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Schau der Krabbeltiere im „braunen Frack“ im Maikäferdorf Reichling

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Von: Manuela Schmid

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Bilder, Ansichtskarten und Präparate von Maikäfern sind im Reichlinger Pfarrheim zu sehen.
Bilder, Ansichtskarten und Präparate von Maikäfern sind im Reichlinger Pfarrheim zu sehen. © Schmid

„Maikäfer flieg“ lautet der Titel einer Ausstellung, die noch bis Ende Juni jeden Sonntag im Pfarrheim in Reichling zu sehen ist. Die Besucher können dort interessante und auch amüsante Informationen rund um den Maikäfer und dessen Verwandtschaft erfahren.

Reichling – Reichling ist ja weithin bekannt als „Maikäferdorf“: Also wo gäbe es einen besseren Platz, um eine Ausstellung über die lebendigen Frühlingsboten zu zeigen? Dies dachte sich auch der Insektenforscher Max Kühbandner aus Aschheim, der seine Exponate und vielfältiges Anschauungsmaterial in das Lechraindorf gebracht hat und bei der Vernissage einen Vortrag über Maikäfer und Insekten im Allgemeinen hielt.

„Maikäfer gelten bei uns heute als Frühlingsboten und Sympathieträger“, erklärte der Entomologe. „Das war aber nicht immer so.“ Denn früher wurden die Krabbeltiere nicht nur als Waldvernichter und Ernteschädling bekämpft, sondern sogar vor Gericht gestellt: „Strichweise traten Maikäfer als Landplage auf. Für ihr schändliches Tun wurden sie früher sogar in gerichtlichen Prozessen verurteilt“, erzählte der Insektenforscher und fügte hinzu: „Ja, das ist wirklich wahr.“

Viel Info- und Anschauungsmaterial

Dass die Insekten zum anberaumten Gerichtstermin einfach nicht erschienen, verwundert wohl keinen. Aber nichtsdestotrotz: „Selbst Bischöfe verhängten über die lästig gewordenen Insekten den Kirchenbann, was einer Exkommunizierung gleich kam“, erzählte Kühbandner in seinem Vortrag. Dokumentiert ist das Ganze auch in der Ausstellung – neben zahlreichen Info- und Anschauungsmaterialien rund um den Maikäfer.

Anders als früher freue man sich mittlerweile über ein Zusammentreffen mit dem selten gewordenen Gast, sagte der Insektenexperte. „Die Krabbeltiere mit dem ,braunen Frack’ gelten bei uns als Prominenz unter den Käfern“, hob er hervor. „Sechs Beine und ein dreigeteilter Körper zeichnen den Maikäfer als Insekt aus.“

Auch in Kunst und Literatur ein Thema

Jedes Jahr um die Pfingstzeit herum finde sich der Käfer in Form von Schokolade in den Auslagen der Konditoreien, stellte Kühbandner fest – doch um die lebenden Exemplare dieser Insektenart sei es eher schlecht bestellt. Allerdings seien die Maikäfer im vergangenen Jahr strichweise häufig aufgetreten.

Das Hauptleben verbringt diese Insektenart als Larve (Engerling). Vier Jahre frisst sie unterirdisch an Wurzeln verschiedener Pflanzen. Nach der Verpuppung schlüpft der Käfer Ende April bis Anfang Mai und lebt noch etwa einen Monat. Er ernährt sich von Blättern verschiedener Laubbäume, bevorzugt Eiche, Buche und Kastanie.

Bei den alten Griechen ein Aphrodisiakum

Maikäfer würden auch oft in Kunst und Literatur auftauchen, vor allem in Kinderbüchern: Dort seien die Krabbeltiere oft als liebenswerte, mit einer besonderen Komik behaftete Kreaturen gezeichnet. „Denken wir zum Beispiel an Herrn Sumsemann in ,Peterchens Mondfahrt’“, gab der Insektenforscher ein Beispiel. Und Wilhelm Busch habe sie von „Max und Moritz“ einsammeln und dann aus einer Tüte über die Bettdecke dem schlafenden Onkel Fritz auf die Nase krabbeln lassen.

Die alten Griechen hätten die Käfer gar als Aphrodisiakum verspeist, um dadurch neue Lebenskraft zu erhalten. Doch auch hierzulande wurden die Insekten früher gegessen: „Maikäfersuppe galt bei uns vom Mittelalter an bis ins 19. Jahrhundert als kulinarische Kostbarkeit. Eine Kochanleitung hierzu stammt aus dem Jahre 1844“, erklärte der Experte. Und nach dieser Anleitung wurde auch die Maikäfersuppe zubereitet, die – verzehrfertig angerichtet auf einem Teller – in einer der Vitrinen im Reichlinger Pfarrheim steht.

An den Juni-Sonntagen von 10 bis 17 Uhr geöffnet

Die Ausstellung zeigt auch viele Ansichtskarten mit Maikäfermotiven. Was „Kaiser, Kaminkehrer, Bäcker und Müller“ bedeutet, das wissen viele Reichlinger noch aus ihrer Kindheit: Dabei handelt es sich um verschiedene Maikäferexemplare, die diese Namen wegen ihres unterschiedlichen Aussehens tragen – und die von Kindern früher gerne untereinander getauscht wurden, nachdem sie zuvor von den Bäumen gesammelt worden waren.

Die Ausstellung im Reichlinger Pfarrheim ist noch bis Ende Juni an allen Sonntagen (5., 12., 19. und 26. Juni) jeweils von 10 Uhr 17 Uhr zu sehen.

Manuela Schmid

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