Bettina Buresch vor den Rosenbeeten, die künftig an die Frauen erinnern sollen, die bei den Hexenprozessen getötet wurden. Die Schilder sollen namentlich an die Opfer erinnern – hier die Peitingerin Agnes Weiß. foto: bo

63 Rosenstöcke als Schongauer Hexen-Denkmal

Schongau - Vor zwei Jahren hat Bettina Buresch, Stadträtin der Alternativen Liste Schongau (ALS), versucht, einen Rosengarten als Erinnerung an die Schongauer Hexenprozesse zu installieren. Damals verlief die Angelegenheit im Sande. Im zweiten Anlauf hat’s jetzt geklappt.

63 Rosenstöcke sollen im Heiliggeist-Garten an die mindestens 63 Frauen erinnern, die von 1589 bis 1592 in Bayerns größtem Hexenprozess in Schongau hingerichtet wurden. Diesen Antrag hat Bettina Buresch (ALS) im Dezember 2012 im Stadtrat gestellt. Doch die damaligen CSU-Stadträte Helmut Schmidbauer und Hans Hartung sowie Stadtförster Klaus Thien hatten zahlreiche Einwände. Schmidbauer führte ins Feld, dass es bereits eine Statue mit Inschrift im Ballenhaus gebe, die an die Schongauer Hexenprozesse erinnere - zwei Denkmale zum selben Thema hielt er für verfehlt. Hartung und Thien machten sich vor allem um die aufwändige Pflege der Rosen Sorgen. Schließlich bot Bürgermeister Karl-Heinz Gerbl damals an, sich mit allen Beteiligten zusammenzusetzen und eine Lösung zu finden. Doch passiert ist seitdem nichts mehr, sagt Buresch.

Deshalb hat sie jetzt einen erneuten Anlauf gestartet. „Ich habe Sponsoren gefunden, die nur darauf warten, der Stadt für das Denkmal eine gewisse Summe zukommen zu lassen“, sagte Buresch. Damit sollen die Schilder mit den Namen der Opfer finanziert werden. „63 Hingerichtete vermerkte der Richter in seinem Abschlussbericht, in 56 sogenannten Geständnissen sind Opfer identifizierbar“, sagte Buresch. Diese Namen sollen auf kleinen Schildern zu lesen sein, die übrigen sieben stehen namenlos symbolisch für alle weiteren Opfer: „Es sollen insgesamt rund 80 Frauen inhaftiert gewesen sein, ihr Schicksal ist ungewiss“, so Buresch.

Noch wichtiger: Ehrenamtliche Paten haben zugesagt, sich um die aufwändige Pflege der Rosen zu kümmern. „Es handelt sich sogar um Leute aus umliegenden Gemeinden, die auch Opfer bei den Hexenprozessen zu beklagen hatten, wie etwa Schwabsoien.“ Dort mache der Historische Kreis mit. Auf Nachfrage von Barbara Karg (SPD), ob es da einen Plan oder ähnliches gebe („nichts ist schlimmer als ein ungepflegtes Beet“), sagte Buresch: „Die sind mit großem Eifer dabei, und es geht vor allem um das aufwändige Jäten.“ Die Stadt helfe etwa beim Beschneiden, Düngen oder dem Abdecken. „Ich finde das eine sehr gute Idee“, lobte Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD).

Paten und Sponsoren hatte Buresch damals auch schon an der Hand, aber jetzt haben die Zweifler ihre Meinung geändert. „Das Engagement ist super, ich kann das nur begrüßen“, sagte Stadtförster Thien. Zusätzliche Kosten seien auch nicht entstanden: Man habe im Frühjahr sowieso neue Rosen pflanzen müssen, da habe sich Buresch 63 für den Gedenkplatz herausgesucht. Und Kreisheimatpfleger Schmidbauer, mittlerweile nicht mehr im Stadtrat, „ist jetzt auch durchaus ein Befürworter“, freute sich Buresch.

Das hält Schmidbauer zwar für übertrieben. „Die Skepsis ist nicht ganz weg“, sagte er auf SN-Nachfrage. Vor allem die Namensschilder hält er für problematisch, weil man ja nicht einmal die genaue Zahl der Opfer kenne. „Aber wenn man sich so reinhängt wie Frau Buresch, warum soll man sie bremsen?“ Er hätte nur gerne die im Ballenhaus-Café ausgestellte Figur endlich ins Freie geholt und fände es eine gute Idee, sie in den Rosengarten zu integrieren, den Buresch auch mit einer Infotafel ausstatten will.

Das schlug auch Kornelia Funke (CSU) im Stadtrat vor. „Soweit ich weiß, eignet sich die Figur aber nicht für draußen, das sollten wir ein anderes Mal entscheiden“, sagte Sluyterman. Die Zustimmung für den Rosengarten als Hexen-Denkmal fiel einstimmig.

(bo)

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