Megafon und sagt: „Ich bin einfach nur enttäuscht.“ Denn das gehe doch nicht: dass eine Regierung ihre Schule einfach verbiete. Die Schule, die sie, das sagt die Schülerin gleich mehrmals, doch so sehr „liebt“. Ihre Mitschüler klatschen, halten Transparente hoch. Auf denen stehen Slogans wie: „Wir wollen unsere Schule nicht verlieren“. Oder „Bei uns wird nicht eingetrichtert“.

Zwei Jahre lang hatte die Sudbury-Schule in Reichling-Ludenhausen, einem Dorf westlich des Ammersees, neue Unterrichtsformen erprobt. Urdemokratisch. In Komitees wird abgestimmt, was die Schüler lernen, Noten gibt es nicht. Das Konzept kommt aus den USA. Was chaotisch klingt, flößt dem Verband Bayerischer Privatschulen Respekt ein. Dessen Präsident Bernd Dietrich steht am Rand der Demonstration und sagt: „Mir tun die Schüler leid.“ Die Schule habe schwierige Schüler aufgenommen, Schulverweigerer, Kinder mit dem Asperger Syndrom. Letztlich sei das Inklusion. So einem Modell könne man nicht das klassische bayerische Schulsystem mit Prüfungen und Noten überstülpen.

Kann man doch – dieser Meinung war jedenfalls die Regierung von Oberbayern. Die Schule sei „aufgrund eines experimentellen pädagogischen Konzepts“ als „private Ersatzschule“ nur für zwei Jahre genehmigt gewesen, erklärte die Behörde gegenüber unserer Zeitung. Bedingung für die Genehmigung war, dass die Schule „die Lehrziele einer öffentlichen Grund- und Mittelschule einhält“. Das habe Sudbury nicht nachgewiesen – weder durch Proben noch durch Unterrichtsnachweise der Lehrkräfte. Als die Regierung dann im Juni eine schriftliche Leistungsüberprüfung für zehn Viert- und Neuntklässler ansetzte, weigerte sich die Schulversammlung schlicht, daran teilzunehmen. So läuft das in der Basisdemokratie – aber nicht mit der Regierung: Diese ließ die Betriebsgenehmigung auslaufen und untersagte am Montag per Bescheid definitiv die Wiederaufnahme des Schulbetriebs. Ein Zwangsgeld von 10 000 Euro sei ihnen angedroht worden, sagt Monika Wernz, eine der Lehrerinnen. „Wir sind am Boden zerstört.“

Bürgermeisterin findet Schließung "furchtbar schade" 

Die Bürgermeisterin von Reichling, Margit Horner-Spindler, wurde nicht unterrichtet, was sie doch etwas ärgert. „Die Gemeinde Reichling ist nicht Beteiligte in diesem Verwaltungsverfahren“, erklärt die Regierung dazu. Sie werde nun das Gespräch mit der Behörde suchen, sagte Horner-Spindler unserer Zeitung. Die Schließung sei „furchtbar schade“, da die Schule „mit ganz viel Herzblut“ betrieben wurde.

Mitten unter den 150 Demonstranten steht auch ein Vater. Er hat seinen Sohn an der Hand und die Schultüte unter den Arm geklemmt. Eigentlich wäre am heutigen Dienstag die Einschulung bei Sudbury gewesen. Die Familie wohnt in München, wollte extra wegen der Schule raus aufs Land ziehen. Und nun das: Die Einschulung ist geplatzt, die Schule geschlossen. Erst am Montag hat die Familie davon erfahren. „Wir sind völlig vor den Kopf gestoßen.“ Was nun wird? „Wir wissen es nicht.“ Ein Vater aus Türkenfeld nimmt das Megafon. Er hat zwei Mädchen an der Schule. Er muss sie nun woanders anmelden. Wo? Er schüttelt den Kopf. Keine Ahnung.

Die Regierung sieht jedoch kein Problem. Die Schule habe 45 Schüler, die weit verstreut wohnen. Sie könnten leicht an anderen Schulen unterkommen.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Isabell Zacharias steht am Rand der Demo. „Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, sagt sie. „Das ist doch eine großartige Schule – ich würde mir wünschen, dass es eine in München gibt“. Dann würde sie ihren Sohn dort anmelden, fügt sie hinzu.

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