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Strahlen um die Wette: Josef Fichtl und Florian Ohnesorg (rechts) aus Ingenried.

Riesenerfolg für kleines Dorf

Deutschlands bester Radlmechaniker kommt aus Ingenried

Ingenried - Kleine Gemeinde, große Handwerkskunst: Die Ingenrieder können auf zwei junge Mitbürger mächtig stolz sein. Josef Fichtl ist bayerischer Meister im Elektrogewerbe, Florian Ohnesorg sogar Deutscher Meister bei den Zweiradmechanikern.

Das Handwerk hat bekanntlich goldenen Boden. Und Ingenried scheint diesen in besonderer Form zu bereiten. Wie anders ist es sonst zu erklären, dass gleich zwei junge Burschen aus der kleinen Gemeinde, die noch dazu nur wenige Meter voneinander entfernt wohnen, quasi parallel bayerische Meister in ihrem jeweiligen Handwerksberuf wurden und einer von ihnen sich inzwischen sogar mit dem deutschen Meistertitel schmücken kann. 

Bürgermeister-Sohn verpasste das Stockerl hauchdünn

Beginnen wir mit Josef Fichtl. Der 22-Jährige, der bei Jenoptik Power-Systems (früher Lech-Motoren) in Altenstadt als Facharbeiter im Elektro-Maschinenbau tätig ist, fuhr nach Erringen des bayerischen Meistertitels zur Deutschen Meisterschaft ins norddeutsche Oldenburg in der Nähe von Bremen. Und es sah lange Zeit gut für den Sohn des Ingenrieder Bürgermeisters aus. Die erforderlichen 87 Punkte, die zum Erreichen der ersten drei Plätze unausweichlich waren, hatte er, die Konkurrenz allerdings auch. So ging es dann am Ende nur um ein paar Punkte, die dafür sorgten, dass er unglücklicher Vierter wurde. 

Fichtl ist allerdings alles andere als enttäuscht. Im Gegenteil. Und auch in der Firma gab es ungeteiltes Lob. Sowohl von Ausbilder Rudi Kögel wie auch von Geschäftsführer Thomas Zeller, der persönlich gratulierte. Fichtl stellt in dem Betrieb elektrische Maschinen her – unter anderem Generatoren für Züge und Motoren für Bremsprüfstände. Und er kann sich genauso wie Florian Ohnesorg über eine Begabtenförderung in Höhe von 6000 Euro von der Bundesanstalt für Forschung und Bildung freuen. Damit kann er in seinem künftigen Berufsleben Fortbildungen bezahlen, die er ansonsten aus eigener Tasche hätte finanzieren müssen.

Radlmechaniker Ohnesorg wird Deutscher Meister

Noch besser getroffen hat es Florian Ohnesorg. Er wurde zusammen mit fünf anderen Bewerbern zur Deutschen Meisterschaft nach Freiburg im Breisgau eingeladen. Und seine Reise geht sogar noch weiter. Seine sechs unterschiedlichen Praxisaufgaben (darunter die Umrüstung eines Trecking-Rads auf ein E-Bike, das Einspeichen eines Laufrads und das zerlegen und Warten einer Federgabel sowie das wechseln eines Tretlagers am Fahrrad) meisterte er bravourös. Und das sogar so perfekt, dass er am Ende 547 von 600 möglichen Punkten erreichte. Ein deutlicher Sieg, denn der Zweitplatzierte brachte es nur auf 502 Punkte.

Ohnesorg, der bereits 26 Jahre alt ist, hatte in Kaufbeuren zunächst eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann (Spezialgebiet Radsport) abgeschlossen und später dann in einem Fachgeschäft in Marktoberdorf und anschließend in einer Werkstatt in Oderding gearbeitet. Derzeit ist er dabei, seinen Meister zu machen. Den Abschluss dürfte er vermutlich im April kommenden Jahres in der Tasche haben. Anschließend möchte er dann sein eigenes Fahrradgeschäft eröffnen – im Gebäude seines Vaters, der dort früher eine Spenglerei betrieben hatte.

Ohnesorg kämpft jetzt um den EM-Titel

Auch ihn erreichten Glückwünsche von überall. Begeistert war indes nicht nur seine Freundin vom Ergebnis, sondern auch einer seiner Prüfer, der ihn sogar wegen des speziellen Umgangs mit einer Federgabel um Rat fragte. Auf die Europameisterschaft im März freut er sich schon. „Die erfolgt im Rahmen einer großen Motorradausstellung, wo die Teilnehmer aus sechs Ländern inmitten der Menschenmassen auf Herz und Nieren geprüft werden. Und Florian Ohnesorg hofft, „dass da vielleicht auch noch etwas für mich drin ist“. Hintergrund: Deutsche Teilnehmer haben in der jüngeren Vergangenheit bei Europameisterschaften immer relativ gut abgeschnitten.

Stephan Penning

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