Ein zum Teil ausgeschlachteter blauer VW Golf III, der auf dem Parkplatz an der Staatsstraße 2057 zwischen Rott und Wessobrunn illegal entsorgt wurde.
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Teilweise ausgeschlachtet ist der blaue VW Golf III, der auf dem Parkplatz an der Staatsstraße 2057 zwischen Rott und Wessobrunn illegal entsorgt wurde. Inzwischen ist noch jede Menge Müll hinzu gekommen.

Illegal an der Staatsstraße abgeladen

Golf ist reif für die Schrottpresse, doch die Entsorgung lässt auf sich warten

  • Klaus Mergel
    vonKlaus Mergel
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Seit etwa sieben Wochen steht auf dem Parkplatz zwischen Rott und Wessobrunn ein Schrottauto. Es wurde illegal entsorgt – die fachgerechte Verschrottung geht nun auf Kosten des Steuerzahlers. Doch während der Standzeit erlebte das Wrack ein gewisses Eigenleben.

Rott – Erst waren die Hecklichter weg. Später Teile der Innenverkleidung, dann die Blinkleuchten. Und seit einigen Tagen ragt die hintere linke Nabe nackt und ohne Rad aus der Karosserie heraus. Sogar der Ölnachfülldeckel hat einen neuen Liebhaber gefunden.

Schrottauto erlebte in sieben Wochen einen erstaunlichen Schwund an Einzelteilen

Der blaue Golf III an der Staatsstraße 2057 von Rott nach Wessobrunn erlebte in den vergangenen Wochen gerade einen Schwund an Teilen. Der Eigentümer? Unbekannt, keine Kennzeichen mehr vorhanden. Klar ist jedoch: Das Auto ist reif für die Schrottpresse – und wurde wohl von seinem einstigen Besitzer illegal entsorgt.

Das Auto wurde von einem polnischem Lastwagen abgeladen, Kfz-Meister findet das „eine Sauerei“

Vor etwa sieben Wochen wurde ein polnischer Lastwagen gesehen, wie er das Auto an dem kleinen Parkplatz an der Staatsstraße 2057 bei Rott ablud. Die Kennzeichen hatte der Beobachter leider nicht notiert. „Der hat das Auto da illegal entsorgt, das ist eine Sauerei“, sagt Kfz-Meister Bernd Stäbel. Stäbel, der eine Werkstatt in Rott betreibt, nützt gelegentlich die Strecke von rund 800 Metern inklusive Parkplatz als Wendepunkt für kurze Testfahrten bei Reparaturen.

Polizei klebte orangen Aufkleber aufs Auto, doch es passierte nicht viel

Der Handwerker hat den blauen Golf daher recht bald bemerkt und umgehend die Polizei angerufen. „Die kamen dann, haben das Auto untersucht und den orangenen Aufkleber draufgeklebt“, sagt Stäbel. Dann passierte erst mal eine Zeit lang nichts. „Außer, dass das Auto wie erwähnt „immer weniger wurde“, wie Stäbel bei seinen Testrunden feststellte.

Entsorgung zieht sich hin: Behörden müssen sich erst noch absprechen

Eine Nachfrage bei der Polizei ergibt: Man habe den Fall bereits an das Landratsamt weitergegeben. „Das Fahrzeug ist uns bekannt“, sagt Wolfgang Müller, Pressesprecher beim Landsberger Landratsamt. Es gäbe noch zu klären, wer für eine Entsorgung zuständig sei. „Dazu sind wir mit dem Weilheimer Straßenbauamt in Kontakt, denn diese Behörde ist Eigentümer des Parkplatzes.“

Das Prozedere ist in solchen Fällen für die Behörden nicht immer ganz einfach, gerade, wenn sich ein Wrack auf Privatgrund befindet. Gesetzlich gilt: verantwortlich ist letztlich der Verursacher. Die Polizei muss versuchen, den letzten Halter ausfindig zu machen, diesen zu kontaktieren und aufzufordern, das Schrottauto zu entfernen.

Eine ausrangierte Autokupplung hat ein Unbekannter in dem Schrottauto entsorgt.

Nicht selten werden jedoch Kennzeichen entfernt und Fahrzeugidentifikationsnummern aus dem Rahmen geschliffen – gerade bei älteren Fahrzeugen wie dem Golf ist das noch einfach. Schlimmstenfalls muss dann der Besitzer des Grundstücks die Entsorgung bezahlen, eine Kommune oder der Landkreis. Dennoch: Bei der Bearbeitung müssen von den Ämtern Fristen eingehalten werden – darum steht das Fahrzeug vermutlich noch Wochen auf dem Parkplatz.

Autowrack bekommt Gesellschaft: Unbekannte haben noch mehr Unrat abgelagert

Und dort ist mit dem alten Golf eine weitere erstaunliche Verwandlung geschehen, wie Kfz-Mechaniker Stäbel bei seinem Testrunden bemerkt hat – in die umgekehrte Richtung: „Nun wurde das Auto nicht weiter weniger, sondern eher mehr“, so Stäbel. Es kamen nämlich Dinge hinzu: Alte Reifen wurden bei Nacht und Nebel im und am Fahrzeug abgelegt. Ebenso Flaschen, Lebensmittel, eine ausrangierte Fahrzeugkupplung, Radkappen und Schmuddelhefte. Stäbel: „Die haben da einfach ihren Müll entsorgt.“

In ein bis zwei Wochen soll das Auto verschwinden - auf Staatskosten

Doch dann gehen die Amtswege schnell: Eine Stunde nach der Presseanfrage meldet sich Landratsamt-Sprecher Müller, dass man gerade von der Polizei eine Mitteilung bekommen hätte. „Der Halter konnte wohl nicht festgestellt werden“, so Müller. Damit sei das Landratsamt als Abfallrechtsbehörde zuständig. Das bedeutet: „Das Fahrzeug wird in ein bis zwei Wochen auf Staatskosten entsorgt.“ Bleibt zu hoffen, dass der etwas einsame Parkplatz dann schrottfrei bleibt.

Übrigens: Ein wenig Pech hatten die Landsberger da schon. Wären die illegalen Entsorger noch ein wenig weiter gefahren, wäre das Landratsamt Weilheim-Schongau zuständig gewesen: Denn der Parkplatz befindet sich gerademal 500 Meter vor der Landkreisgrenze.

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