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Magnus Stückl aus Rottenbuch zeigt stolz das Wachsstöckl her, das er daheim in seinem Wohnzimmer aufbewahrt. Es ist an einem Lichtmess-Tag geweiht worden.

Am 2. Februar ist Mariae Lichtmess

Früher war Lichtmess ein wichtiger Tag im Bauernjahr

Früher war Mariae Lichtmess (2. Februar) ein wichtiger Tag im Bauernjahr. Da erhielten die Knechte und Mägde ihren Jahreslohn in Geld und Naturalien. Außerdem wurde ihnen mitgeteilt, ob ihr Dienstverhältnis um ein Jahr verlängert wird oder nicht. Doch dieses Brauchtum ist heutzutage fast schon in Vergessenheit geraten. Nur ältere Leute erinnern sich noch daran.

Rottenbuch – Es ist ein Kleinod, das Magnus Stückl aus Rottenbuch in Ehren hält: ein Wachsstöckl, sauber aufgewickelt, mit einer kleinen Krone vorne drauf, schön verziert – und an einem 2. Februar anlässlich Mariae Lichtmess geweiht. Aus welchem Jahr dieses Wachsstöckl stammt, weiß der 82-jährige Rottenbucher gar nicht mehr so genau, seine Mutter hat es ihm weitergereicht.

Mariae Lichtmess – so erzählt Magnus Stückl – beendet die Weihnachtszeit. „Da wird die Krippe abgebaut“, sagt er. Der Christbaum kommt meistens schon an Heiligdreikönig raus, aber die Weihnachtskrippe steht auch bei Magnus Stückl bis zum heutigen Tag im Wohnzimmer. „Das ist bei uns im Haus so Tradition“, sagt er.

Mit Knechten und Mägden hat Magnus Stückl in seinem Leben nichts mehr zu tun gehabt, aber er weiß vieles aus der damaligen Zeit noch von seiner Grußmutter Barbara Stückl, Jahrgang 1877, die viel aus ihrem Leben erzählt hat. Wie sie mit 13 Jahren von Schönberg zu einem Bauernhof in Graswang gekommen ist und dort das ganze Jahr über gearbeitet hat. Verpflegung, Schuhe, Gewand und was man zum Leben so brauchte, hat es während des Jahres gegeben, doch der Lohn – also Geld – ist immer nur an Mariae Lichtmess ausbezahlt worden.

Karl Echtler aus Rottenbuch kann sich mit seinen 93 Jahren noch an so manche Begebenheit aus früheren Jahren erinnern.

Mit Lichtmess ist auch das „Schlenggeln“ verbunden. Dies ist eine bis ins 20. Jahrhundert in Bayern und Österreich bekannte Bezeichnung. Der Schlenggeltag ist der Tag, der Mariae Lichtmess nachfolgt. An diesem Tag begann für das Gesinde ein kurzer Zeitraum bis St. Agatha (5. Februar), der Gelegenheit für den Arbeitsplatzwechsel bot und eine Art „Jahresurlaub“ für die Knechte und Mägde darstellte. Das hat für alle Dienstboten und Mägde gegolten, die einst auch als „Ehalten“ bezeichnet worden sind, wie Magnus Stückl heute noch weiß.

Seine Großmutter Barbara Stückl war aber nicht nur im Graswangtal auf einem Bauernhof tätig, sondern später auch in Oberammergau und Saulgrub, bevor sie dann in Rottenbuch auf den Hubeler-Hof eingeheiratet hat.

Auch der Rottenbucher Altbürgermeister Karl Echtler, mittlerweile 93 Jahre alt, kennt noch so manchen Lichtmess-Brauch. „Da haben die Dienstboten und Mägde miteinander gefeiert, mit Musik und Tanz – und sie haben sich nach einem neuen Dienstherren umsehen können. „Die Viehhändler, die viel herumgekommen sind, haben immer gewusst, wo es einen guten freien Platz gibt“, erzählt Karl Echtler. Und er weiß, dass es im Fohlenhof in Rottenbuch zeitweise acht bis zehn Knechte und Mägde gegeben hat. Die haben in einem Seitenbau ihre Unterkunft gehabt und dort gemeinsam gegessen. Gekocht hat für sie Anna Demmel, die später beim Kirchenbauer in Oberammergau eingeheiratet hat, so die Erinnerungen des Altbürgermeisters.

Übrigens, so ein Wachsstöckl wie es Magnus Stückl hat, befindet sich auch noch in Besitz von Erika Erhard aus Rudersau. „Ich habe es von meiner Mutter erhalten, es ist noch nie angezündet worden“, sagt Erika Erhard.

Was es mit Mariae Lichtmess auf sich hat: 

Begründet ist das Fest der Darstellung des Herrn (volkstümlich: Mariae Lichtmess) ja in der Bibel: 40 Tage nach seiner Geburt bringen Maria und Josef Jesus in den Tempel von Jerusalem, um das Reinigungsopfer darzubringen, das im Judentum vorgeschrieben war (Lukas 2,22-39). Im Tempel begegnen die drei dem Greis Simeon, der Jesus als Sohn Gottes erkennt und ihn „Licht zur Erleuchtung der Heiden“ nennt. Daher wird Mariae Lichtmess 40 Tage nach dem 25. Dezember gefeiert und markierte bis zum II. Vatikanischen Konzil das Ende der Weihnachtszeit (heute am Fest der Taufe des Herrn, Sonntag nach dem 6. Januar). In Erinnerung an diese alte Tradition stehen in den Kirchen die Christbäume in der Regel noch bis zum 2. Februar. Auch in manchen Familien gibt es noch den Brauch, Krippe und Christbaum so lange stehen zu lassen. In der Kirche werden am 2. Februar (bzw. am Sonntag, der am nächsten an diesem Tag liegt, dieses Jahr 4. Februar) noch einmal die Christbäume beleuchtet, und es werden – in Erinnerung an die Worte Simeons – die Kerzen gesegnet, die das ganze Jahr über für die Kirche benutzt werden, auch die Osterkerze und die Kerzen für die Erstkommunionkinder. Ebenso gibt es am 4. Februar in den Kirchen auch schon den Blasiussegen. Tradition ist am Lichtmesstag auch eine Lichterprozession mit den frisch gesegneten Kerzen. „So wie die Kerzen die Kirche erleuchten, so soll Christus unser Leben hell machen“, sagt Altenstadts Pfarrer Karl Klein. In Altenstadt wird diese Lichterprozession am 2. Februar um 8 Uhr in der Basilika stattfinden. Früher gab es auch größere Prozessionen der Kirchenverwaltung und des Gemeinderates, die heute nicht mehr durchgeführt werden.

Michael Gretschmann

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