Freie Sicht auf das Klosterdorf gibt’s vom Gärtnereigelände aus. Dass sich hier ein Vollsortimenter ansiedeln soll, beäugen drei Gemeinderäte noch immer kritisch.
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Freie Sicht auf das Klosterdorf gibt’s vom Gärtnereigelände aus. Dass sich hier ein Vollsortimenter ansiedeln soll, beäugen drei Gemeinderäte noch immer kritisch.

Gemeinderat Rottenbuch legt Standort für Vollsortimenter fest

10:3 Stimmen fürs Gärtnereigelände

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Rottenbuchs Gemeinderat startet wahrlich mit Schwung ins neue Jahr. Gleich in der ersten Sitzung 2021 gab es Diskussionen, ein paar Mal Kopfschütteln und eine wichtige Entscheidung: Nämlich die, wo ein Vollsortimenter im Ort entstehen soll.

Rottenbuch – Der Planungsstopp auf dem Gärtnereigelände ist aufgehoben. Das hat am Mittwochabend Rottenbuchs Gemeinderat entschieden. Damit war der Weg frei, wieder über die Zukunft von Feuerwehrhaus, Bauhof und Supermarkt zu diskutieren.

Zu Beginn der Sitzung stand eine Bauvoranfrage der Regens-Wagner-Stiftung auf der Tagesordnung, die alles ins Rollen brachte. Als es um den Neubau der Don-Bosco-Förderschule ging, herrschte im Gremium noch Einigkeit. Der Schulträger wollte mit seiner Anfrage abklären lassen, ob ein Neubau auf dem eigenen Grundstück und kleineren Streifen der Nachbarflächen möglich ist (ausführlicher Bericht folgt).

Regens-Wagner-Stiftung legt Plan vor

Einstimmig nickte der Gemeinderat den Vorschlag ab. Obwohl die Idee noch viele Hürden nehmen muss, dachte der Gemeinderat bereits weiter.

Denn weil die Regens-Wagner-Stiftung einen Plan vorgelegt hat, stand auch zur Debatte, was nun mit dem Gärtnereigelände passiert. Dort herrschte seit 2017 ein Planungsstopp, da die Gemeinde das Grundstück in der Hinterhand behalten wollte, falls Regens Wagner es für den Neubau benötigt.

Mit der Bauvoranfrage für eine andere Fläche kam auch die Frage auf: Können die Planungen auf dem Gärtnereigelände weitergehen? Immerhin hatten sich beim Bürgerentscheid 2017 insgesamt 62 Prozent der Wähler dafür ausgesprochen, dass dort ein Vollsortimenter entstehen soll. Zwischenzeitlich hatte die Gemeinde als Alternative den Postplatz prüfen lassen.

Stichwort Vollsortimenter

Als Bürgermeister Markus Bader das Thema „Standort für Vollsortimenter“ zur Sprache brachte, war’s aus mit dem einheitlichen Kopfnicken. Schon bei der Frage, ob der Planungsstopp aufgehoben werden sollte, herrschte Uneinigkeit. Und ein Grundsatzbeschluss, wie ihn Bader laut Tagesordnung fassen wollte, kam für Christian Erhard (CSU) schon mal gar nicht in Frage. „Ich finde es dafür zu früh“, sagte er. Und blieb bei der anschließenden Debatte stur. 2017 gehörte er mit Gabriele Eirenschmalz (Freie Wählergemeinschaft Rottenbuch-Schönberg), Alfred Speer (CSU), Christoph Donderer (CSU) sowie dem ausgeschiedenen Nikolaus Auhorn (Freie Wählergemeinschaft) zu jenen, die sich ganz offen gegen die Pläne auf dem Gärtnereigelände aussprachen.

Dreieinhalb Jahre später hat sich daran nichts geändert. „Ich sehe es immer noch so, dass das Gärtnereigelände städteplanerisch der falsche Ort ist“, sagte Erhard. Am liebsten würde er andere Grundstücke prüfen lassen – dafür fand er keine Mitstreiter. „Wir müssen doch mal was weiterbringen“, erwiderte Heiner Heiland (Freie Wählergemeinschaft Rottenbuch-Schönberg). „Für mich gehört jetzt ein Beschluss her: Postplatz oder Gärtnereigelände.“

Diskussion um Postplatz

Sein Fraktionskollege Stefan Strauß erinnerte daran, dass sich die Bürger einst entschieden hatten und alternative Standorte mit Hilfe einer Studie geprüft worden seien. „Es gab Gründe, weshalb man auf den Postplatz gekommen ist“, sagte Strauß. Auch Vitus Gansler (Schönberger Wählergemeinschaft) konnte sich für Erhards Anregungen nicht begeistern: „Ich will nicht mehr auf die Suche nach Grundstücken gehen“, sagte der Vize-Bürgermeister. „Dann sind wir in drei Jahren noch am gleichen Punkt.“

Erhard und Eirenschmalz stimmten schließlich dagegen, den Planungsstopp aufzuheben – da der Rest bei „Ja“ die Hand hob, ging das Diskutieren aber weiter: Sollte sich das Gremium nun auch gleich für eines der Grundstücke entscheiden? Eirenschmalz fand, dass man „nochmal diskutieren sollte“ – und entlockte ihren Ratskollegen Heiland und Strauß ein Kopfschütteln, beide stießen gleichzeitig aus: „Was willst Du denn da noch diskutieren?“ Strauß schob noch ein „Wir machen uns doch lächerlich“ hinterher.

Feuerwache soll ebenfalls ans Gärtnereigelände

Denn nach all den Jahren und Überlegungen hatte sich das Gremium zuletzt auch nichtöffentlich Anfang Dezember mit den Plänen der Don-Bosco-Schule und den Auswirkungen auf das Gärtnereigelände befasst. Mitte Dezember gab es weitere Gespräche im Geheimen. Bürgermeister Bader, der sich in Neutralität übte, wurde langsam ungeduldig: „Ich hatte im Dezember gefragt, ob es noch Gesprächsbedarf gibt“, betonte er.

Und so zogen Eirenschmalz, Speer und Erhard den Kürzeren beim Wunsch nach Vertagung – und auch bei der Abstimmung über den Platz eines künftigen Vollsortimenters. Mit 10:3 Stimmen sprach sich das Gremium für das Gärtnereigelände aus – Eirenschmalz und Speer hoben die Hand dagegen, Erhard wollte gleich gar nicht abstimmen und wurde so automatisch als Gegenstimme gezählt.

Neubau dringend notwendig

Zuvor wurde bereits die Zukunft für die neue Feuerwache geebnet – nur Erhard stimmte da mit „Nein“. Das Gebäude samt Platz für die Rettungswache sowie die Fahrzeughalle und die Werkstatt des Bauhofs sollen nach Wunsch der Gemeinderats-Mehrheit ebenfalls am Gärtnereigelände entstehen. D

er Neubau ist dringend notwendig, betonte Bader. „Da werden so viele Richtlinien nicht eingehalten, dass das Gebäude nicht mehr haltbar ist“, erläuterte der Bürgermeister, der dazu Post vom Kreisbrandrat bekommen hatte. Unter anderem ist der Rauchabzug problematisch, zudem fehlt eine Umkleide. „Ohne das Ziel ,Neubau‘ hätten wir von Amtswegen schon die Auflage, richtig viel Geld reinzustecken. Es wird Zeit.“

Mit den Beschlüssen könne nun wieder voll in die Planungen eingestiegen werden. „Es wird ein langer Weg“, sagte Bader. „Mit vielen Überraschungen wahrscheinlich.“

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