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Rottenbuchs Bürgermeister Markus Bader

Ärger am Ammerhang: Gemeinde sauer auf Bund Naturschutz

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Rottenbuchs Bürgermeister Markus Bader ist richtig sauer. Grund ist ein Grundstücksgeschäft an der Ammer. Die Gemeinde fühlt sich vom Landratsamt und dem Bund Naturschutz ausgebootet.

Rottenbuch – „Das finde ich eine Frechheit.“ Selten ist Rottenbuchs Bürgermeister Markus Bader in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung derart ungehalten. Hintergrund ist ein Grundstücksgeschäft. Ausgerechnet im sensiblen Bereich der Ammerhänge. Auf das dortige FFH-Gebiet hat die Gemeinde seit Jahren ein wachsames Auge.

Wie Bader erklärte, handelt es sich um ein circa vier Hektar großes, bewaldetes Areal zwischen der Ortsrandbebauung und dem Flussufer, neben der Straße aus Böbing. Dieses wurde auf dem Immobilienmarkt angeboten, die Gemeinde hatte ein Vorkaufsrecht. Grundlage ist ein einstimmiger Ratsbeschluss: Bei Grundstücken von öffentlichem ökologischen Interesse soll über einen Kauf entschieden werden. Im vorliegenden Fall verzichtete Rottenbuch Bader zufolge jedoch auf dieses Recht. Grund: Laut Bürgermeister gab es für das Areal einen privaten Interessenten – bei diesem habe es aus gemeindlicher Sicht gepasst. „Es wäre in guten Händen“, so Bader. „Aus dem Nichts“ tauchte plötzlich der Bund Naturschutz (BN) auf und zog sein Kaufrecht, wie das Dorfoberhaupt erbost erläuterte. Die Situation sei jedoch eindeutig: „Rein rechtlich können wir gar nichts machen.“

Gemeinde hat auf Kauf des Grundstücks am Ammerhang verzichtet

Dass sich die Naturschützer das Grundstück geangelt hat, sieht der Rottenbucher Bürgermeister gar nicht als Problem. Es ist vielmehr das Vorgehen der Beteiligten, das Bader sauer aufstößt. Die Gemeinde fühlt sich ausgebootet. Immerhin sei man seit Jahren dabei, ein schlüssiges Gesamtkonzept für die ökologische Sicherung und Aufwertung der Flächen von der Ammer bis hoch zum Klosterdorf zu entwickeln. Zum Beispiel unweit des jetzigen Zankapfels: Wie berichtet, bereitet ein dortiger Rutschhang der Kommune ständig Sorgen. 2018 gab es diverse Gespräche zwischen Gemeinde, Behörden und WWF. Ziel: Verbände und Freistaat sollten laut Bader „zumindest Teilflächen erwerben“, um das Gelände nachhaltig zu sichern. Doch daraus wurde nichts. Gemäß Rathauschef winkten die Gesprächspartner ab, für Rottenbuch selbst habe ein Kauf nicht zur Debatte gestanden. „Das Thema war für mich abgehakt.“ Obwohl die Gemeinde die Hand weit ausgestreckt habe.

Verhalten des Bund Naturschutz für Bürgermeister „ein Unding“

Dass sich der Bund Naturschutz nun nicht vorher im Rathaus gemeldet hat, ist für Bader „ein Unding“. Der Bürgermeister kritisiert in erster Linie jedoch das Landratsamt: Die Kreisbehörde („Die schreiben doch Empfehlungen“) hätte den Käufer auf die Rottenbucher Interessen hinweisen können. „Warum macht man Runde Tische, wenn die Gemeinde bei solchen Geschichten völlig außen vor gelassen wird?“

Der Bürgermeister hofft auf ein Gesprächsangebot der Naturschützer. Die Verhandlungsposition ist allerdings schlecht: „Wir sind auf Wohlwollen angewiesen.“ Unterstützung hat Bader jedenfalls von seinen Gemeinderäten. Einmütig segneten sie seine Linie ab: das Gespräch mit den Naturschützern abwarten und gleichzeitig beim Landratsamt einzuwirken, „um die Maschinerie anzuhalten“. Überhaupt, sagt der Rathauschef in Richtung BN: „Wir sind auch Mitglied.“ Rund 80 Euro zahle die Gemeinde jährlich.

Vom Landesverband des Bund Naturschutzes war urlaubsbedingt keine Stellungnahme zu erhalten.

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