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Einige der fleißigen Schildbauer und -maler: Von links von links Serena Kaiser, Magdalena Kerler, Florian Schelle, Andreas Stork, Magnus Stork und Manuela Brosselt-Guggemos.

Echte Handarbeit

Neue Taferl für den Ludenhauser Maibaum

Der Ludenhausener Jugendclub-Raum im ersten Stock der alten Schule ähnelt zurzeit einem Atelier. Farbtöpfe und Pinselbecher stehen umher, und bereits sechs Mal sind die jungen Leute zusammengekommen, um 22 neue Schilder nach originalem Vorbild für den Maibaum in Ludenhausen zu fertigen.

Ludenhausen – „15 bis 25 Burschen und Mädel sind es immer, die hier oft zusammenkommen“, erzählen Florian Schelle und Magnus Stork, die seit zwei Jahren die Vorsitzenden des Jugendclubs sind. Der Verein hat 150 Mitglieder. Unterstützt werden die jungen Leute bei ihrem großen Event, dem Maibaumaufstellen, von einer tatkräftigen Dorfgemeinschaft.

Und das auch derzeit bei der Erstellung der neuen Zunfttaferln: Dafür dürfen sie die Schreinerei von Thomas Weinberger zum Zuschneiden der Schilder-Rückwände und dem Lackieren nutzen.

Zwei Zunftschilder mit Schriftzug werden derzeit noch vom Benedikt Happach zuhause bemalt. Als „kreativer Kopf“ unterstützte er auch im Vorfeld die jungen Ludenhausener. Von früheren Zunftschildern ist den jungen Leuten nämlich nichts bekannt. Aber seit 1985, diese Jahreszahl ist auf einer Rückwand verzeichnet, schraubte man jährlich die bisherigen Schilder an den Baum.

Im Laufe der Zeit platzte der Lack aber ab, die Rückwände faulten, und so wirklich plan waren die Schilder auch nicht mehr. Jetzt hat der Jugendclub neue Bleche lasern lassen – im gleichen Format wie die bisherigen. Der Materialpreis wird auf 1800 Euro kommen, meint Magnus Stork. Um einen Kosten-Zuschuss wollen die Vorstände noch bei der Gemeinde anfragen.

Nach dem Lackieren haben die jungen Frauen im Club die Vorlagen genau abgepaust. Die Malarbeiten sind fast abgeschlossen, nun kommt noch Lack drauf, und ausruhen ist nicht, denn man beginnt nächste Woche mit dem „Kranzen“: Sieben bis acht Girlanden mit je vier bis fünf Metern Länge und zwei riesige Kränze gilt es dafür noch anzufertigen.

Fleißige Malerinnen: von links Manuela Brosselt-Guggemos, Serena Kaiser und Magdalena Kerler.

Ist diese Arbeit getan, geht es in den Gemeindewald, um eine passende Fichte zu holen. Dann heißt es natürlich, auf den Baum aufzupassen – Stichwort Maibaumklau: „Da gibt es immer gemütliche Grillabende und eine starke Nachtwache“, erklärt Stork. „Das ist immer eine ganz lustige gesellige Angelegenheit.“

Wehmütig zeigten die Burschen auf die alten Schilder: Beinahe alles, was noch 1985 stolz den am Maibaum Vorbeifahrenden an Gewerbe präsentiert wurde, gehört der Vergangenheit an. In Ludenhausen haben unter anderem Wagner, Uhrmacher, Bäcker, Getränkehändler, Molkerei, Schuhmacher, Maurer, Elektriker und das Lagerhaus aufgehört, zu existieren. Kann man auch zur Grundversorgung Nötiges wie Metzger, Bäcker, Molkerei und Getränkemarkt zusammenfassen und fertige Produkte im demnächst öffnenden Penny am Ortsrand erwerben, Handwerk im Ort kann man nicht ersetzen. „Wir wollen bewusst aus Tradition die Berufe von früher am Maibaum behalten, denn viele wissen gar nicht mehr, was die Schilder bedeuten“, meinen die Jugendlub-Vorsitzenden.

Während Magdalena Kerler, Manuela Brosselt-Guggemos und Serena Kaiser fleißig den Pinsel schwingen, kommen immer mehr junge Männers ins Clubheim, und eine Diskussion entsteht, was mit den alten Zunftzeichen geschehen soll. Im Gespräch ist eine Versteigerung der Taferl im Rahmen des Maibaumaufstellens. Vielleicht möchte ja jemand aus der Familie eines ehemaligen Betriebes zur Erinnerung das Zunftschild behalten, und für den Jugendclub würden sich dadurch die Kosten schmälern.

Das Maibaumaufstellen beginnt am Dienstag, 1. Mai, um 7 Uhr mit einem Weckruf der Böllerschützen, um 8 Uhr beginnen die Männer der Dorfgemeinschaft mit dem Aufstellen. Zum Mittagessen gibt’s Blasmusik vom Musikverein Reichling. Am Nachmittag sorgen Kaffee und Kuchen für Gemütlichkeit. Das ist dann der richtige Rahmen für die Idee mit der Taferl-Versteigerung.

Wenn das Wetter passt, feiert die Dorfgemeinschaft vor dem Happerger im Schatten des Maibaums, der neben dem Feuerwehrhaus gegenüber der Straße an seinem angestammten Platz aufgestellt wird. Da die Renovierung des Happergersaal noch nicht begonnen hat, kann man bei schlechtem Wetter dorthin ausweichen.

von Gisela Klöck

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