Der Reichlinger Kindergarten bekommt keine Luftreiniger.
+
Der Reichlinger Kindergarten bekommt keine Luftreiniger.

Gemeinderat hat sich dagegen entschieden

Reichlings Kindergarten bekommt keine Luftreiniger

Die Diskussion um Luftreiniger in Schulen ist zur Zeit brandaktuell. In Reichling hat die Gemeinde jetzt erwägt, auch den Kindergarten mit den mobilen Geräten auszustatten. Letztendlich hat sich der Gemeinderat aber nun doch dagegen ausgesprochen.

Reichling – Das Votum war am Ende eindeutig: Nach ihrer Debatte kamen die Reichlinger Gemeinderäte einstimmig zu dem Schluss, dass die Anschaffung von Luftreinigern für den Kindergarten nicht sinnvoll wäre. Die Geräte wurden – im Gegensatz zu richtigen Lüftungsanlagen – als zu wenig effektiv angesehen.

„Ministerpräsident Markus Söder hat sich hingestellt und gesagt, dass bis zum Herbst überall Luftreiniger sein sollen“, sagte Bürgermeister Johannes Leis in der Ratssitzung. „De facto gibt es aber bisher nur Empfehlungen.“ Es stelle sich also die Frage: „Luftreiniger oder Lüften?“ – und angeblich würde Lüften sogar mehr bringen als Luftreiniger, erläuterte Leis die allgemeinen Hinweise, die den Kommunen zum Thema Luftreiniger in Schulen derzeit vorliegen.

Kostenlose Testgeräte bekommen

Vordringlich geht es in der öffentlichen Diskussion momentan zwar um die Schulen: Aber eine Schule gibt es in Reichling und Ludenhausen bekanntlich nicht mehr, und daher hatte die Gemeinde kürzlich solche Geräte in ihrem Kindergarten „Wurzberg Oase“ getestet. Die Testgeräte hatte sie kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen.

Nun sollte der Gemeinderat entscheiden, ob die Luftfilter dauerhaft angeschafft werden sollten oder nicht. Die getesteten Modelle würden pro Stück 500 Euro kosten, informierte der Bürgermeister. Für die Gruppenräume und den Flur würden insgesamt etwa fünf Luftreiniger benötigt, rechnete er vor.

Staat bezuschusst nur die Anschaffung, nicht die Wartung

Ganz so günstig würde die Gemeinde aber nicht wegkommen: Denn es entstünden auch Wartungskosten. Und diese würden in nur einem Jahr schon etwas teurer kommen als die reinen Anschaffungskosten. Der Staat wolle zwar den Kauf bezuschussen – aber eben nur die Anschaffung und nicht die teureren Wartungskosten.

Alexander Graf wunderte sich, warum die Luftreiniger von Seiten der Regierung erst jetzt zur Sprache kämen und nicht schon zu Beginn der Corona-Pandemie. „Jetzt nach zwei Jahren kommen sie drauf“, kritisierte er. „Jetzt, wo immer mehr Leute schon geimpft sind.“ Leis wandte diesbezüglich ein: „Eine Impfung gibt aber noch keine Immunität. Es wird lediglich der Verlauf der Krankheit gemildert.“

Gelüftet wird sowieso

Graf meinte, die Gemeinde müsste nicht gleich alles mitmachen, was die Regierung sich wünsche: „Die da oben schaffen an, und die Gemeinden bleiben auf den Kosten sitzen“, schimpfte er.

„Dann bleiben wird doch beim Lüften“, schlug Heidrun Höbel vor, „wenn das angeblich effektiver sein soll“. Denn regelmäßig durchgelüftet wird in den Kindergärten seit Beginn der Corona-Pandemie sowieso schon.

Kämmerer Roland Simon sah noch ein ganz anderes Problem: Er zweifelte daran, dass in so kurzer Zeit überhaupt genügend Luftreiniger hergestellt werden könnten, um alle Bildungseinrichtungen zu versorgen. „Der Herbst ist gleich da. Falls es doch noch einen höheren Zuschuss vom Staat geben sollte, dann ist der Markt schnell leer gefegt“, blickte Simon voraus.

Die Effektivität wird bezweifelt

Momentan sei ein staatlicher Zuschuss von 50 Prozent für die Anschaffung der Geräte vorgesehen. Allerdings gebe es bisher noch keine genauen Festlegungen.

Ein Zuschuss von 50 Prozent werde seitens der Kommunen teilweise als viel zu wenig erachtet, so der Kämmerer. Für den Reichlinger Kindergarten würden nicht so viele Geräte benötigt – anders als bei großen Schulen: „Bei zehn bis 15 Klassenzimmern geht das dann schon ins Geld“, kalkulierte Simon. Bei der Beschaffung der Luftreiniger habe die Politik den Kommunen den „Schwarzen Peter“ zugeschoben, stellte der Kämmerer fest.

Der Reichlinger Gemeinderat lehnte die Luftreiniger aber am Ende nicht wegen der Kosten ab: Allgemein wurde die Effektivität der Geräte bezweifelt. Denn bei den Luftreinigern werde die Luft lediglich umgewälzt, aber nicht ausgetauscht. Letzteres sei nur bei richtigen Lüftungsanlagen der Fall, wie sie bei den Sanierungsarbeiten im Schulgebäude in Rott in einem Teil der Klassenzimmer schon eingebaut worden seien. Solche Lüftungsanlagen würden dann aber ein Vielfaches mehr kosten, teilte Simon auf die Anfrage aus dem Gemeinderat hin mit.

Manuela Schmid

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare