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Anton Heiß und Gabriele Paul präsentieren sich als Ludwig II. und Kaiserin Sisi vor historischem Gemäuer.

Ein königliches Paar

Ludwig II. und Sisi kommen aus Rott

Es ist ein Traum vieler Mädchen, einmal als Kaiserin Sisi durch blühende Parkanlagen zu flanieren. Wenn dann an ihrer Seite König Ludwig II. schreitet, fühlt man sich in eine vergangene Zeit zurückverzaubert. So einen Traum lebt Gabriele Paul aus Rott, wenn sie und ihr Mann Anton Heiß ihre edlen Roben anlegen und als Ludwig II. und Sisi in königlicher Umgebung auftreten.

Rott – Es ist ein geradezu märchenhafter Anblick, der sich den Gästen von Schloss Nymphenburg an diesem herbstlichen Sonntagnachmittag bei Kaiserwetter bietet. König Ludwig II. schreitet in seiner Paradeuniform stolz erhobenen Hauptes durch den Schlossgarten, an seiner Seite Kaiserin Sisi in einem berauschenden Kleid aus Brokat, Tüll und Spitze. Vorneweg Kinder in angepassten Kleidchen und Uniformen, dahinter der Hofstaat. Natürlich ebenfalls gekleidet in sehr aufwendig gearbeiteten Roben. Erhaben winkt die Gruppe den verblüfften Gästen des Schlosses zu. Wer schnell reagiert, kommt zu einem Schnappschuss nicht alltäglicher Art.

Hier handelt es sich keineswegs um eine Werbeveranstaltung der Schlösserverwaltung oder einer Agentur, die für das neue Musical in Füssen Aufmerksamkeit wecken will. Es ist ein eingeschworener Freundeskreis, der Freude an Spontanauftritten in dieser königlichen Kleiderausstattung hat. Natürlich muss es bei jeder Sache einen treibenden Motor geben. In diesem Fall von König Ludwig II. und seiner Sisi ist es Sisi selbst. Oh, Pardon, besser gesagt ist es Gabriele Paul aus Rott, die in die Rolle der Kaiserin vieler Herzen geschlüpft ist. Mit Haut und Haaren und natürlich unwahrscheinlich viel Herzblut.

Doch wie kommt man auf so eine Idee, in seiner Freizeit als Ludwig II., Sisi und Hofdame mit Gefolge durch Parkanlagen der Bayerischen Schlösserverwaltung zu flanieren? Ein Besuch bei Gabriele Paul mit einer Exkursion in die Vergangenheit schafft Klarheit.

Aufstellung im königlichen Garten von Ludwig und Sisi für ein gemeinsames Gruppenfoto.

Schon beim Betreten der Wohnung wird man ganz schnell mit dem Märchenkönig konfrontiert. Erhaben hängt ein alter Kupferstich über der Türe zum Wintergarten. Daneben beidseitig wie in einer Art Spalier hängen die edlen Kleider und Gehröcke des Hochadels. „Da muss ich noch einige Änderungen vornehmen“, sagt Gabi ganz nebenbei, bevor sie in ihrem Reich den Platz anbietet. Andere Bezeichnung für „ihr Reich“ ist Nähstube. Zentral in der Mitte eine große Nähmaschine, im Randbereich von Gabis Arena hängen und liegen unzählige Stoffstücke und Kleiderteile. Man erkennt sofort ihre Leidenschaft.

Die Idee entstand bei einer Fernsehsendung 

„Ende der 90er Jahre gingen mein Mann Anton und ich zu einem Faschingsball“, erzählt Gabi. Sie hatte sich in Anlehnung an das Spielfilm Drama „Titanic“ ein ausgefallen tolles Kleid, wie die Hauptdarstellerin es trug, selbst genäht. Im Ballsaal die Ernüchterung. „Wohin man blickte, sah man Schlümpfe“, erinnert sich Gabi. Das Motto war an ihr vorbei gegangen. Im Folgejahr wieder ein Motto-Ball, „weiß-blau“ war angesagt. Der Zufall brachte Gabi auf die Idee mit Ludwig und Sisi. Bei einer Fernsehsendung mit Carmen Nebel wurde Werbung für das Musical Ludwig II. gemacht. „Als der König mit seinem Hermelinmantel die Stufen herab schritt, wusste ich: Das ist es“, so Gabi.

Sie ging in ihrem Nähzimmer in Klausur und werkelte fast zwei Wochen. Das Ergebnis: Umwerfend mit Prädikat. Auf alle Fälle war das Paar der „Eyecatcher“ des Abends. Eine Woche später dann ein erneuter Auftritt mit Ansage. Fürs Weiberkranzl waren königliche Hoheiten angekündigt. Natürlich wollte die jeder sehen, der Saal zum Empfang brechend voll. Die Rolle für ein Traumpaar war aus der Taufe gehoben.

Irgendjemand kam schließlich auf die Idee, mit weiteren Akteuren dem Schlossgarten von Linderhof einen Besuch abzustatten. Das kam bei Gabi voll an. Ab jetzt glühten die Nadeln ihrer Nähmaschine. Von der Hofdame über die Minister bis zur Kammerzofe wurde alles eingekleidet, inklusive zwielichtigem Arzt. Nicht etwa aus neuen Stoffen. Gabi zerlegte alte Kleider bis hin zum Brautkleid und kreierte nach ihrer Fantasie in unzähligen Stunden neue königliche Roben.

Da werden die Fotoapparate und Smartphones gezückt: Bei der König-Ludwig-Nacht am 25. August auf Schloss Linderhof waren König Ludwig II. und Kaiserin Sisi mitsamt Gefolge vor Ort und sorgten für viel Aufmerksamkeit.

Es wird ernst. Anfrage bei der Schlösserverwaltung, ob ein Auftritt in Linderhof erlaubt sei. Die Antwort mehr als nüchtern, aber erfolgreich. „Nicht nackt, kein Geld verlangen und nicht negativ auffallen“, so die Anforderungen. Der erste Auftritt folgt an einem 3. Oktober. In späteren Jahren dann am 25. August, des Königs Geburtstag. Als sie mit ihrer Kutsche oder besser gesagt ihrem Pkw am Schlagbaum zum Parkplatz von Linderhof ankamen, war der Parkplatzwärter jedoch gnadenlos. Er forderte, wie von jedem normalen Besucher, die Parkgebühr. Als Sisi ihm mit charmantem Augenaufschlag erklärte, dass doch der König Ludwig persönlich zu einem Besuch in sein Schloss käme und der doch bestimmt keine Parkgebühr zu zahlen hätte, schüttelte der gute Mann nur seinen Kopf. „Auch der König zahlt bei uns, wo kämen wir denn sonst hin“, die nüchterne Antwort des Kassiers.

Sonst aber lassen sich die Menschen gerne verzaubern. „Ich fühle ich mich wirklich wie Sisi. Man geht erhaben, man passt sich den Gegebenheiten an“, schwärmt Gabi. So auch an besagtem Sonntag in Nymphenburg. Ein Auftritt, der auf alle Fälle den Besuchern noch lange in Erinnerung bleiben wird. Den Akteuren natürlich auch. Und Gabi? Die hat schon wieder neue Ideen für den nächsten Auftritt. Wann der sein wird? Das steht noch in den Sternen. Auf alle Fälle wieder spontan und ganz ohne Ankündigung.

VON HANS-HELMUT HEROLD

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