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Für die Fertigstellung der Lugenseestraße in Rott, deren vorderster Bereich historisch und deshalb nicht beitragspflichtig ist, werden 257 000 Euro veranschlagt.

Überraschende Wende 

Rotter Gemeinderat rudert bei Altstraßen-Sanierung zurück

  • vonRoland Halmel
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Schon vor knapp einem Jahr, als das Thema erstmals auf der Tagesordnung stand, war das Besucherinteresse groß. Und jetzt wieder: Wegen des Tagesordnungspunktes „Fertigstellung und Abrechnung einiger Altstraßen“ in Rott gab es im Pfarrheim keinen freien Platz mehr. Unter Einhaltung der Corona-Abstandsregeln verfolgten rund 20 Besucher, praktisch allesamt Anlieger der betroffenen Straßen, die Gemeinderatssitzung.

Rott – In der jüngsten Sitzung des Rotter Gemeinderates überraschte Bürgermeister Fritz Schneider zu Beginn mit seiner Ankündigung, über die Römerstraße und Wiedenwiesstraße erneut abstimmen zu lassen. Nur die Lugenseestraße sollte seiner Meinung nach endhergestellt werden. „Ich habe die Vor- und Nachteile abgewogen. Aus meiner Sicht ist es nicht mehr so aktuell, alle Straßen zu machen“, erklärte Schneider, der noch vor gut einem Jahr zu den Gemeinderäten gehörte, die beim einstimmigen Beschluss für die Sanierung aller drei Straßen die Hand gehoben hatte.

Ingenieur Max Lang stelllte die Planungen vor.

Vor der Diskussion über diesen Vorschlag stellte Planer Max Lang vom Ingenieurbüro Schenk & Lang die Kosten für den einfachen Ausbau der einzelnen Straßen vor. Für die Lugenseestraße, deren vorderster Bereich historisch und deshalb nicht beitragspflichtig ist, werden 257 000 Euro veranschlagt. Für die Römerstraße bezifferte Lang die Gesamtkosten auf 293 000 Euro und für die Wiedenwiesstraße auf 281 000 Euro.

Bei der Debatte über das Für und Wider machte Gemeinderat Jörg Schwämmle, der als Anwohner der Lugenseestraße direkt von der Maßnahme betroffen ist, seine Kritik an dem Vorhaben klar: „Da kommen gewaltige Summen auf die Betroffenen zu, und das in Corona-Zeiten“, erklärte Schwämmle. Dessen Antrag, ebenfalls über die Lugenseestraße erneut abzustimmen, wurde angenommen.

Thema Gerechtigkeit kommt zur Sprache

„Ich kann es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, dafür zu stimmen bei den Kosten für die Anlieger“, signalisierte Florian Rauch, der im vergangenen Jahr ebenfalls dafür gestimmt hatte, die Sanierung jetzt nicht mehr mittragen zu können. Die Kosten brachte auch Hans Erhard ins Spiel: „So viel Geld zu vergraben, ist schon happig, aber die Lugenseestraße gehört gemacht.“

Ähnlich argumentierte Vizebürgermeisterin Sabine Blank: „Der Zustand der Lugenseestraße ist nicht vertretbar, die beiden anderen würde ich so lassen“. Stephan Rupp plädierte dafür, alle drei Straßen zu machen, und Anna Schneider brachte das Thema Gerechtigkeit ins Spiel, da praktisch alle Rotter Erschließungskosten zahlen müssten.

11:2-Mehrheit für Endfertigstellung der Lugenseestraße

Auf die Frage nach möglichen Einsparpotenzial für die Straße, die fünf Meter breit werden soll und eine Beleuchtung plus Entwässerung erhält, sah Lang nur wenig Spielraum von vielleicht 10 000 Euro: „Das ist ein sehr sensibles Thema, deshalb beantrage ich namentliche Abstimmung“, leitete Bürgermeister Schneider schließlich zum mit Spannung erwarteten Votum über. Jeweils mit 9:4 Stimmen sprach sich das Gremium dafür aus, den Beschluss über die Römer- und Wiedenwiesstraße aufzuheben. Bei der Lugenseestraße gab es eine klare 11:2- Mehrheit für die Endfertigstellung.

Danach erfolgte eine ausführliche Debatte über den prozentualen Anteil, den die Anwohner zu tragen haben. Mehrere Varianten, die niedrigste lag bei 30 Prozent für die Betroffenen, wurden diskutiert. Letztlich stimmte der Rat mit einer 8:5-Mehrheit für den Vorschlag mit 70 Prozent. Wenn alle Anlieger mitmachen, sinkt der Satz auf 60 Prozent, was in Summe rund 180 000 Euro ausmacht, die aufgeteilt werden müssen.

Wie die Kostenaufteilung erfolgt, wird unter anderem am kommenden Montag bei Anliegerversammlungen besprochen. Diese werden für alle drei Straßen durchgeführt, um alle Betroffenen vom Ergebnis der Sitzung zu informieren.

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