Rosendorfer: "Er war ein selbstbewusster und kluger Mann"

Schongau - Er war der „geistige Vater“ der Hexe von Schongau und der Venezianer. Am Donnerstag ist Herbert Rosendorfer in seiner neuen Heimat Bozen nach schwerer Krankheit gestorben. Die Erinnerung an ihn ist in Schongau jedoch auch heute noch lebendig, was Zeitzeugen bestätigen.

Hanns Klausmann, damaliger Chef des Schongauer Sommers, erinnert, „dass ich zwei Bücher von ihm gelesen hatte, die ich sehr interessant fand“. Als dann das Projekt Hexe im Raum stand, dachte er sich, „mit dem sollte ich mich in Verbindung setzen“. Gesagt, getan. Gemeinsam mit einer Abordnung aus Schongau, die Vizebürgermeister Helmut Schmidbauer anführte, fuhr er nach Taufkirchen bei München, wo Rosendorfer seinerzeit wohnte.

„Wir saßen in seinem Wohnzimmer, haben das Projekt angesprochen und ihm dazu die von Luitpold Braun erstellte Broschüre der Agnes Weiß gezeigt. Rosendorfer hat schnell zugesagt.“

Helmut Schmidbauer kann das nur bestätigen, erinnert diesen Ausflug auch noch gut. „Es ging um die Honorarzahlung, aber Rosendorfer hatte alles bestens vorbereitet.“ Dessen Zusage, das Hexenspiel zu schreiben, bezeichnet Schmidbauer auch heute noch als „großen Glücksfall für Schongau“. Rosendorfer habe der Hexe ein unverwechselbares Gesicht gegeben und sie zudem auch weit über Schongaus Grenzen hinweg bekannt gemacht. Überhaupt sei Rosendorfer als Schriftsteller einer der Großen seiner Zeit gewesen.

Was seine Persönlichkeit angeht, sind sich die Beiden relativ einig. „Er war von sich sehr überzeugt, stand quasi über den Dingen“, sagt Klausmann. Habe man das akzeptiert, sei er aber „sehr umgänglich und auch bescheiden“ gewesen. Und, er sei stolz gewesen auf die Hexe, was man bei der Premiere, der seinerzeit 1400 Besucher beiwohnten, deutlich gespürt habe. Auch Schmidbauer schildert Rosendorfer als einen Menschen, „der sich seines Wertes wohl bewusst, auf der anderen Seite aber auch sehr umgänglich war“.

Von einem guten Kontakt zu Rosendorfer spricht auch der damalige Bürgermeister Luitpold Braun. „In der Vorbereitung der Hexe war er zwei- bis dreimal bei mir im Rathaus. Dabei habe ich ihn als selbstbewussten, aber auch klug argumentierenden Mann kennengelernt.“ Später hatte Braun dann noch einmal kurz Kontakt mit dem Schriftsteller, „weil er ja auch die Venezianer geschrieben hat“. Braun war auch daran mitbeteiligt, hatte er im Zuge geschichtlicher Forschungsarbeit die Venezianer in den Schongauer Nachrichten entdeckt - abgedruckt als Fortsetzungsroman in den 20er Jahren, geschrieben von Georg-Friedrich Lentner.

Eng zusammengearbeitet mit Rosendorfer hat bei der Hexe damals der Münchner Regisseur Peter Grassinger. Ihn erreichte die Nachricht vom Tode Rosendorfers auf der Insel Malta, wo er gerade mit seiner Frau einige Urlaubstage verbringt.

„Das berührt mich sehr“, sagte Grassinger, der viele gute Erinnerungen an Rosendorfer hat. „Er war ein Vielschreiber und sehr kluger Mensch“, charakterisiert er ihn und erinnert sich dabei gern an „viele humorvolle und kluge Gespräche“. Und an zwei Anekdoten. „Ich habe ihn damals beim Bayerischen Rundfunk getroffen und mit ihm über die Landshuter Hochzeit gesprochen. Zwei Jahre später hat er mich dann überraschend angerufen und gesagt, dass er die Hexe von Schongau nur schreiben will, wenn ich sie inszeniere.“

Jahre später habe er ihn dann noch mal angerufen und mitgeteilt, dass er ein neues Stück schreiben müsse. Gemeint waren die Venezianer. „Danach haben wir uns in Naumburg getroffen und sind mit dem Auto nach München gefahren und haben während der Fahrt das Buch gemeinsam redigiert. Dabei hat mir Rosendorfer dann gesagt, dass er noch nie so viele Kilometer gebraucht hat, um ein Buch zu redigieren.“

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