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Andere Arbeitszeiten und weniger Freizeit

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Von: Roland Halmel

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Rotts neuer Bürgermeister Fritz Schneider auf der Baustelle des Ärztehauses, dem aktuell größten Projekt der Gemeinde.
Rotts neuer Bürgermeister Fritz Schneider auf der Baustelle des Ärztehauses, dem aktuell größten Projekt der Gemeinde. © Halmel

Sechs Jahre lang war Fritz Schneider zweiter Bürgermeister in Rott. Seit dem 1. Mai sitzt er nun im Rathaus auf dem Chefsessel. Wie die ersten 100 Tage im neuen Amt für den ehemaligen Landwirt gelaufen sind, besprach er mit den Schongauer Nachrichten.

Herr Schneider, macht Ihnen Ihr neues Amt als Bürgermeister Spaß?

Bürgermeister ist eine ehren- und verantwortungsvolle Aufgabe. Verantwortung habe ich schon mein Leben lang getragen. Sie ist anders, aber insgesamt macht es mir bisher Spaß. Ich habe es auch nicht bereut, zu kandidieren.

Man geht mit einer gewissen Erhaltungshaltung in einen neuen Beruf: Wie ist das bei Ihnen?

Es war mir klar, dass einige Projekte anstehen und dass sie viel Arbeit machen werden. Erwartungen, dass etwas in einer Kommune schnell umgesetzt wird, sind eine Illusion. Wenn da etwas gebaut oder gemacht wird, dauert es meist länger. Mit dem habe ich aber gerechnet. Mit der Erfahrung aus sechs Jahren als zweiter Bürgermeister wusste ich ungefähr, was auf mich zukommt.

Ihr Tagesablauf hat sich vermutlich gegenüber der „Vorbürgermeisterzeit“ enorm geändert, oder?

Ja, komplett. Von in der Früh bis am frühen Abend bin ich im Rathaus oder irgendwo kommunal unterwegs. Abends und am Wochenende bin ich noch Landwirt, da läuft noch die Umstellungsphase. Auch wenn die abgeschlossen ist, werde ich noch auf dem Traktor sitzen. Das ist ein guter Ausgleich, um den Kopf freizubekommen.

Hat sich Ihr Freizeitverhalten in letzter Zeit geändert?

Die Arbeitszeiten sind anders. Aber die Freizeit ist auf alle Fälle nicht mehr geworden.

Haben Sie eine Verhaltensänderung der Bürger gegenüber Ihnen jetzt als Bürgermeister festgestellt, und wie hat sich Ihre Wahrnehmung geändert?

Wer mich vorher duzte, darf mich jetzt auch weiter duzen. Da möchte ich gar keine Änderungen haben. Als Bürgermeister achtet man auf ganz andere Sachen. Ist die Straße oder der Gehweg in Ordnung, ist irgendwas an einem Gebäude? Diese Wahrnehmung ist aber auch schon in den vergangenen Jahren als zweiter Bürgermeister gewachsen.

Was hätten Sie zu jemanden gesagt, der Ihnen vor 40 Jahr prophezeit hätte, dass Sie mal Bürgermeister werden?

Ganz klar: Du spinnst. Es war ehrlich gesagt nicht mein Ansinnen, Bürgermeister zu werden. Aber ich bin da so reingewachsen. Ich habe mich zuerst als Gemeinderat vor sechs Jahren aufstellen lassen, dann bin ich zweiter Bürgermeister geworden. Ich habe mich dieser Aufgabe gestellt wie auch jetzt der des ersten Bürgermeisters.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit innerhalb des Gemeinderats und der Verwaltung?

Die funktioniert hervorragend. Mit dem Gemeinderat komme ich sehr gut zurecht. Was die Verwaltung angeht, die ist sehr hilfsbereit und zuverlässig.

Was hat Sie in den ersten 100 Tagen besonders stark beschäftigt?

Da ist das Ärztehaus zu nennen. Das ist das größte Projekt in der Gemeinde. Da gibt es immer wieder Detailfragen, die es zu klären gilt. Was mich freut ist, dass die Zweckvereinbarung über die Wasserversorgung mit der Nachbargemeinde Reichling kurz vor dem Abschluss ist.

Sie haben das unangenehme Thema Straßenausbau in der Lugenseestraße geerbt. Das war sicher keine so einfache Geschichte, oder?

Auch solche Dinge gehören zum Amt eines Bürgermeisters. Es ist klar, dass es für die Anlieger und die Betroffenen nicht so angenehm ist. Aber ich sehe das im Interesse der ganzen Gemeinde, das auch umzusetzen.

Wie machen sich die Auswirkungen der Corona-Krise in Rott bemerkbar?

Die Vereinstätigkeit ist ziemlich stark eingeschränkt. Keine Feste, keine Veranstaltungen, keine Versammlungen. Das sind alles Gelegenheiten, bei denen der Bürgermeister mit den Bürgern ins Gespräch kommen kann. Das liegt leider auf Eis. Das Dorfleben ist dadurch gehemmt. Jeder hat für die Situation aber Verständnis und akzeptiert sie auch, jedenfalls momentan.

Wo sehen Sie die Schwerpunkte Ihrer Arbeit in den nächsten Monaten?

Ganz klar das Ärztehaus, aber auch der Ausbau der Lugenseestraße. Die Wasserversorgung wird auch Thema bleiben. Dann müssen wir uns Gedanken machen, wie es mit dem Kindergarten und der Landjugend weitergeht.

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