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Geduldig warteten Ross und Reiter auf die Segnung in Reichling.

Leonhardifest in Reichling

Ein Fest des gelebten Glaubens

Bei strahlendem Herbstwetter fanden sich zahlreiche Besucher zum traditionellen Leonhardi-Fest in Reichling ein. Im Anschluss an die Festmesse formierte sich die feierliche Leonhardifahrt durch die Straßen des mit Fahnen geschmückten Ortes.

ReichlingWegen eines unruhigen Pferdes wurde der Wagen der Trachtenjugend nicht eingespannt, die jungen Trachtler verfolgten diesmal den Zug vom Straßenrand aus. Dass sie selbst nur Zuschauer waren, fand die Trachtenjugend gar nicht so schlimm. „Es macht nichts, Hauptsache wir kriegen nachher eine Leberkässemmel“, meinte einer der Buben. Nicht nur die Straßenränder waren dicht gesäumt. Zur Freude von Pfarrer Michael Vogg, Präses der Bruderschaft des Hl. Leonhard zu Reichling, der mit einem Altarraum voller Priester und Diakonen sowie Festprediger H.H. Bischofsvikar Domdekan Prälat Bertram Meier die Festmesse zelebrierte, war die Kirche St. Nikolaus gut besetzt. Nach der Hl. Messe umrundete der Zug das Engelmoos, vorbei am Leonhardidenkmal zogen Fahnenabordnungen, zwei Musikkapellen, vier Ehrenkutschen, Ministranten- und Kindergartenwagen sowie neun Festwegen mit vielen Reitern als bunt gemischter Zug zur Segnung der circa 80 Pferde an den Bruckberg.

Seit Jahrzehnten wohnt Geistlicher Rat Matthias Prestele, ehemaliger langjähriger Priester Reichlings, bereits der Festmesse bei. Auch Pater Daniel, früherer Reichlinger Kaplan, war zum Mitfeiern gekommen. Aus der Nachbargemeinde Vilgertshofen kamen die Padres Niklas und Julius sowie Diakon Franz Bauer. Weit angereist waren zum Mitfeiern drei Studienkollegen von Pfarrer Vogg, aus den Diözesen Köln, Mainz und Würzburg. Treue Besucher auch die Wallfahrergruppe aus Denklingen und viele weitere Gäste, Bürgermeisterin Margit Horner-Spindler und alle Bürgermeisterkollegen der PG und der VG. Michael Kiesling war trotz der neuen Aufgaben in Berlin wieder dabei. Thomas Goppel und Alex Dorow, auch Altlandrat Erwin Filser und stellvertretender Landrat Peter Dietsch waren unter den Gästen, die nach der Messe in den Ehrenkutschen Platz nahmen.

In seiner Predigt brachte Prälat Meier die Betrachtung des Bildes von Christus ohne Hände und Beine als Mittelpunkt. „An uns liegt es, dem Glauben Hand, Fuß und Herz zu geben.“ Er dankte allen, die sich mit dafür einbringen, dass dieser Tag, ein Fest des gelebten Glaubens, stattfinde. Es ist mehr als fromme Tradition, die Leonhardi-Verehrung geht in Reichling zurück bis ins Jahr 1435. Es gehe um das Evangelium, das Christsein, so der Prälat. In Bezug auf das Evangelium erschloss der Prälat den Gläubigen das Gleichnis vom Schatz im Acker. „Der Acker ist die Kirche. Um zum Schatz, zu Jesus, vorzudringen, muss man zur Kirche stehen, denn ohne Acker kein Schatz“. Der Kirchenchor mit Orchester unter Leitung von Michael Denk gab der Messe den musikalischen Rahmen.

Prälat Meier spendete den Segen über Ross und Reiter, die im Halbkreis mit den schön geschmückten Wagen standen, auf denen etwa die beiden Kirchenpatrone Nikolaus und Leonhard, die Antoniuskapelle, Erntedank, der Hl. Florian sowie das Leonhardidenkmal zu sehen waren. Auch von Pflugdorf war ein Erntewagen mit Holzpflug dabei. Und wie alle Jahre ein Festwagen aus Ludenhausen.

Bilder: Leonhardi in Reichling

Die Musikkapellen Reichling und Hofstetten spielten gemeinsam, und mit der Bayernhymne nahm der Festakt am Bruckberg, umweht von weiß-blauen Fahnen, ein würdiges Ende. Zur Erinnerung bekam jedes Pferd eine Schleife mit individuellem Motiv von der Bruderschaft überreicht.

Neuland erschlossen wurde anschließend mit dem Versuch des Musikvereins Reichling, die Gäste aus Nah und Fern noch ein wenig im Lechrainort zu halten. Ihr Slogan auf dem Plakat „Gäste und Reiter hoch zu Roß, d’Musi spielt für enk auf, kommts doch zu unser’m Fest und trinkt’s a Moß“ traf ins Schwarze. Laut Kathrin Bleicher, Vorsitzende des Musikvereins, war die musikalische Bewirtung ein umwerfender Erfolg. Das Zelt war voll, das Essen am Nachmittag ausverkauft, und zum zünftigen Spiel des Musikvereins unter Leitung von Walter Socher wurde es gemütlich.

Gisela Klöck

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