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Das Gewächshaus der Gärtnerei Löwenzahn in Reichling wurde durch tischtennisballgroße Hagelkörner schwer beschädigt. Cornelia Berktold und ihre Familie haben gleich nach dem Sturm mit den Aufräumarbeiten begonnen.

Schwere Schäden nach Unwetter 

Hagelschauer sorgen für Verwüstung

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Starkregen, Sturm und bis zu tischtennisballgroße Hagelkörner hielten die Feuerwehren im nordwestlichen Landkreis und vor allem dem Lechrain auf Trab. Die Unwetterschäden sind enorm. 

Reichling – „Ich bin immer noch geschockt“, sagt Cornelia Berktold von der Reichlinger Gärtnerei Löwenzahn beim Anblick ihrer Beete. Der Sturm, der am späten Montagnachmittag vor allem über den Lechrain fegte, hat auch in der Gärtnerei schwere Schäden hinterlassen. Zwei Gewächshäuser wurden von Hagelkörnern durchschlagen. Unter anderem wurden die Radieschen, Erdbeeren und Salate komplett zerstört. Die Kräuter haben ihre Blüten verloren und von Blühstreifen, die auf dem Gelände extra für Insekten angelegt wurden, ist nichts mehr übrig.

Reichling lag in der Schneise, die am heftigsten vom Sturm betroffen war. „Das hat sich von Fuchstal über Rott und Finning bis zum Ammersee gezogen“, erklärt der Landsberger Kreisbrandrat Johann Koller. Die Feuerwehren wurden hier innerhalb von zwei Stunden zu knapp 90 Einsätzen gerufen. Bis zu 300 Feuerwehrleute waren im Einsatz, weil Bäume auf Straßen und Strommasten stürzten, Keller voll Wasser liefen und Dachfenster von tischtennisballgroßen Hagelkörnern durchschlagen wurden. Außerdem wurden Hausfassaden und zahlreiche Autos beschädigt. „Es gab unzählige Blechschäden, teilweise wurden die Windschutzscheiben eingeschlagen“, heißt es bei der Landsberger Polizei. In Rott wurde ein Rollerfahrer bei einem Sturz leicht verletzt. Außerdem stürzte ein Baum aus dem Biergarten einer Pizzeria in Richtung Parkplatz und beschädigte dabei die Stromleitung auf dem Dach. Autos wurden nicht beschädigt, allerdings kam es zu einem Stromausfall.

Umgeknickte Bäume, wie hier in Kinsau, blockierten am Montagnachmittag mehrere Straßen.

In Reichling wurde laut Polizei ein Gastank durch den Sturm umgerissen. Vor einem befürchteten Gasaustritt konnte aber schnell Entwarnung gegeben werden.

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Unwetter: Landkreis Weilheim-Schongau kommt glimpflich davon

Relativ glimpflich ist der Landkreis Weilheim-Schongau davon gekommen. „Ein Streifschuss, nur der nordwestliche Rand war leicht betroffen“, sagt Kreisbrandmeister Johann Deschler. Die Feuerwehren Ingenried, Sachsenried, Schwabsoien und Hohenfurch rückten jeweils wegen umgestürzten Bäumen aus, die Straßen blockierten. „Größere Schäden gab es nicht“, so Deschler.

Unwetter: Hagelschauer verwüsten Gärtnerei Löwenzahn in Reichling

Ganz anders die Situation in Reichling, wo Cornelia Berktold vor einem Bild der Verwüstung steht. „Für uns ist es ein großer finanzieller Schaden. Ein halbes Jahr Arbeit war praktisch umsonst.“ Dass die Ernte jetzt fehlt, wird auch in einem Jahr noch spürbar sein. Außerdem geht Berktold die Vielfalt ab. „Wir haben uns darauf spezialisiert verschiedenste Sorten anzubauen, auch vom Aussterben bedrohte. Es wird schwierig, Nachschub zu finden“.

Die Gärtnerei ist nicht gegen Unwetterschäden versichert. „Weil wir so viel Verschiedenes anbauen, ist das schwierig. Es wäre ein riesiger bürokratischer Aufwand, der sich letztendlich nicht lohnen würde“, sagt Cornelia Berktold.

Gärtnerei Löwenzahn in Reichling: Nach Sturm gleich neue Pflanzen angesät 

Sie will optimistisch bleiben. Gleich nach dem Sturm hat sie überlegt was jetzt zu tun ist. Die einfache Antwort: Weitermachen und für Nachschub sorgen. „Also haben wir gleich gestern nach dem Sturm angefangen Plastiksplitter aufzuklauben, und neue Pflanzen anzusäen“, erzählt Cornelia Berktold. Weil vieles erst wieder anwachsen muss, organisiert die Gärtnerei nun zum Beispiel Salate für ihre Kunden über den Ökoring. „Es wird noch drei Wochen dauern, bis wir wieder eigene ernten können.“

Tischtennisballgroße Hagelkörner richteten große Schäden an

Eines der Gewächshäuser wird am Dienstag notdürftig repariert. Die durchlöcherte Plastikwand wird durch eine Plane ersetzt. Schon am Montagabend haben viele Nachbarn in der Gärtnerei vorbeigeschaut, um mit aufzuräumen oder Essen vorbeizubringen. Weiterhin ist jede Hilfe willkommen. Wir werden noch länger mit Aufräumen beschäftigt sein, ist sich Berktold sicher.

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Kaputte Autos und zersplitterte Fensterscheiben - in Sekunden hatte das Unwetter in München und dem Umland eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Doch wer zahlt den Schaden?

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