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Auch die Schüler setzen sich dafür ein, dass ihre Schule wieder eröffnet wird.

Sudbury School Ammersee

Kinder sollen Demokratie leben, Schule soll wieder eröffnet werden

Es boten sich ein kultureller Mix und ein buntes Bild an der – geschlossenen – Sudbury-Schule in Ludenhausen. Die Böllerschützen ließen die Benefizveranstaltung für eine Wiedereröffnung lautstark beginnen, Landsberger Wirtshausmusikanten spielten Tanzlmusik, und der Tag schloss mit einem enthusiastischen Konzert der Band Mbollo aus dem Senegal.

Reichling/Ludenhausen– Sudbury-Schulgründungsinitiativen aus Ingolstadt, München, Augsburg und Nürnberg und die EUDEC (european democratic education community) stellten sich vor. Aus dem Senegal gab es afrikanisches Essen. Die Schüler der Sudbury-Schule in Ludenhausen zeigten ihr musikalisches Können auf der Bühne. Zahlreich pendelten die Besucher aus ganz Deutschland zwischen den Aktionen in der Schule und den Vorträgen auf der Bühne im daneben liegenden Happergersaal hin und her.

Die Veranstaltung erlebte eine Reihe Bildungsexperten. Yaacov Hecht hat in seiner Heimat Israel vor 30 Jahren in Hadeira die erste demokratische Schule des Landes gegründet. Inzwischen hat er mehrere Regierungen in Bildungsfragen beraten und Projekte wie „Education City“ ins Leben gerufen, bei denen ganze Städte in Bildung involviert werden.

In Israel seien Demokratische Schulen längst Teil des Alltags, betonte Hecht. „Dies ist ein historischer Tag! Ich glaube, dass wir an einem Wendepunkt stehen und demokratische Schulen wie die Sudbury Schule in zehn Jahren ein ganz selbstverständlicher Teil unserer Bildungslandschaft sein werden!“, so der Referent.

Es sprach auch der internationale Psychologe und Spiel-Experte Peter Gray aus Boston. Er zeigte sich besorgt über die Tendenz, dass Kinder kaum noch freie Zeit hätten und zunehmend von Erwachsenen kontrolliert würden. Dies habe unter anderem Depressionen zu Folge. Sudbury-Schule seien seiner Meinung nach Orte, an denen menschengemäßes Lernen in Freiheit gelinge, Kinder seien in der Lage, sich das nötige Wissen anzueignen, so Gray.

Weitere Gäste waren der ehemalige Schulinspektor Derry Hannam aus England, ehemalige Sudbury-Absolventen aus Dänemark und Israel, sowie Simone Fleischmann, die Vorsitzende des bayrischen Lehrerverbandes, und der Kabarettist Max Uthoff, bekannt aus der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“. Uthoff ergriff während der Podiumsdiskussion die Gelegenheit, mitzureden. Er sei skeptisch, ob die Entwicklung wirklich so schnell ginge, wie von Hecht skizziert. Sein Vorschlag: Die Wirtschaft mit einbeziehen, denn da seien Fähigkeiten, wie sie an der Sudbury Schule hervorgerufen werden, gefragt. Zum Beispiel Kreativität, Eigenaktivität oder Teamgeist.

Zahlreiche Besucher aus der Region besuchten die Benefizveranstaltung.

Auch Simone Fleischmann betonte, es sei noch einiges zu tun. Sie werde das Thema „Demokratische Schulen“ bei Minister Ludwig Spaenle ansprechen. Der ehemalige Schulinspektor Derry Hannam brache auf den Punkt, worüber sich auch die Experten einig waren: „Wenn man Kinder auf die Demokratie vorbereiten möchte, muss man ihnen Gelegenheit geben, Demokratie im Alltag zu leben.“ Es gebe hierzu zig Studien, die das belegen würden.

Die Sudbury Schule Ammersee war Ende vergangenen Jahres von der Regierung von Oberbayern geschlossen worden. Seitdem engagiert sich die Schulgemeinschaft mit aller Kraft für ihre Wiedereröffnung. Gerlinde Rüdinger-Wagner, Vorstandsmitglied der Sudbury-Schule, und Charlott Annemann, eine betroffene Mutter, meinten, dass viel durch die Schulschließung zerstört worden sei.

Rüdinger-Wagner berichtete, die Schule sei aktuell in Gesprächen mit dem Ministerium und der Regierung von Oberbayern, und man hoffe sehr, im September wieder eröffnen zu können.

Gisela Klöck

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